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Samstag, 12. April 2025

Der Herr Direktor

 Staatsopern-Direktor Bogdan Roščić ist für manche ein "rotes Tuch" - im Allgemeinen wohl überhaupt kein Sympathieträger, obwohl er offensichtlich große Manager-Qualitäten hat sowie die PR meisterhaft beherrscht. Kein Wunder, kommt er doch aus der Medienwelt.

Mein Bild von ihm ist geprägt von der Zeit, als er nur schon nominiert war: Da saß er jeweils im Ecksitz der Direktionsloge wie ein steinerner Gast mit eiserner Maske. Er redete mit niemandem und wurde auch von niemandem angeredet. Er applaudierte nur dann reserviert, wenn es aufgefallen wäre, dass er nicht applaudiert hätte. Für mich gehört er zu den Menschen, mit denen ich freiwillig nichts zu tun haben möchte. - Ein hochbegabter Autist wahrscheinlich ....



Montag, 6. Februar 2023

Was wir heute Wahrheit nennen

 Was wir heute Wahrheit nennen, ist nicht, was wahr ist, sondern was man andern einreden kann: so wie wir Geld nicht nur die gesetzmäßig geschlagene Münze nennen, sondern auch die falsche, die mit umläuft.

Montaigne

Montag, 22. August 2022

Einflüsse

 Wenn wir darin übereinstimmen, daß die ideale Methode, Wissenschaft zu lehren, darin besteht, dem Schüler die Möglichkeit zu geben, Newtons Gesetze von der Bewegung mehr oder weniger selbständig neu zu entdecken — kann man dieselbe Methode dann auch beim Vermitteln ethischer und moralischer Werte anwenden? Zunächst meinen wir unwillkürlich, daß Ethik im normalen Lehrplan nichts zu suchen hat, es sei denn, man spezialisiert sich auf Philosophie oder Theologie. Diese Antwort ist jedoch übereilt, denn bei allem, was wir in irgendeinem Fach unterrichten oder schreiben, vermitteln wir stillschweigend oder sogar ausdrücklich moralische Prinzipien und Werturteile. Der größte Aberglaube unserer Zeit ist der Glaube an die Wertfreiheit der Wissenschaft. Schon das Schlagwort Wertfreiheit beinhaltet ein  Programm und ein Credo.

Kein Schriftsteller oder Lehrer oder Künstler kann der Verantwortung entrinnen, andere zu beeinflussen, ob absichtlich oder nicht, ob bewußt oder nicht. Dieser Einfluß beschränkt sich nicht auf seine explizite Botschaft; er ist um so stärker und heimtückischer, als er größtenteils implizit ausgeübt wird - ein verborgener Verführer, dessen Lehren unbewußt aufgenommen werden,

A. Koestler

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Jedem Kenner des Menschen ist es bekannt, wie schwer es ist, Erfahrungen so zu erzählen, daß sich in die Erzählung kein Urteil einmischt. 

G. Ch. Lichtenberg


9 


Sonntag, 21. August 2022

Der Gell-Mann-Amnesia-Effekt

 Der "Gell-Mann-Amnesia-Effekt"

bezieht sich auf die Medienrezeption:

Wer sich in einem Fachgebiet gut auskennt, empfindet die Berichterstattung darüber meist als verzerrt, fehlerhaft und verständnislos. Sobald die Person aber mediale Beiträge zu anderen Themen wahrnimmt, verschwindet dieser Eindruck: Das Vertrauen in die journalistische Arbeit ist wieder hergestellt ( deshalb »Amnesia«),

Herkunft

Den Effekt hat der Schriftsteller Michael Crichton in einer Rede von 2002 zum ersten Mal beschrieben. Er bezieht sich dabei auf seinen Freund und Physiker Murray Gell-Mann.

Briefly stated, the Gell-Mann Amnesia effect is as follows. You open a newspaper to some subject you know well....You read the article and see the journalist has absolutely no understanding of either the facts or the issues. Often, the article is so wrong, it actually presents the story backward - reversing cause and effect. I call these the "wet streets cause rain" stories. Paper's full of them.

In any case, you read with exasperation or amusement the multiple errors in a story, and then turn the page to national or international affairs, end read as if the rest of the newspaper was somehow more accurate about Palestine than the nonsense you just read. You turn the page, and forget what you know.

