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Montag, 9. August 2021

Zwischentöne

WZ-Post von  kumpfuz  09.08.2021, 13:52 Uhr:

Durch das ohrenbetäubende Trommelfeuer der Massenmedien ist den Menschen die Fähigkeit abhanden gekommen, Zwischentöne wahrzunehmen. Die Wirklichkeit besteht aber wesentlich nicht aus Minima, Maxima und Mittelwerten, die zudem fast ausscließlich falsch angewendet werden, sondern aus unzähligen Abstufungen dazwischen. Und was die Zukunft betrifft, so ist sie überhaupt nur in Wahrscheinlichkeiten zu beschreiben. Damit können die Menschen aber nichts mehr anfangen, sie verlangen Gewißheiten.

"Ins Sichere willst du dich betten!
Ich liebe mir inneren Streit:
Denn wenn wir die Zweifel nicht hätten,
Wo wäre denn frohe Gewißheit ? "

(J. W. Goethe).

😰😣😩

Und weil soviel von Wissenschaft die Rede ist: Eine wissenschaftliche These, die keinen Widerspruch zuläßt und Zweifel nicht erträgt, ist nicht seriös. Dies gilt besonders für Prognosen, die ja auf Rechen-Modellen basieren und nur eine bestimmte Wahrscheinlichkeit unter! 100% haben können. Es kann überhaupt nur "bedingte Prognosen" geben und also keine "Beweise". Dass auf dem Weg von der Wissenschaft zu den Medien der Konjunktiv (=Wenn-Form)  verloren geht, darf einen nicht wundern. Dass aber viele "Experten" diesen vorsorglich gleich weglassen, spricht für den qualitativen und moralischen Niedergang der Wissenschaft.

 



Samstag, 14. November 2020

Coronartiges

  • Jetzt  ist die große Zeit der Blockwarte, Hilfssheriffs, Besserwisser, Mahner, Unheilspropheten, Zeigefinger-Prognostiker, der privaten und medialen Angstmacher angebrochen - jener Zeitgenossen also, die die Kirche partout nicht im Dorf lassen wollen und können, weil sie außerhalb mit ihr bessere Geschäfte machen.
  • Jetzt leben jene auf, die "immer schon dagegen" waren und sind - gegen Alles, aber ganz besonders, wenn es "von oben" kommt. Und nun gar vom politischen Gegner! Leider ist "dagegen sein" bis jetzt auch der einzige Beitrag, der von der Opposition kommt.
  • Es ist aber auch die Zeit derer, die auch am Telefon den Mund-Nasen-Schutz tragen und in der Nacht aufstehen, um sich die Hände zu waschen.
  • Und leider ist es aber auch eine Zeit der realen Angst, dem stärksten Gift überhaupt für Gesellschaft und Individuen. Und die Medien sorgen dafür, dass sie nicht erlischt, denn:  'fear sells'!
  • Und die Wissenschaft? Einerseits erbringt sie favelhafte Leistungen durch Entwicklung und Bereitstellung eines Impfstoffs, andererseits ist sie zerstritten über die richtigen sozialen und finanziellen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie. Man glaubt es nicht, wie eitel und eifersüchtig die diversen Professoren von den diversen Universitäten und den diversen Lehrkanzeln sich einander belauern, verleumden und bekämpfen. Sicher ist, dass es nicht nur eine richtige Strategie gibt, aber völlig unklar, welche die richtige ist. Verschiedene Länder haben verschiedene Vorgangweisen gewählt, aber nirgenwo ist es eklatant besser verlaufen. Aber die wissenschaftlichen Meinungsunterschiede - ein völlig normaler Vorgang in diesem Bereich - liefern natürlich jede Menge Munition für frustgeborene Empörungen und somit für alle jene Kräfte, die mit der Krise  ihr politisches oder noch häufiger kommerielles Süppchen kochen.
Leider haben die sog. "Verweigerer" auch den Begriff "Querdenker" in Verruf gebracht (s.u.).Dabei sind das in meinen Augen  nur  "Verquer-Denker"  sowie "Engdenker", die sich eine Welt außerhalb ihres Scheuklappen-Sichtfeldes  nicht vorstellen können bzw. nur in der Form von diffusen Ängsten und Verschwörungstheorien: Wenn etwas auftritt, dass sie in ihrem Denkapparat nicht unterbringen können, dann ist es erstens grundverdächtig und muß zweitens durch finstere, geheime Absichten gesteuert sein. Siehe ein praktisches Beispiel: https://kumpfuz.blogspot.com/2021/01/bahnhofsabenteuer-corronarrisch.html

Der wahre Skeptiker ist niemals "von Haus aus" GEGEN etwas, sondern er will nur immer zuerst prüfen, ob es auch stimmt oder stimmen kann. Der "Dagegner" ist von Anfang an schon einmal gefühlsmäßig dagegen und sucht sich erst nachher sog. rationalen Argumente für seine Gegnerschaft zusammen: Und - wie die Welt nun mal beschaffen ist: Argumente finden sich immer und für alles und für jeden, der sie glauben will. 

Die Regeln für echte Zweifler sind nach G. Chr. Lichtenberg:

»Dinge zu bezweifeln, die ganz ohne weitere Untersuchung jetzt geglaubt werden, das ist die Hauptsache überall«,

 »Warum glaube ich dieses? Ist es auch würklich so ausgemacht?«

 »Zweifle an allem wenigstens Einmal, und wäre es auch der Satz: Zweimal zwei ist vier« 

 »Imrner sich fragen: sollte hier nicht ein Betrug stattfinden? und welches ist der natürlichste, in den der Mensch unvermerkt verfallen, oder den er am leichtesten erfinden kann?«

😉

Und es sei an das Grundmotto dieses Blogs erinnert:

Prudenter dubitare!  Zweifle mit Hirn!