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Freitag, 11. Oktober 2019

So läuft es in der Wissenschaft

Und das ist ein Ergebnis des inquisitorischen Gesinnungsdrucks, das auf Dauer gefährlicher ist als die spektakulären Fälle von Zensur: Daß ganze Fachbereiche sich daran gewöhnen, fünf gerade sein zu lassen. Halb zog sie ihn, halb sank er hin. Zum einen sind die Wünsche ja verständlich und nicht unberechtigt. Zum anderen hat man ein ebenso verständliches Interesse daran, Scherereien aus dem Weg zu gehen und sich nicht etwa von Flugblättern oder Sprechchören als Rassist oder Sexist oder ?? anspucken zu lassen. So lernt ein ganzes Fach nach und nach,
  •        daß es besser ist, Forschungsprojekte, bei denen das Falsche herauskommen könnte, gar nicht erst in Angriff zu nehmen,
  •        daß bestimmte Fragen besser ausgeklammert bleiben, um in Ruhe den übrigen nachgehen zu können,
  •        daß bestimmte Autoren besser nicht zitiert werden, andere aber bei jeder Gelegenheit,
  •        daß bestimmte Kollegen besser nicht berufen oder zu den Fachtagungen eingeladen werden,
  •        daß man ihren Arbeiten Formfehler ankreiden muß, die man jedem anderen achselzuckend durchgehen ließe,
  •        daß man scheinbar kompromittierende Zitate eines in Verruf geratenen Kollegen unentwegt voneinander abschreiben darf, ohne jemals nachzuprüfen, ob sie dessen Meinung richtig spiegeln,
  •        daß man ihn vielleicht sogar aus dem Fachverband ausschließen und damit Wissenschaftlich zur Unperson machen kann,
  •       daß man sich zu bestimmten Fragen klugerweise überhaupt nicht äußert,
  •        daß man besser durch irgendein Denkopfer die Harmlosigkeit der eigenen Position demonstriert und im weiten Umkreis sehen alle betreten weg, um nicht selber noch in Sachen hineingezogen zu werden, die ja gar nicht die ihren sind.
 Niemand hat etwas Unredliches getan, zumindest ist ihm nichts Unredliches nachzuweisen, es wurde nur die Form der Bewahrheitung still und unauffällig ein wenig verändert, aber schon neigt sich die Wahrheit ein wenig, biegt sich, verbiegt sich, kippt. Und die Medien können melden, die einhellige Meinung der Experten sei die und die!

D. E. Zimmer

Trifft sich ganz mit den eigenen Erfahrungen aus meiner "wissenschaftlichen" Zeit.



Dienstag, 1. Oktober 2019

Kindly Inquisitors

 « In Amerika . . . und anderswo wird das alte Prinzip der Inquisition wiederbelebt: daß Menschen, die falsche und schädliche Ansichten hegen, zum Wohle der Gesellschaft bestraft werden sollten. Wenn man sie schon nicht ins Gefängnis werfen kann, dann sollten sie immerhin ihrer Arbeitsstelle verlustig gehen, organisierten Beschimpfungskampagnen ausgesetzt, zu Entschuldigungen und zum Widerruf gezwungen werden. Und wenn der Staat die Bestrafung nicht übernehmen kann, sollten private Institutionen und Interessengruppen es tun, eine auf Gedanken Jagd machende Bürgerwehr. » 
Jonathan Rauch

Mittwoch, 13. März 2019

Die Ex-Postler


"...es ist die größte Ungerechtigkeit, die man gegen einen Schriftsteller ausüben kann, wenn man ihn nach itzigen feinen Sitten beurteilen will. Man muß sich durchgängig an die Stelle seiner Zeitgenossen setzen, wenn  man ihm nicht Fehler andichten will, welche bei ihm keine sind. Es war bei den alten Römern nichts gewöhnlicher und nichts weniger anstößig, als Laster, welche offenbar im Schwange gingen, bei ihrem rechten Namen zu nennen.
Ich weiß nicht, mit was für einem Rechte man die oft erzwungne Artigkeit bei Anhörung gewisser Worte, bei Erblickung gewisser Gegenstände rot und unwillig zu scheinen, unter die Tugenden setzen kann? Die Schamhaftigkeit in diesem Verstande ist oft nichts als die Schminke des Lasters."
G. E. Lessing über Plautus