That is the Gell-Mann-Amnesia effect. I'd point out it does not operate in other arenas of life:. In ordinary life, if somebody consistently exaggerates or lies to you, you soon discount everything they say. In court, there is the legal doctrine of falsus in uno, falsus in omnibus„ which means untruthful in one pattern, untruthful in all. But when it comes to the media, we believe against evidence that it is probably worth our time to read other parts of the paper. When, in fact, it almost certainly isn't. The only possible explanation for our behavior is amnesia.


 

Umwandlung von Begriffen

Typisch dafür, wie wissenschaftliche Entdeckungen von den Medien und dem Laienpublikum aufgenommen werden, scheint zu sein. daß bestimmte, ungenau oder schlicht falsch interpretierte Begriffe oftmals das einzige sind, was auf dem Weg von der Fachzeitschrift zur Illustrierten oder zum Taschenbuch übrigbleibt. Die wichtigen Einschränkungen und Unterscheidungen, manchmal sogar die eigentliche Idee, gehen unterwegs leicht verloren. Man denke nur an den weitverbreiteten Gebrauch so beliebter Begriffe wie »Ökologie« oder »Quantensprung«, ganz zu schweigen von dem New-Age-Ausdruck »Energiefeld«. Natürlich kann man einwenden, daß Begriffe wie »Chaos« und »Energie« schon vor ihrem fachsprachlichen Gebrauch in Umlauf waren. doch werden ja gerade diese fachsprachlichen und nicht etwa die ursprünglichen Bedeutungen entstellt wiedergegeben.

Angesichts immer wirkungsvollerer schriftstellerischer Methoden, mit denen sich bestimmte nützliche Begriffe in nichtssagende Klischees verwandeln lassen, sollten wir unbedingt vermeiden, daß die verschiedenen Komyplexitätsbegriffe dasselbe Schicksal erleiden. 

M. Gell-Mann. 

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>>> "schriftstellerisch" - im Original heißt es 'literary' - und das finde ich nicht gut übersetzt; allerdings fehlt mir auch das entsprechende deutsche Wort dafür. Aber wörtlich "literarisch" wäre immer noch besser.

Mittwoch, 5. Januar 2022

Der kleine Unterschied

 Der Meteorologe berichtet:

"Die Termperatur liegt 10° über dem mehrjährigen Durchschnitt"

In den Medien wird sie wie folgt wiedergegeben:

"Die Temperatur ist um 10° zu hoch".

??

Kein Unterschied?

Ich denke, ein gewaltiger! 

Im ersten Statement wird ein Sachverhalt mitgeteilt, im zweiten kommt eine Bewertung dazu, wird der Sachverhalt  "eingerahmt" (framing) in ein Bezugssystem und das ist immer die zeitgeistige Strömung, aktuell also die sog. "Klimakrise".

Nach dieser Methode werden seit langem die wissenschaftlichen Erkenntnisse von den Journalisten unter das Volk gebracht. Und dieses Volk hat kaum eine Chance, dieser verbogenen Darstellung der Wirklichkeit zu entkommen.

***

Und übrigens wäre ja noch zu hinterfragen, wie die erste Aussage zustande kam: 

Welcher "Durchschnitt" ist eigentlich gemeint: Arithmetisches, Geometrisches Mittel  oder gar ein Median?

Und: Wieviele Jahre.....welche geographische Bezugsgröße.....

Freitag, 22. Oktober 2021

Pharisäer-Festival

 Zur "Chat-Affäre" im Herbst 2021

Von welcher Seite man es immer betrachtet, diese Vorgänge haben dazu beigetragen, die Achtung der Bürger vor ihren politischen und medialen Eliten gegen Null gehen zu lassen. So ungustiös die publik gewordenen Chats sind, so unappettitlich sind auch die Methoden der Opposition, um einen Gegner, der ihnen von Anfang an ein Ärgernis war, auszuschalten. Indem man via "Öffentliche Meinung" Sebastian Kurz den Status eines "Problembären" verliehen hat, war es nur eine Frage der Zeit, bis man ihn abschießen konnte. Die politische und mediale Opposition setzt fast ausschließlich Moralismen und eingebettete Justiz als Waffen gegen einen mißliebigen Politiker ein. Über diesen mag man denken, wie man will (er ist sicher kein Heiliger), aber Verunglimpfungen sind keine Argumente. Auch im "Öffentlichen Haus" der Republik hört man ganz selten fachliche Argumente und wenn, dann von Hinterbänklern. Und ganz schäbig finde ich, wie sich nun Feinde und Freunde über die erlegte Beute hermachen; da bleiben nur mehr Vergleiche aus der Fauna, nur ist es dort nicht widerlich.

