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Donnerstag, 4. April 2024

Trichtermethode

 Bisher hat man Regietheater in der Oper nur verstehen können, wenn man das Programmheft vorher gründlich durchstudierte...beim aktuellen Parsifal recht das offenbar nicht mehr aus: Man muss auch die Parsifal-Symposien besuchen >>> siehe Anlage! 


Samstag, 7. Mai 2022

Headline

Wie doch Bangen mich bindet!

Sorg und Furcht

fesseln den Sinn.

Wagner, Rheingold

Posthume Version:

"In Ängsten findet manches statt, 
was sonst nicht stattgefunden hat." 
(W.Busch)



Montag, 27. Mai 2019

Schwan oder nicht Schwan

Darum verfehlt jeder einseitige, rein naturalistisch interpretierende Ansatz die Ganzheit des Lohengrin-Kosmos. Wenn ein Regisseur oder ein aufgeklärter Theatermann sagt, «der Schwan geht nicht mehr, sowas kann man heutzutage nicht mehr machen» dann ist das Argument nicht etwa klug und historisch taktvoll, sondern banausisch. Der Schwan ging, rein rational, nie: der ist nicht nur im Jahre 1990 ein unglaubliches Wunder, sondern war es auch zu Wagners Lebzeiten und sogar zu denen Heinrichs I. Wagner wollte halt das Wunderbare, das Romantische als Folie für ein differenziertes Liebesdrama und er brauchte das Historisch-Exakte als Folie für eine mythologische Tragödie. Wer also sagt, denkt oder fühlt, den Schwan nicht mehr ertragen zu können, weil der ihm zu opernhaft, zu surreal, zu unwirklich sei der kann in Wahrheit die Lohengrin-Oper nicht ertragen. Und sollte nicht etwa einen Lohengrin ohne Schwan geben, sondern auf diese Oper verzichten. …... Eine Aufführung, die für den Schwan zu schlau zu sein meint, ist in Wahrheit zu kleinmütig fürs Märchen: Die Verwandlung eines Menschen in einen Lindwurm oder in einen Schwan gehört im Siegfried wie im Lohengrin zur Sache.
J. Kaiser - schon 1990. - Aber die Regisseure haben sich seither nicht geändert und die Intendanten kuschen vor dem Feuilleton. 

Mittwoch, 5. September 2018

Der wahre Wagner

Zitate zu Wagner-Biographen aus: Rudolph Sabor "Der wahre Wagner".
"So kann er, wenn er will - und manche wollten das - Richard Wagner als bedeutenden Künstler und unbedeutenden Menschen, oder als bedeutenden Künstler und bedeutenden Menschen, oder als unbedeutenden Künstler und unbedeutenden Menschen sehen. Oder er kann sein Steckenpferd satteln und Wagner als Nationalisten oder Sozialisten, als Judenfeind oder Judenfreund, als treuen oder ungetreuen Ehegatten, als Bahnbrecher Lenins oder Hitlers sehen.
Die Sackgassengefahr ist offensichtlich, und mancher Biograph hat wissentlich oder unwissentlich die ungeheure Masse der Dokumente dazu benutzt, Lorbeerkränze zu winden oder dem Wagner eins auszuwischen. Einseitige Materialauswahl und Materialauswertung ist Glatteis für Autor und Leser. Dort tummelt sich auch die Schar der Besserwisser. Das sind jene Quacksalber, die uns lehren, was Wagner zwar nicht geschrieben, was er aber in Wirklichkeit gemeint hat." 
In diese Schar reiht sich auch ein Urenkel Wagners, Gottfried W. ein, aber auch viele andere. Meine ziemlich umfangreiche Wagneriana-Bibliothek besteht zu mehr als der Hälfte aus Abhandlungen über Antisemitismus, die sich als Biographie tarnen.  >>> https://kumpfuz.blogspot.com/2013/05/wagners-antisemitismus.html#links
...und einige andere, unter dem Stichwort "Wagner" in diesem  Blog zu finden.


Ein weiterer "Fund" aus diesem Buch, ein Originalzitat von Wagner:
"Ich weiß, ich war hinreißend, ich machte die Menschen verrückt, dann lief ich ihnen weg, das geht durch mein ganzes Leben."
"Man lese dies zweimal, man lese dies dreimal." fügt der Autor hier an.