Wie man sieht, ist das Problem nicht neu., ist aber immer noch gut, um Aufmerksamkeit zu gewinnen und demnach gut für's Geschäft

https://kumpfuz.blogspot.com/2015/05/rathkolb-co.html

Freitag, 3. März 2017

Der Linke ist der bessere Mensch

Martin Walser zitiert aus seinem Tagebuch unterm Datum vom 14. Juni 2000:
"Da er öfter bemerkte, dass er etwas dagegen hat, dass es ungerecht zugeht in der Welt, sah er, als er sich umsah nach einer Bezeichnung für seine ungerechtigkeitsabweisende Empfindlichkeit, schließlich ein, dass er links war. Da er Menschen beobachtete, die auf Ungerechtigkeit nicht so reagierten wie er, musste er einsehen, dass er besser war als andere. Das führte dazu, dass er erkannte: der Linke ist der bessere Mensch." 
und schreibt dann weiter:
"Offenbar durfte ich mich, als ich das notierte, schon nicht mehr links fühlen, also ließ ich es zu, dass eine polemische Stimmung entstand gegen den, der sich, weil er links war, als der bessere Mensch vorkam. Ich musste vor mir selber rechtfertigen, dass ich nicht mehr als Linker gelten konnte.
Am liebsten würde ich in dieser Tonart heute noch fortfahren: Der bessere Mensch weiß nicht, dass er der bessere Mensch ist. Das darf für alle Zugehörigkeiten gelten, die ihren Mitgliedern Rechtfertigungen gewähren. Lebenslänglich SPD, das stell ich mir vor wie eine Allwetterkleidung fürs Bewusstsein. Mir ist keine derartige Zugehörigkeit gelungen. 

 Übrig geblieben ist also das Rechthabenmüssen. Rechtzuhaben ist der akzeptierte Ersatz für Rechtfertigung. Eine Art Bewusstseinsimperialismus auch. Oft genug verbunden mit Macht und Machtgefühl.  Zeitgeistopportunität.  Was ist denn political correctness anderes als eine Domestizierung des Gewissens, eine Passe-partout- Rechtfertigung?"

Sonntag, 29. Januar 2017

Moral

Wenn ich mir alte SW-Filme anschaue, fällt mir auf, dass darin manchmal jüngere oder ältere Männer ohne Scheu Kinder herzen und streicheln. Wenn das heute jemand in der Öffentlichkeit macht, findet er sich unversehens auf der Polizei wieder. Und sollte er gar prominent sein, dann stürzen sich die Bluthunde der Medien auf ihn.

Sind wir heute also um soviel moralischer geworden?

Sicher nicht, durch amerikanischen Einfluss nur sehr viel heuchlerischer! - Nie war es so leicht, an Pornographie zu kommen; es steht zu vermuten, dass auch nie zuvor so viel davon konsumiert wurde. Und dass es in der feinen (und weniger feinen) Gesellschaft der Gegenwart weniger Promiskuität gibt als früher, scheint mir sehr zweifelhaft - eher halte ich das Gegenteil für wahr.

Doch viel interessanter ist ja, was in der Vergangenheit in Internaten etc. geschehen ist - da wird mit Feuereifer verurteilt, dass es nur so kracht. Was passiert ist, soll nicht entschuldigt werden - aber es waren immer Ausnahmen! Ich selber war 11 Jahre lang in solchen "geschlossenen Anstalten" und wurde nie mit derartigen Dingen konfrontiert.

Fazit: Heuchelei und falsche, weil nur öffentlich zur Schau getragene Moral feiern Triumphe.
Aber nicht mehr lange. Die Masse durchschaut nun langsam die scheinheilige und fadenscheinige Politische Korrektheit und wendet sich von ihren Bannerträgern ab - die politischen Folgen erleben wir gerade. Leider wird dabei auch der ganz normale politische Anstand den Bach hinunter gehen.

Mittwoch, 25. Januar 2017

Sittlichkeit

Eiserne Rhetorik-Regel von Cicero: 
"Man lasse den eigenen Nutzen nur im Gewand der sittlichen Würde auftreten!"
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"Politik ist ein Streit der Interessen, der sich als Wettstreit der Prinzipien maskiert hat."
Ambrose Bierce

Samstag, 8. August 2015

Menschenfreunde





Man kann es auch präziser ausdrücken: Die Menge der Gutmenschen und die Menge der guten Menschen sind disjunkt.

Am besten gefällt mir übrigens die Definition der Gutmenschen von G. Chr. Lichtenberg; natürlich gab es den Begriff damals noch nicht, wohl aber die "Menschenfreunde", denn die  "... haben, wo sie gehen und stehen, eine Träne in den Augen und einen harten Gulden in der Hand".

Donnerstag, 9. Juli 2015

Aber...