Post in der WZ:


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Es ist die richtige Entscheidung von Sebastian Kurz, nicht als „lame duck“ in der Politik zu bleiben. Die Staatsanwälte der WKStA samt „befreundeter“ Medien und aggressiver „Ankläger“ im Ibiza-Ausschuss dürfen nun jubeln: Sie haben mit Handy-Zufallsfunden und wackeligen Vorwürfen einen der talentiertesten Politiker Europas aus allen Ämtern geschossen. Es wird wie üblich jahrelang dauern, bis alles gerichtlich aufgeklärt ist.

Martina Salomon am 3.12.21 im KURIER.


Dienstag, 23. Februar 2021

Zeitgeist

 ,,Wenn eine Seite nun besonders hervortritt, sich der Menge bemächtigt und in dem Grade triumphiert, daß die entgegengesetzte sich in eine Ecke zurückziehen und für den Augenblick im stillen verbergen muß, so nennt man dieses Übergewicht den Zeitgeist, der dann auch eine Zeitlang sein Wesen treibt."

 

"Was ihr den Geist der Zeiten heißt,
Das ist im Grund der Herren eigner Geist,
In dem die Zeiten sich bespiegeln."

J. W. Goethe 

 

Samstag, 14. November 2020

Coronartiges

  • Jetzt  ist die große Zeit der Blockwarte, Hilfssheriffs, Besserwisser, Mahner, Unheilspropheten, Zeigefinger-Prognostiker, der privaten und medialen Angstmacher angebrochen - jener Zeitgenossen also, die die Kirche partout nicht im Dorf lassen wollen und können, weil sie außerhalb mit ihr bessere Geschäfte machen.
  • Jetzt leben jene auf, die "immer schon dagegen" waren und sind - gegen Alles, aber ganz besonders, wenn es "von oben" kommt. Und nun gar vom politischen Gegner! Leider ist "dagegen sein" bis jetzt auch der einzige Beitrag, der von der Opposition kommt.
  • Es ist aber auch die Zeit derer, die auch am Telefon den Mund-Nasen-Schutz tragen und in der Nacht aufstehen, um sich die Hände zu waschen.
  • Und leider ist es aber auch eine Zeit der realen Angst, dem stärksten Gift überhaupt für Gesellschaft und Individuen. Und die Medien sorgen dafür, dass sie nicht erlischt, denn:  'fear sells'!
  • Und die Wissenschaft? Einerseits erbringt sie favelhafte Leistungen durch Entwicklung und Bereitstellung eines Impfstoffs, andererseits ist sie zerstritten über die richtigen sozialen und finanziellen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie. Man glaubt es nicht, wie eitel und eifersüchtig die diversen Professoren von den diversen Universitäten und den diversen Lehrkanzeln sich einander belauern, verleumden und bekämpfen. Sicher ist, dass es nicht nur eine richtige Strategie gibt, aber völlig unklar, welche die richtige ist. Verschiedene Länder haben verschiedene Vorgangweisen gewählt, aber nirgenwo ist es eklatant besser verlaufen. Aber die wissenschaftlichen Meinungsunterschiede - ein völlig normaler Vorgang in diesem Bereich - liefern natürlich jede Menge Munition für frustgeborene Empörungen und somit für alle jene Kräfte, die mit der Krise  ihr politisches oder noch häufiger kommerielles Süppchen kochen.
Leider haben die sog. "Verweigerer" auch den Begriff "Querdenker" in Verruf gebracht (s.u.).Dabei sind das in meinen Augen  nur  "Verquer-Denker"  sowie "Engdenker", die sich eine Welt außerhalb ihres Scheuklappen-Sichtfeldes  nicht vorstellen können bzw. nur in der Form von diffusen Ängsten und Verschwörungstheorien: Wenn etwas auftritt, dass sie in ihrem Denkapparat nicht unterbringen können, dann ist es erstens grundverdächtig und muß zweitens durch finstere, geheime Absichten gesteuert sein. Siehe ein praktisches Beispiel: https://kumpfuz.blogspot.com/2021/01/bahnhofsabenteuer-corronarrisch.html

Der wahre Skeptiker ist niemals "von Haus aus" GEGEN etwas, sondern er will nur immer zuerst prüfen, ob es auch stimmt oder stimmen kann. Der "Dagegner" ist von Anfang an schon einmal gefühlsmäßig dagegen und sucht sich erst nachher sog. rationalen Argumente für seine Gegnerschaft zusammen: Und - wie die Welt nun mal beschaffen ist: Argumente finden sich immer und für alles und für jeden, der sie glauben will. 

