Posts mit dem Label Zeitgeist werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Zeitgeist werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 1. Dezember 2024

Mitreiser

 Schön langsam wird mir eines meiner Hobbies verleidet: Das Eisenbahnfahren - speziell in den Fernzügen. Das vorwiegend  moralisch höher getaktete Mitreisepublikum geht mir zunehmend auf die Nerven. Die östlichen Touristen mit ihren riesigen Reisenkoffern sind zwar von asiatischer Rücksichtlsosigkeit, aber in den seltesten Fällen laut, außerdem versteht man sie eh nicht. Sehr laut hingegen sind Damenkränzchen auf Tour - da helfen nur mehr Kopfhörer. 

Wirklich zuwider sind mir aber jene Zeitgenossen, die offenbar aus ideologischen und zeitgeistigen Gründen mit der Bahn fahren: Natürlich kommen sie mit last-minute Reservierung per INTERNET, fressen begeistert Müsli und Knäckebrot, zuzeln hingebungsvoll an ihrer Fruchtmolke und trinken vorbildhaft aus einer Edelstahl- oder Leichtmetalltrinkflasche. Ich mit meiner PET-Flasche samt (horribile dictu) prickelndem Inhalt möchte in die Polster versinken, eine Dose Bier traue ich mir sowieso nur mehr in Regionalzügen aufzumachen. 

Sie sind ja im Kopf alle so nonkonform und unabhängig - aber folgen in der Praxis total konform den banalen Einflüssen der sozialen Medien und ihren Mode-Diktaten.

Montag, 22. August 2022

Zeitgeistige Schlüsse

 ... weil ich unterstreichen möchte, daß man präzise neurophysiologische Daten unterschiedlich interpretieren kann. Es ist, mit anderen Worten, einfach nicht wahr, daß die von der Wissenschaft gelieferten Daten automatisch zu dem Schluß führen, das Leben sei ohne Sinn und Zweck, sei nichts als Brownsche Bewegung in den Zufallsströmungen des kosmischen Wetters. Wir sollten vielmehr sagen, daß der Zeitgeist dazu neigt, voreingenommene Schlußfolgerungen aus den Daten zu ziehen, eine Tendenz zur Entwertung der Werte und zur Eliminierung von Sinn aus der Welt um uns und in uns besitzt.

 A. Koestler

So ist es auch mit der Wissenschaft und dem Thema Klimawandel!

Dienstag, 23. Februar 2021

Zeitgeist

 ,,Wenn eine Seite nun besonders hervortritt, sich der Menge bemächtigt und in dem Grade triumphiert, daß die entgegengesetzte sich in eine Ecke zurückziehen und für den Augenblick im stillen verbergen muß, so nennt man dieses Übergewicht den Zeitgeist, der dann auch eine Zeitlang sein Wesen treibt."

 

"Was ihr den Geist der Zeiten heißt,
Das ist im Grund der Herren eigner Geist,
In dem die Zeiten sich bespiegeln."

J. W. Goethe 

 

Mittwoch, 13. März 2019

Die Ex-Postler


"...es ist die größte Ungerechtigkeit, die man gegen einen Schriftsteller ausüben kann, wenn man ihn nach itzigen feinen Sitten beurteilen will. Man muß sich durchgängig an die Stelle seiner Zeitgenossen setzen, wenn  man ihm nicht Fehler andichten will, welche bei ihm keine sind. Es war bei den alten Römern nichts gewöhnlicher und nichts weniger anstößig, als Laster, welche offenbar im Schwange gingen, bei ihrem rechten Namen zu nennen.
Ich weiß nicht, mit was für einem Rechte man die oft erzwungne Artigkeit bei Anhörung gewisser Worte, bei Erblickung gewisser Gegenstände rot und unwillig zu scheinen, unter die Tugenden setzen kann? Die Schamhaftigkeit in diesem Verstande ist oft nichts als die Schminke des Lasters."
G. E. Lessing über Plautus

Wie man sieht, ist das Problem nicht neu., ist aber immer noch gut, um Aufmerksamkeit zu gewinnen und demnach gut für's Geschäft