...ist ein völlig unzeitgemäßes Wort: Es bedeutet ja, dass man eine Sache auch von einem anderen Gesichtspunkt sehen kann. "Audiatur et altera pars" ("Auch die andere Seite soll gehört werden") hat keine Saison. Wobei das Wörtchen "et" zwar hier als Kurzform für "etiam", also "auch" steht, im Lateinischen aber genauso "und" heißt. Die diesem Gleichlaut zugrunde liegende Denkart ist den heute tonangebenden Zeitgenossen völlig fremd, es gilt nur "hopp" oder "tropp".
Das heißt also:
Eine Äußerung wie:"Ich bin ein großer Bewunderer jüdischer Leistungen in Kultur und Wissenschaften, aber das dominante Auftreten einiger ihrer Vertreter in der Öffentlichkeit finde ich penetrant" ist total unakzeptabel und stempelt einen sogleich zum Antisemiten.
Oder:
Mit dem Statement: "Es ist klar, dass Österreich eine Zuflucht für wirkliche Kriegsflüchtlinge anbieten soll, aber ich bin gegen einen ungefilterten Zustrom aus aller Welt, d. h. ich bin für entsprechende Kontrollen" stellt man sich in den Augen der opinion leaders sofort außerhalb der Politischen Korrektheit und damit in ihren Augen außerhalb der anständigen Gesellschaft.

Diese Beispiele sind nur gewählt, weil sie momentan aktuell sind, es gäbe aber noch viele andere.
Aber meine ganze Wesens- und Denkart ist auf "Differenzieren" abgestellt, weil man meiner Meinung nach nur so der Welt-Wirklichkeit ein bißchen näher kommt.
ABER:
http://kumpfuz.blogspot.co.at/2012/02/wahrheit.html

Samstag, 16. Mai 2015

Flüchtlingsdramaturgie

Momentan erzeugen Medien wie ORF und WZ, angeführt von ihren Frontmen als herausragende Galionsfiguren, wieder eine gewaltige moralische Bugwelle. Imposant, aber nicht imponierend, solange nicht jeder ihrer Mitarbeiter mindestens einen Asylanten bei sich beherbergt, wohlverstanden privat, nicht auf Regimentskosten.

Samstag, 21. Februar 2015

Pfeifen

Ein weites Feld für Photoretuschierung.....

Bei M. Hulot gibt es schon Erfolge (diese Statue in St. Marc hatte früher eine Pfeife):
 ....bei Max Frisch muss es erst in Angriff genommen werden - gibt es doch von ihm fast kein Bild ohne Pfeife.

Freitag, 20. Februar 2015

Entrüster

"Moralische Entrüstung ist der Heiligenschein der Scheinheiligen".

H. Qualtinger

Wobei der gute Qu. wahrscheinlich nur die "rechte" Untermenge der "Entrüster"-Menge gemeint hat - es gilt aber für die andere Seite genauso, und heute mehr denn je.

Samstag, 7. Mai 2011

Bin Laden

„'Political correctness', jene unappetitliche Mischung von Geltungssucht und Heuchelei, feiert wieder einmal Triumphe; es würde mich interessieren, wie jene Leute, die sich über den "Mord" an Bin Laden so sehr ereifern, grundsätzlich z. B. zu den Attentaten auf Hitler stehen. Konsequenterweise müssten sie im Nachhinein noch zufrieden sein über deren wiederholtes Mißlingen. Und wo soll, darf man jene einordnen, welche die gezielten Tötungsaktionen der Israelis an Palästinenensern gutheissen? Oder darf man das alles nicht vergleichen?  Fragen, Fragen – und ich fürchte, PC (political correctness) hat hier keine ehrlichen Antworten anzubieten.

Montag, 22. November 2010

Geschichtsschreibung nach Vorschrift

Als es noch den Ostblock gab, kaufte ich mir manchmal ostdeutsche Sachbücher, entweder direkt in Ostberlin oder in Brünn oder Budapest, sie waren ja unglaublich billig. Aber sie waren nur brauchbar bei "neutralen" Themen wie Mathematik oder Statistik, schon nicht mehr bei EDV, ausgenommen Informatik-Grundlagen. Teilweise waren auch noch Musik- oder Germanistik-Bücher verwendbar, absolut unlesbar hingegen waren alle geschichtlichen Werke, weil durchgehend und überall die marxistische Grundtendenz und SED-Ergebenheitsadressen hineinverwoben waren.
So viel anders ist es derzeit auch nicht: Nicht nur über die Nazizeit, sondern durchaus auch über frühere Perioden wie das 19. Jh. wird aus einer ganz bestimmten Sicht berichtet, nämlich vom Standpunkt der heutigen "Political Correctness". Man beschränkt sich dabei nicht auf das Berichten, sondern liefert (fast)  immer auch die moralische Beurteilung und integrierte Ergebenheitsadressen an den modernen Mainstream mit. Hat man Angst, die Leser würden es sonst falsch verstehen, sich gar eine eigene Meinung bilden -  oder fürchtet man die mächtigen Führer der Öffentlichen Meinung? Letztere Angst  verstehe ich sogar, denn wer will sich schon selbst vom Markt ausschließen!
Es gibt rühmliche Ausnahmen, z. B. Brigitte Hamann, die bei einem so gefährlichen Thema wie "Hitler in Wien" sich wirklich auf das Beschreiben des damaligen Umfelds beschränkt. Die Dame hat Mut!