Die Regeln für echte Zweifler sind nach G. Chr. Lichtenberg:

»Dinge zu bezweifeln, die ganz ohne weitere Untersuchung jetzt geglaubt werden, das ist die Hauptsache überall«,

 »Warum glaube ich dieses? Ist es auch würklich so ausgemacht?«

 »Zweifle an allem wenigstens Einmal, und wäre es auch der Satz: Zweimal zwei ist vier« 

 »Imrner sich fragen: sollte hier nicht ein Betrug stattfinden? und welches ist der natürlichste, in den der Mensch unvermerkt verfallen, oder den er am leichtesten erfinden kann?«

😉

Und es sei an das Grundmotto dieses Blogs erinnert:

Prudenter dubitare!  Zweifle mit Hirn! 

Mittwoch, 11. November 2020

Kritiker kritisch gesehen

 Günter Grass: über Lichtenberg und Reich-Ranitzky:

 „Nach dem Wolkenbruch heute nacht dampft der Garten. Vorsicht! Keine überflüssige Bewegung! Allenfalls Lichtenberg lesen, dessen Prosa kühlt. Wie er die Kritiker zu seiner Zeit (mit Nachhall bis heute) trifft, wie er sich immer wieder - und nicht ohne Genuß - den »Frankfurter Rezensenten« vornimmt. Gleich kommt mir, wie aufgerufen, ein gegenwärtiges Exemplar in die Quere, dessen eloquenter Pfusch sich ungeschmälerter Wirkung erfreut, weil weit und breit kein Lichtenberg dem Beckmesser sein einzig gültiges Werkzeug, die Meßlatte des Sozialistischen Realismus nachweist. Dabei erinnere ich mich an seine umtriebene Präsenz während der letzten Treffen der Gruppe 47: ein amüsanter Literaturnarr, liebenswert noch in seinen Fehlurteilen. Erst als ihm die Chefetage der FAZ Macht zuschanzte - das große Geld weiß, was frommt -, wurden seine Verrisse übellaunig bis bösartig, mißriet er zu Lichtenbergs »Frankfurter Rezensenten«.“

 🔆

Und hier noch ein paar Lichtenberg-Originale:

 » Ich sehe die Rezensionen als eine Art von Kinderkrankheiten an, die die neugebornen Bücher mehr oder weniger befällt. Man hat Exempel, daß die gesündesten daran sterben, und die schwächlichen oft durchkommen. Manche bekommen sie gar nicht. Man hat häufig versucht, ihnen durch Amulette von Vorrede und Dedikation vorzubeugen oder sie gar durch eigene Urteile zu inokulieren, es hilft aber nicht immer.«

 »Dinge zu bezweifeln, die ganz ohne weitere Untersuchung jetzt geglaubt werden, das ist die Hauptsache überall«,

 »Warum glaube ich dieses? Ist es auch würklich so ausgemacht?«

 »Zweifle an allem wenigstens Einmal, und wäre es auch der Satz: zweimal 2 ist 4« -

 »Immer sich fragen: sollte hier nicht ein Betrug stattfinden? und welches ist der natürlichste, in den der Mensch unvermerkt verfallen, oder den er am leichtesten erfinden kann?«

"Zweifel muß nichts weiter sein als Wachsamkeit, sonst kann er gefährlich werden."

Freitag, 25. September 2020

Vermessen

 »Die messbare Seite der Welt ist nicht die Welt; sie ist die messbare Seite derWelt«

meint der Frankfurter Philosoph Martin Seel.

 👉 https://kumpfuz.blogspot.com/2017/04/eigenma.html

Ich gestatte mir eine Variation:

Die mediale Sicht der Welt ist nicht die Welt; sie ist die mediale Sicht der Welt.

Sonntag, 26. April 2020

Kultivierte Leute

"Es war ein einfacher, ungebildeter Mann; gerade dieser Umstand macht sein Zeugnis glaubwürdig. Denn kultivierte Leute sind zwar wißbegieriger und sehen mehr, aber sie wollen alles erklären; und um ihre Deutung wahrscheinlich und für andere einleuchtend zu machen, laufen sie Gefahr, die Tatsachen etwas zu fälschen. . . . Für unseren Zweck aber muß der Berichterstatter absolut zuverlässig sein, oder so einfach, daß er nicht in der Lage ist, sich etwas auszudenken und seinen Erfindungen den Anschein der Wahrheit zu geben; er darf sich nicht in seine VorStellungen verliebt haben".
Montaigne

