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Dienstag, 5. April 2022

Bauchrednertum

Ich wollte Mißtrauen erwecken gegen jene transzendente Ventriloquenz, wodurch mancher glauben gemacht wird, etwas das auf Erden gesprochen ist, käme vom Himmel; Ich wollte hindern, daß, da grober Aberglaube aus der feineren Welt verbannt ist, sich nicht ein klügelnder an dessen Statt einschliche, der eben durch dıe Maske der Vernunft, die er trägt, gefahrlicher wırd, als der grobe.

 Nichts setzt dem Fortgang der Wissenschaft mehr Hindernis entgegen als wenn man zu wissen glaubt, was man noch nicht weiß. In diesen Fehler fallen gewöhnlich die schwärmerischen Erfinder von Hypothesen. 

Lichtenberg

Mittwoch, 11. November 2020

Kritiker kritisch gesehen

 Günter Grass: über Lichtenberg und Reich-Ranitzky:

 „Nach dem Wolkenbruch heute nacht dampft der Garten. Vorsicht! Keine überflüssige Bewegung! Allenfalls Lichtenberg lesen, dessen Prosa kühlt. Wie er die Kritiker zu seiner Zeit (mit Nachhall bis heute) trifft, wie er sich immer wieder - und nicht ohne Genuß - den »Frankfurter Rezensenten« vornimmt. Gleich kommt mir, wie aufgerufen, ein gegenwärtiges Exemplar in die Quere, dessen eloquenter Pfusch sich ungeschmälerter Wirkung erfreut, weil weit und breit kein Lichtenberg dem Beckmesser sein einzig gültiges Werkzeug, die Meßlatte des Sozialistischen Realismus nachweist. Dabei erinnere ich mich an seine umtriebene Präsenz während der letzten Treffen der Gruppe 47: ein amüsanter Literaturnarr, liebenswert noch in seinen Fehlurteilen. Erst als ihm die Chefetage der FAZ Macht zuschanzte - das große Geld weiß, was frommt -, wurden seine Verrisse übellaunig bis bösartig, mißriet er zu Lichtenbergs »Frankfurter Rezensenten«.“

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Und hier noch ein paar Lichtenberg-Originale:

 » Ich sehe die Rezensionen als eine Art von Kinderkrankheiten an, die die neugebornen Bücher mehr oder weniger befällt. Man hat Exempel, daß die gesündesten daran sterben, und die schwächlichen oft durchkommen. Manche bekommen sie gar nicht. Man hat häufig versucht, ihnen durch Amulette von Vorrede und Dedikation vorzubeugen oder sie gar durch eigene Urteile zu inokulieren, es hilft aber nicht immer.«

 »Dinge zu bezweifeln, die ganz ohne weitere Untersuchung jetzt geglaubt werden, das ist die Hauptsache überall«,

 »Warum glaube ich dieses? Ist es auch würklich so ausgemacht?«

 »Zweifle an allem wenigstens Einmal, und wäre es auch der Satz: zweimal 2 ist 4« -

 »Immer sich fragen: sollte hier nicht ein Betrug stattfinden? und welches ist der natürlichste, in den der Mensch unvermerkt verfallen, oder den er am leichtesten erfinden kann?«

"Zweifel muß nichts weiter sein als Wachsamkeit, sonst kann er gefährlich werden."

Mittwoch, 20. November 2019

Trost bei Lichtenberg

  »Dinge zu bezweifeln, die gantz ohne weitere Untersuchung jetzt geglaubt werden, das ist die Hauptsache überall« 
»Warum glaube ich dieses? Ist es auch würklich so ausgemacht »
»Zweifle an allem wenigstens Einmal, und wäre es auch der Satz: zweimal 2 ist 4«
»Immer sich fragen: sollte hier nicht ein Betrug stattfinden? und welches ist der natürlichste, in den der Mensch unvermerkt verfallen, oder den er am leichtesten erfinden kann? «
 Lichtenberg in den »Vermischten Anmerckungen für Physic und Mathematic«

Heute sind Zweifel an der Mainstream-Kilma-Hysterie nicht erlaubt.



Dienstag, 1. Oktober 2019

Fundamentales

Das genaue Gegenteil der Wissenschaftlichen Haltung ist jeder Fundamentalismus, nicht weil Fundamentalisten eine Wahrheit haben, an die sie fest glauben (die können auch Wissenschaftler haben) oder weil es eine irrationale Wahrheit ist (sie ist gelegentlich durchaus rational), sondern weil es eine letzte und absolute Wahrheit ist, die Gegengründe nicht nur selber nicht sucht, sondern auch dann nicht zur Kenntnis nimmt, wenn andere sie geltend machen. Der Fundamentalismus ist keine bestimmte religiöse oder weltanschauliche Glaubensdenomination. Er ist eine Geisteshaltung, Vielleicht eine Charaktereigenschaft: lauter Antworten zu wissen und nie Fragen. Fundamentalisten sind im doppelten Sinn unbeirrbar: «nicht bereit, die Möglichkeit ins Auge zu fassen, daß sie im Irrtum sein könnten » (J. Rauch). Der Stil der Wissenschaft dagegen ist unbegrenzte Skepsis: Alles mag sich als falsch erweisen.

Dieter E. Zimmer

Dienstag, 10. Juli 2018

Zweifeln

"Zweifeln kann man an allem, und unter zehnmal zweifelt man neunmal gewiss mit vollem Recht." 

J.  Nestroy