https://kumpfuz.blogspot.com/2015/05/rathkolb-co.html

Freitag, 3. März 2017

Der Linke ist der bessere Mensch

Martin Walser zitiert aus seinem Tagebuch unterm Datum vom 14. Juni 2000:
"Da er öfter bemerkte, dass er etwas dagegen hat, dass es ungerecht zugeht in der Welt, sah er, als er sich umsah nach einer Bezeichnung für seine ungerechtigkeitsabweisende Empfindlichkeit, schließlich ein, dass er links war. Da er Menschen beobachtete, die auf Ungerechtigkeit nicht so reagierten wie er, musste er einsehen, dass er besser war als andere. Das führte dazu, dass er erkannte: der Linke ist der bessere Mensch." 
und schreibt dann weiter:
"Offenbar durfte ich mich, als ich das notierte, schon nicht mehr links fühlen, also ließ ich es zu, dass eine polemische Stimmung entstand gegen den, der sich, weil er links war, als der bessere Mensch vorkam. Ich musste vor mir selber rechtfertigen, dass ich nicht mehr als Linker gelten konnte.
Am liebsten würde ich in dieser Tonart heute noch fortfahren: Der bessere Mensch weiß nicht, dass er der bessere Mensch ist. Das darf für alle Zugehörigkeiten gelten, die ihren Mitgliedern Rechtfertigungen gewähren. Lebenslänglich SPD, das stell ich mir vor wie eine Allwetterkleidung fürs Bewusstsein. Mir ist keine derartige Zugehörigkeit gelungen. 

 Übrig geblieben ist also das Rechthabenmüssen. Rechtzuhaben ist der akzeptierte Ersatz für Rechtfertigung. Eine Art Bewusstseinsimperialismus auch. Oft genug verbunden mit Macht und Machtgefühl.  Zeitgeistopportunität.  Was ist denn political correctness anderes als eine Domestizierung des Gewissens, eine Passe-partout- Rechtfertigung?"

Samstag, 23. Juli 2016

Zeitgeschichte

"Mit welchem Hochmut vor der Geschichte, mit welcher Feigheit vor der Gegenwart legen wir zuweilen ferneren Jahrhunderten unser Urteil auf.
Geschichte kann Lehre sein für die Gegenwart.
Das läßt sich nicht umkehren.  Die Gegenwart ist kein brauchbares Maß für Geschichte."
(...möchte man sog. Zeitgeschichtlern wie Rathkolb ins Stammbuch schreiben).
Martin Gregor-Dellin.
»Es ist wohl ein halbes Himmelreich, wo Friede ist».
Martin Luther.

Dann müsste es wohl für Atheisten der ganze Himmel auf Erden sein.

Dienstag, 28. Oktober 2014

Die Tonangebenden

"... erfüllen denn nicht diejenigen, die von sich meinen, sie seien die großen Enttäuscher und Tabubrecher, auch ganz bestimmte Erwartungen? Sie fühlen sich als Abweichler und sind, ohne daß sie es merken, längst in den breiten Trampelpfad des Zeitgeistes eingeschwenkt. 

So erlebte ich einmal eine Versammlung von Rundfunkredakteuren, hohen Funktionären in den Literaturabteilungen, die mit wenigen Ausnahmen weltanschaulich links bis linksaußen standen. Sie, die Tonangebenden, aber hatten kein Bewußtsein von ihrem Monopol, ja gerierten sich in Wirklichkeitsverlust und falscher Selbsteinschätzung wie verfolgte Dissidenten. Sie wären halt gern einsam und einmalig gewesen, einzigartig, waren aber Repräsentanten in mehrfacher Hinsicht, Wort-Führer und Wort-Erteiler. Sie sind repräsentativ und genau das, wofür sie ihre Gegner halten. Ja eigentlich haben sie kaum mehr ernstzunehmende Gegner. Denn bürgerlich oder konservativ ist ungefähr synonym mit stumm, stumm oder mundtot (gemacht?)..."

A. Brandstetter, Schönschreiben.

Mittwoch, 5. Dezember 2012

Bias

Ich stöbere gern auf Flohmärkten nach allerlei alten Bänden, vorzugsweise Sachbüchern zu Geschichte, Literatur und Musik. Unweigerlich stößt man dabei auf Ausgaben aus der Nazizeit. Die meisten davon sind, obwohl oft im rein sachlichen Teil durchaus korrekt, wegen der eingewobenen zeitbedingten - wohl oft der Zensur geschuldeten - Kommentare und Führerlobpreisungen, heute kaum mehr lesbar.

Als es die DDR noch gab, war ich einige Male dort und besuchte gerne Buchhandlungen zu demselben Zweck wie oben erwähnt; auch in  Ungarn konnte man damals ostdeutsche Bücher sehr preisgünstig erwerben. Auch hier dasselbe Phänomen: Wenn es sich nicht gerade um mathematische Werke oder um Klassiker handelte, war alles mit marxistisch-leninistischen Floskeln und Wendungen derart durchsetzt, dass einem die Lektüre verleidet wurde.

Und wie ist es heute, bei uns? Fast alle Themen werden in Politische Korrektheit eingekleidet, überall wird das zeitgeistige Grundgewürz dazugegeben. Die meisten können es schon nicht mehr herausschmecken.
Ich bin überzeugt, dass die meisten der heutigen "Historiker" in ein paar Jahrzehnten nicht mehr lesbar sein werden.

Meine These ist, dass es sich immer um dieselbe Art von Köchen handelt, die stets dem Zeitgeschmack entsprechend kochen. Ändern sich die Zeiten, ändern sich die Gewürze - und diese unterliegen der Mode.