Samstag, 25. April 2020

Corona-Impressionen

Die Vögel warten...
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Jetzt ist eine große Zeit für Unheilspropheten angebrochen, für die mit "Ich habe es ja immer gesagt" und jene mit "Ihr werdet sehen, das wird alles noch viel schlimmer"! - Ebenso hat der Konjunktiv Hochsaison, praktisch alle Medien und "Experten" ernähren sich derzeit davon, uns zu erzählen, was alles auf uns zukommen "könnte". Aber:
„Wozu hätte der Mensch sein bißchen Vernunft, wenn er solche Proben nicht mit ihrer Hilfe bestehen könnte.“ (N. Dumba)
Ich selber bin als Pensionist und Singleton ja privilegiert: "Social distancing" fällt mir nicht schwer, ich habe sogar den Verdacht, dass es meinen klandestinen misanthropischen Neigungen entgegenkommt. Die Gastronomie muss sowieso schon seit 5 Jahren ohne mich auskommen. Um einige Opernabende bin ich "umgefallen", darunter leider auch der alljährliche Parsifal in der StOp. Auch die freudig erwartete "Cosi" unter Muti ist ins Wasser gefallen. Aber das sind alles keine Dramen, so lange ich meine Bücher habe und meinen überreichen Schatz an musikalischen Videos. Auf zwei meiner Strawanz-(Streuner-)Hobbies muss ich allerdings eine Weile verzichten: "Railway-roaming" und "rummage through flea markets". Ich halte mich schadlos, indem ich täglich den praktisch vor meiner Haustür liegenden Volksprater ausgiebig durchstreife, sozusagen meinen inneren Schweinehund äußerln führe - häufig bis zum Heustadelwasser:

Weitere fotografische Impressionen:
             https://photos.app.goo.gl/Niuz7exLk32uiHdU8
von meinen Streifzügen in und rund um Wien.

Es gibt viele Opfer dieser Krise: Einmal mehr und noch stärker als je zuvor zählt dazu die Wissenschaft der Statistik. Sie wird tagtäglich in schändlichster Weise von den Journalisten missbraucht. Sie wird aber auch von einigen "Experten" wissentlich auf den Strich geschickt. Man kann es kaum glauben: Fast immer werden die absoluten Todesfall-Zahlen der verschiedenen Länder zum Vergleich herangezogen, ohne jeden Bezug zur Bevölkerungszahl. Hier zeigt sich so deutlich wie sonst kaum, dass es den Medien nur auf den Schock-Effekt ankommt und nicht auf die Realität. Und wenn sie schon einmal Relativzahlen bringen, dann in der überaus beliebten schlichten %-Form und auch diese wird in 2/3 der Fälle noch falsch angewendet. Ganz abgesehen davon ist jede "wissenschaftliche" Prognose wertlos, wenn nicht der Grad der Wahrscheinlichkeit mit angeführt wird.  Ganz schlimm treiben sie es mit den überaus beliebten Diagrammen, wo sie heute die Y-Achse so unterteilen und morgen so - immer zum gleichen Sachverhalt! - um die den gewünschten WOW-Effekt zu erreichen. Bei den Wetterprognosen praktizieren sie das ja seit langem ohnehin. Das ist die Form der "Lügenpresse", die den wenigsten überhaupt auffällt und die mich am meisten stört.
😕😠😫
In Zeiten wie diesen treten sowohl positive als auch negative Seiten der Menschen stärker hervor. Und wie immer fallen letztere viel mehr auf: Besserwisser,  Mahner, Maßregler, Volkserzieher und jede Menge selbsternannter deputies drängen sich penetrant nach vorne und die Medien geben ihnen bereitwilligst ein Forum (s. u. *). 
Und dann natürlich die Politik: Natürlich ist es für die Oppositionsparteien, speziell für die SPÖ, fatal, dass sich die ganze Aufmerksamkeit der Medien und der Bürger auf die Regierenden richtet. Das muss speziell den Wiener Sozialdemokraten chronisches Bauchgrimmen verursachen. Ihre verzweifelten Versuche, dagegen zu halten, wirken verkrampft und wenig überzeugend. Dabei ist es "noch ein Glück", dass die Grünen in der Regierung sind. Damit müssen sich die linksaffinen Krakeeler, die obstinaten Gegen-die-Einbahn-Fahrer sowie die notorischen Kurz-Hasser ein wenig zurückhalten, zumindest was eine aktive manifeste "Gehorsamsverweigerung" betrifft ... umso lauter das Geschrei in den einschlägigen Foren. Am unsinnigsten verhält sich wieder einmal die FPÖ, vor allem wenn man bedenkt, was ein Innenminister Kickl in so einer Situation aufgeführt hätte - das wäre ganz sicherlich sehr viel weniger moderat gewesen. Aber so unglaubhaft etwas auch ist, es gibt immer Leute, die es gerne glauben. Und natürlich blühen überall heftig Neurosen und  http://kumpfuz.blogspot.com/2020/05/verschworungstheorien.html
*
Ende Mai 2020: Es sind gut 2 Monate vergangen und die üblichen "Obergscheiten" beginnen sich wieder zu "derappeln" und zetern lautstark darüber, was die Regierenden alles falsch gemacht haben und noch machen. Und natürlich dürfen auch "Demos gegen Corona" nicht fehlen. Entscheidend ist aber doch nur, dass die Verantwortlichen bei Ausbruch der Pandemie rasch und konsequent gehandelt haben. Hätten sie alles richtig gemacht, so müssten wir sie bei Lebzeiten schon heiligsprechen. Klar, es muß Kritik geben - aber was man derzeit aus manchen Medien und auch aus dem Parlament zu Gesicht und Gehör bekommt, ist sehr selten konstruktiv, sondern riecht deutlich nach ohnmächtiger Wut, nach Hass und Neid.
Und alle schreien nach Geld, Geld, Geld ... nur:  die es am härtesten getroffen hat, nämlich die letzten in der Beschäftigungskette (das sog. Prekariat), haben keine Stimme, die man in dem großen Jammergeschrei hört. Sicher hat es auch viele freischaffende Künstler - also die nicht prominenten - arg erwischt, aber die können sich Gehör verschaffen, weil sie sie ja ohnehin mit den Medien in einem Zug sitzen.
Extrem widerlich ist, wie manche Unternehmer die Krise nutzen, um "einzusparen"; eine bessere Gelegenheit, sang- und klanglos Arbeitskräfte kräftig abzubauen, wird es nicht so bald wieder geben. Aber sie fordern naürlich Hilfe vom Staat. Zum Kotzen!

