Günter Grass: über Lichtenberg und Reich-Ranitzky:
Und hier noch ein paar Lichtenberg-Originale:
"Zweifel muß nichts weiter sein als Wachsamkeit, sonst kann er gefährlich werden."
Politische, kulturelle und politische Kommentare ; literarische Kletzen. Motto: Prudenter dubitare!
Günter Grass: über Lichtenberg und Reich-Ranitzky:
Und hier noch ein paar Lichtenberg-Originale:
"Zweifel muß nichts weiter sein als Wachsamkeit, sonst kann er gefährlich werden."
"Es war ein einfacher, ungebildeter Mann; gerade dieser Umstand macht sein Zeugnis glaubwürdig. Denn kultivierte Leute sind zwar wißbegieriger und sehen mehr, aber sie wollen alles erklären; und um ihre Deutung wahrscheinlich und für andere einleuchtend zu machen, laufen sie Gefahr, die Tatsachen etwas zu fälschen. . . . Für unseren Zweck aber muß der Berichterstatter absolut zuverlässig sein, oder so einfach, daß er nicht in der Lage ist, sich etwas auszudenken und seinen Erfindungen den Anschein der Wahrheit zu geben; er darf sich nicht in seine VorStellungen verliebt haben".Montaigne
Unseren Redakteuren muss kein Staat den Maulkorb umbinden, sie tragen ihn von selbst so unreflektiert wie ihre Großväter die Schnurrbartbinde.
Man tönt gegen die Inquisition, dabei sind die Journalisten an die Stelle der Dominikaner getreten.
Reportern sage ich nie die Wahrheit.
"Es gibt ein Gentleman's Agreement unserer Medien, daß im Dienste einer guten Sache die Wahrheit nicht so wichtig ist. So rechtfertigt das Deutsche Ärzteblatt einen Fehler in der AIDS-Statistik - nämlich durch sogenanntes »Kumulieren« die aktuellen Krankenstände höher darzustellen als sie wirklich sind - mit den Forschungsgeldern, die so leichter einzuwerben seien. »Wenn die Kumulierung zu diesem Effekt beiträgt«, lesen wir dort schwarz auf weiß, »dann sollten wir es noch eine Weile dabei belassen.«Aus: Walter Krämer, So lügt man mit Statistik
Dieses Reklamieren einer »License to Lie« im Dienste eines subjektiven oder objektiven guten Zwecks kennt keine Parteigrenzen; es wird von Linken wie Rechten, Progressiven wie Konservativen gleichermaßen praktiziert. Allenfalls nimmt es mit der Gewißheit zu, mit der sich der Daten-Kosmetiker im Besitz der absoluten Wahrheit wähnt. Wer sicher weiß, daß die Welt in zwanzig Jahren untergeht, wenn nicht dieses oder jenes geschieht, fühlt sich durch Konventionen wie Faktentreue und Sachlichkeit in seinem Rettungswerk oft sehr gehemmt. »Je dramatischer wir die Sache sehen, desto besser für die Menschheit«, führt etwa ein amerikanischer Klimaforscher als Entschuldigung für reichlich gewagte Trendextrapolationen unseres Wetters an; als Wissenschaftler müsse man »manchmal auch ein bißchen Panik verursachen, damit man gehört wird«, stößt ein Ozon-Experte aus Deutschland in das gleiche Horn."