Samstag, 9. Oktober 2010

Surrogat der Moralität

Jede Epoche hat ihre eigenen "Surrogate der Moralität". Zu Schopenhauers Zeit - von ihm stammt diese Formulierung -  war dies die Ehre, später dann, in der Zeit des überbordenden Nationalismus war es die Pflicht gegenüber dem Vaterland. Heute dienen als Ersatzdroge political correctness und Gutmenschentum. Hinter diesem  Paravent kann jegliche Form von Unmoral fröhliche Urständ feiern.

"Der gute Mensch ersetzt das Denken durch die Moral"

K. P. Liessmann

Sonntag, 25. Februar 2007

Ultra

Es wird berichtet, dass sich Henryk M. Broder und Weihbischof A. Laun in Wien zu einem "interreligiösen" Meinungsaustausch getroffen haben.

"Wohlan!
Es eifere jeder seiner unbestochenen,
von Vorurteilen freien Liebe nach!
Es strebe von euch jeder um die Wette,
die Kraft des Steins in seinem Ring
an Tag zu legen." (Lessing, Nathan der Weise).


Doch um Liebe wird es wohl nicht gegangen sein, wenn zwei Bonsai-Torquemadas der heutigen Zeit ihre Erfahrungen austauschten; heute wird zwar nicht mehr verbrannt, aber Abweichler von der vorgegebenen Lehrmeinung brandmarken, das geht allemal - also die Verbrennung 'in effigie'.
Wie bei der Inquisition genügt ja schon der Verdacht, um jemanden zu vernichten. Wobei natürlich "Publizisten" wie Broder (oder auch Dr. Ralph Giordano) heutzutage viel gefährlicher sind, weil sich ja kein großes Medium getraut, eines ihrer Pamphlete nicht zu veröffentlichen, während Laun nur von einer Minderheit ernstgenommen wird. Exkommunizieren beeindruckt ja nur mehr wenig, als Antisemit verleumdet zu werden, ist aber heutzutage äußerst geschäftsschädigend.

Freitag, 16. Februar 2007

Theater II

Nochmal zum gestrigen Theaterabend mit K.M. Brandauer und "Nathan der Weise", diesmal steht nicht der ausnahmsweise befriedigende formale Aspekt im Vordergrund, sondern zum Inhalt, der mir seit meiner Jugend sehr vertraut ist. Leider hat dieser Inhalt heute keine Konjunktur, entspricht er doch nicht der gängigen Behandlungsart dieses Themas, weder auf der jüdischen noch auf der nichtjüdischen Seite. Diese ist nicht mehr von der gegenseitigen Bemühung um Verständnis, sondern nur noch durch Interessen - oder von der Angst, nicht unangenehm aufzufallen - geprägt.

Vor über 100 Jahren schrieb Th. Fontane in einer Theaterkritik: "Seit hundert Jahren lebt nun dieses Evangelium der Toleranz, seit hundert Jahren wird es gelesen, dargestellt, zitiert ... und was ist das Resultat?"

Manchen heutigen Kritikern ist die Anstrengung anzumerken, nur ja nicht vom Pfad der "political correctness" abzuweichen bzw. mit der PC-Fahne hoch in die Luft gereckt vorneweg zu marschieren.
Viel ärger allerdings ist dies ja noch beim "Kaufmann von Venedig". Man berichtet von Kritikern, die sich nach Abfassen ihrer Rezension in orthopädische Behandlung begeben mussten.

Donnerstag, 8. Februar 2007

Politisch korrekte Werbung

Raffiniert diese neue Werbung von BILLA: Als Leitfigur ein Typ, der 100%ig auf Politische Korrektheit hin optimiert ist - der "Hausverstand". Dem kann man dann problemlos eher bodenständige Typen an die Seite stellen, den Opa im Lodenjanker, das blonde Dirndl etc.

So ist "political correctness" zu einem reinen Sicherheitsparameter der Wirtschaft verkommen, die allein den Zweck hat, bei mächtigen Zielgruppen nicht anzuecken bzw. keine Angriffsfläche zu bieten.

Ursprünglich war PC ja wohl als Anleitung zur Anständigkeit gedacht für jene, die sich von Natur aus damit schwer tun - und das ist ja nichts Schlechtes - aber heute ist sie nicht mehr als eine Formel in der Erfolgsgleichung.