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Und nun haben wir Ende März 2021, sind kurz vor Ostern und haben schon wieder einen "harten Lockdown". Die Nerven der meisten Leute liegen blank und sogar so besonnene Journalisten wie W. Hämmerle von der WZ verlieren die Contenance und werfen der Regierung Kopflosigkeit vor. Obwohl phantasiebegabt kann ich mir doch nicht vorstellen, dass eine andere Crew auf der Brücke viel anders agieren könnte. Auch sie müsste von den Experten den Most holen und Experten sind notorisch uneins. Zudem irren sie sich auch häufig, vor allem, wenn es um Voraussagen für die Zukunft geht; sie nennen es Modelle. Selbst in der Darstellung der Wirklichkeit liegen sie oft weit auseinander und schänden dazu die Wissenschaft der Statistik auf mannigfaltigste Weise. Kurz gesagt: Auch die Alternativen der Opposition, sofern sie überhaupt welche anbietet, sind stark auf Glauben gegründet. Am einfachsten haben es diejenigen, die gegen alles sind und das auch noch als eine besonders originelle Form des Denkens verkaufen. 


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*) Warum ich mir weitgehende Info-Medienabstinenz verordnet habe:

Die Dosis macht das Gift 

 In Anlehnung an diesen Leitspruch des berühmten Schweizer Alchemisten Paracelsus aus dem 16. Jahrhundert muss in der jetzigen Coronavirus-Krise auf ein Phänomen aufmerksam gemacht werden, das ein zusätzliches Belastungsmoment darstellt: Die Tendenz zur Reizüberflutung mit ihren negativen Folgeerscheinungen auf Körper und Seele ist ein ernstzunehmender, belastender Co-Faktor für unsere Gesundheit. Das Bestreben, sich in einer Ausnahmesituation wie der gegenwärtigen zu informieren und allgemein am Laufenden zu bleiben, ist verständlich. Nur ist der Grat zwischen notwendiger Informationsbeschaffung und dem Kniefall vor medialen Überangeboten mitunter äußerst schmal. Das Mehr an freier Zeit lässt Verhaltensmuster in den Vordergrund treten, die durch das übermäßige Konsumieren von diversen Berichten, Dokus oder Expertenaussagen geprägt sind. Die Sehnsucht nach Aufklärung kann rasch zur Sucht werden, weil die durch TV, Radio, Internet und soziale Medien bereitgestellten Botschaften bei den Empfängern häufig genau das Gegenteil von Klarheit bewirken und auf diese Weise der unstillbare Hunger nach fundierten Antworten bestehen bleibt. Eine Konsequenz daraus sind Unmengen an Bildern, Texten und Stellungnahmen, die geistig unverdaut in die Nacht „mitgenommen" werden und teils massive Schlafstörungen provozieren können. Die Folgen eines nicht erholsamen Schlafs über einen längeren Zeitraum im Klartext: Störung des Energiehaushaltes inklusive ungünstige Effekte auf unser Immunsystem, gereizte Stimmungslage und reduzierte allgemeine Belastbarkeit.

 

Aus NÖN. Dr. Bernhaut ist Psychiater und Psychoonkologe. Mittlerweile arbeitet er als Buchautor und Publizist. 




Freitag, 9. August 2019

Gejammer und Geraunze über die schlechte Welt

"So ist die Welt. Sie stellt uns Aufgaben. Wir können zufrieden in ihr sein und glücklich. Aber das muß man auch aussprechen! Ich höre es fast nie. Statt dessen hört man täglich Gejammer und Geraunze über die angeblich so schlechte Welt, in der wir zu leben verdammt sind.
Ich halte die Verbreitung dieser Lügen für das größte Verbrechen unserer Zeit, denn es bedroht die Jugend und versucht, sie ihres Rechtes auf Hoffnung und Optimismus zu berauben. Es führt in einzelnen Fällen zu Selbstmord oder zu Drogen oder zum Terrorismus.
Glücklicherweise ist die Wahrheit leicht nachzuprüfen: die Wahrheit, daß wir im Westen in der besten Welt leben, die es je gegeben hat. Wir dürfen diese Wahrheit nicht länger unterdrücken lassen. Die Medien, die in dieser Hinsicht die größten Sünder sind, müssen überzeugt werden, daß sie schweres Unheil anrichten.
Wir müssen die Medien dazu bringen, die Wahrheit zu sehen und zu sagen. Und wir müssen sie auch dazu bringen, ihre eigenen Gefahren zu sehen und, wie alle gesunden Institutionen, Selbstkritik zu entwickeln und sich selbst zu warnen. Der Schaden, den sie gegenwärtig anrichten, ist groß. Ohne ihre Mitarbeit ist es fast unmöglich, ein Optimist zu bleiben."
K. R. Popper
Aber diese "Mitarbeit" ist illusorisch, denn der Pessimismus ist ihr Geschäft. Sie sind "Angstmacher" von Beruf:
https://twitter.com/kumpfuz/status/1159080949130387457?s=20

"Sie fürchten, was sie selbst erfunden haben", so wie Kinder vor dem schwarzen Mann erschrecken, den sie erst selber für ihren Spielgefährten hingemalt haben: "Was ist elender als der Mensch, der sich von den eigenen Hirngespinsten beherrschen läßt?" 



Von meinem Samsung Gerät gesendet.

Mittwoch, 27. Februar 2019

Hälften

Eine Zeitung hatte Balfour ungewöhnlich scharf angegriffen. Der Premierminister nahm die Attacke gelassen hin und meinte:
„Ein chinesischer Weiser würde in einem solchen Falle sagen: Die Hälfte der Leute, die die Zeitung gekauft haben, hat den Artikel nicht gesehen. Die Hälfte derer, die ihn gesehen haben, haben ihn nicht gelesen. Die Hälfte derer, die ihn gelesen haben, haben ihn nicht verstanden. Die Hälfte derer, die ihn verstanden haben, haben ihn nicht geglaubt. Die Hälfte derer, die ihn geglaubt haben, sind Leute ohne Bedeutung. Also . . .“

Freitag, 7. September 2018

Mediezin

Duach di
Medizinischn
Adikln in da
zeidung
waas i jeztn
daas scho es
gebuanwean
ausgeschbrochn
schedlich is 

Ernst Kein, Weana Schbrüch

Mittwoch, 19. Juli 2017

Stille Größe



Ist doch - rufen sie vermessen,
Nichts im Werke, nichts getan.
Und das Große reift indessen
Still heran.
Es erscheint nun: niemand sieht es,
Niemand hört es im Geschrei.
Mit bescheid’ner Trauer zieht es
Still vorbei.


Feuchtersleben

Freitag, 3. März 2017

Genauso geht es zu

Martin Walser:
"Neulich im Fernsehen, das gewöhnliche Hin und Her zwischen Gegnern und Befürwortern. Der wortführende Gegner war verzeichnet als Publizist und als Atheist. Die Regie holte ihn oft ins Bild, wenn einer der Befürworter sprach. Er bot ein ausdauerndes Schmunzeln. Ein unangreifbares, ein allem überlegenes Schmunzeln. Es war deutlich, der Befürworter hatte keine Chance. Und die Regie und der Moderator waren ganz auf der Seite dieses unantastbaren Schmunzelns. Selbstzufriedenheit strahlte der Publizist aus. Wie kann man bloß noch an Gott glauben! Das strahlte der Publizist und Atheist aus. Und das darumherumsitzende Publikum zeigte durch Beifall, dass es auch dieser Meinung war. Der Moderator machte, wenn er zum Befürworter sprach, ein parodistisches Toleranzgesicht. 
Mir fiel dazu ein: Die Medien sind der Stammtisch der Nation. Zu dem Atheisten fiel mir ein: Er hat keine Ahnung. Wer sagt, es gebe Gott nicht und nicht dazusagen kann, dass Gott fehlt und wie er fehlt, der hat keine Ahnung. Führen wir uns ein Motiv der Religion vor von der Genesis bis ins zwanzigste Jahrhundert. Ein Motiv, das wissen will, ob Gott gerecht sei. Gründe so zu fragen, gab es in der Geschichte Europas genug. 
 Es ist eine eher unglückliche Entwicklung, dass Religion etwas geworden ist, was nicht mehr ohne Kirchliches gedacht wird. Wer sich heute fast instinktiv erhaben fühlt über alles Religiöse, weiß vielleicht nicht, was er verloren hat. Polemisch gesagt: Rechtfertigung ohne Religion wird zur Rechthaberei. Sachlich gesagt: Verarmt zum Rechthaben. 
Augustinus und die anderen, die einen Gott rechtfertigten, der Esau vorgeburtlich hasst und Jakob ebenso vorgeburtlich liebt, die haben damit ihre Welterfahrung ausgedrückt. Sie haben einen realistischen Roman geschrieben. Genau so geht es zu in dieser Welt. Und dass sie ihren Romanhelden Gott freisprechen, heißt nur: auch Gott ist nicht schuld daran, dass es so zugeht in der Welt. Es geht so zu, ohne dass jemand schuld ist. Auch Gott ist nur eine Ausdrucksfunktion des Weltgeschehens. Darin wird mehr ahnbar als sichtbar der Funke der Verbesserungswürdigkeit der Welt. Also der Funke, der Geschichte heißt oder Zukunft oder Utopie. Einfach weil wir, was ist und wie es ist, nicht bewegungslos ertragen. 
Wenn ich von einem Atheisten, und sei es von einem „bekennenden“, höre, dass es Gott nicht gebe, fällt mir ein: Aber er fehlt."


Dienstag, 6. Dezember 2016

Populisten

Die Populisten geben vor,auf das Volk zu hören,
die übrigen Politiker behaupten, von den Medien unabhängig zu sein,
welche ihrerseits fast durch die Bank beteuern, unabhängig zu sein.

Sonntag, 30. Oktober 2016

Medienschelte

Politiker schelten ist sowohl Massen- wie Profisport und vor allem darum allseits beliebt, weil ihn jeder ohne Training und gefahrlos ausüben kann. Die Schelte für die Medien, die an dem ganzen Schlamassel (wenn es denn eines ist) zumindest mitschuldig sind, gilt aber als verpönt - verpönt von den Medien selbst, die sich in gewohnter Weise von jeder Mitschuld selbst absolvieren. Und außerdem haben sie ja eh immer das letzte Wort in allen Belangen. Der irreparable Vertrauensverlust betrifft aber die Medien genau so wie die Politik und zwar ziemlich genau seit dem vorletzten Sommer: Da mussten  die Bürger fassungslos zusehen, wie Massen von Menschen unkontrolliert und mehr oder weniger unbehelligt von allen staatlichen Organen in das Land strömten und die Medien dazu nichts anderes zu bieten hatten als salbungsvolle Moral-Episteln und selbstgerechte Menschlichkeits-Fanfarenklänge. Da wurde selbst dem bildungsfernsten Bürger klar, dass die maßgeblichen Medien das Sprachrohr der Eliten sind und die Politiker ihre Tanzbären.  Und selbst der Dümmste macht sich seinen Reim darauf, dass nach Jahresfrist die Politik genau die Maßnahmen setzen muss, die damals von "Hetzern" gefordert wurden.