Donnerstag, 22. September 2016

Konsequenzmacherei

Zu Richard Wagner: 
"Wer wollte bezweifeln, daß es nach Auschwitz schwer fällt,
bei den Exzessen, die in Cosimas Tagebüchern festgehalten
sind, die Fassung zu bewahren? Das Problem der Vorläufer-
schaft läßt sich jedoch nicht auf einen monokausalen Zusam-
menhang eingrenzen, und es sind immer erst die Nachfolger,
die sich ihre Vorläufer erschaffen. Ihnen das neunzehnte
Jahrhundert auszuliefern - und wahrscheinlich noch etwas
mehr, wenn man es wieder genau nimmt -, wäre Hitlers
später Sieg."
 »Völlig unsinnig ist es«,
             heißt es in Ernst BlochsVortrag »Über die Wurzeln des Nazismus« ,
»sich durch den Nazi um irgendein deutsches Kulturerbe betrügen zu lassen; es ist selbst für Bedenkliches an Wagner, diesem kolossalen Musikphänomen, keine 'Enthüllung'. Zu dieser sind andere Mittel bereit, solche, die nicht aus düster-übersteigerter Konsequenzmacherei bestehen, die vor allem das Bayreuther Genie oder den Vornehmen von Sils Maria [H.Hesse] nicht aus den Händen Hitlers entgegennehmen lassen. Die Musik der Nazis ist nicht das Vorspiel zu den Meistersingern, sondern das Horst-Wessel-Lied; andere Ehre haben sie nicht,andere kann und soll ihnen nicht gegeben werden.«
"Man hat Richard Wagner entweder ganz oder gar nicht.
Eine reinliche Scheidung zwischen Gutem und Bösem,
Bedeutung und Anmaßung, Zukunftsweisendem und Rück-
wärtsgewandtem ist ebenso unmöglich wie eine Trennung
von Licht und Schatten in dem Jahrhundert, das er samt sei-
nen Strömungen und Tendenzen bis ins letzte repräsentiert."
M.Gregor-Dellin, Was ist Größe? 


Dienstag, 20. September 2016

Genie und Charakter

"Wagner gilt nicht nur als paradigmatischer Fall für die Unvereinbarkeit von Genie und Charakter,er hat sie auch als erster begriffen. In den Tagebüchern Cosiına Wagners findet sich ein Eintrag von Richard Wagners eigener Hand, und zwar in der dritten Person, als habe er diese Selbstauskunft gern ihr zuschieben wollen:"
»Er klagte über die Nötigungen seiner künstlerischen Bestimmung,
dadurch, daß er ihnen gehorche, seine moralischen Anlagen unausgebildet lassen zu müssen: nebenbei könne er nichts tun, oder alles fiele schlecht aus; ganz moralischer Mensch sein heiße aber sich ganz aufopfern.«
M.Gregor-Dellin

P.S.: Und so bleibt einem, der erkannt hat, dass er kein Genie ist, nur übrig, wenigstens ein moralischer Mensch zu werden.


"Demnach darf niemand dem Dichter vorschreiben, daß er edel und erhaben, moralisch, fromm, christlich, oder dies oder das sein soll, noch weniger ihm vorwerfen, daß er dies und nicht jenes sei. Er ist der Spiegel der Menschheit und bringt ihr was sie fühlt und treibt zum Bewußtsein."

A. Schopenhauer

Freitag, 24. Juni 2016

Wenig Wonne durch Wagners Walküre

Weh, wie wenig Wonne ward mir wanderndem Wiener Spazierwalt durch Wagners
                      „Walküre“! 

Das ... ist die berühmte verstorbene Alliteration, die der Meister
aus dem Grabe, in dem sie tausend Jahre gelegen, hervorgeholt
hat; in diesen vermoderten Stabreimen halten seine schwatzhaften
Götter und Helden ihre endlosen Zwiegespräche, und wenn man eine
Weile hingehorcht hat, dann hört man diese gespenstischen Reime
unheimlich klappern, als wenn Totengebeine aneinanderschlagen
würden. Aber seine Helden sind trotz ihrer verschrumpften Sprache
nicht die alten deutschen Helden, die gemeinschaftlich sangen und
mit den Schwertern an die Schilder schlugen. Der Chor, ja der mehr-
stimmige Gesang überhaupt, sind aus diesem sonderbaren deutschen
Musikdrama verschwunden, und es herrscht in ihm die langweilige
parlamentarische Übung, derzufolge immer nur einer das Wort er-
greifen darf und die anderen Maulaffen feilhalten, so lange der ge-
ehrte Herr Vorsänger das Rezitativ hat. Auch stört keine Melodie die
erhabene Monotonie dieses Musikwerkes, und statt ihrer hat uns der
Schöpfer desselben großherzig mit der unendlichen Melodie be-
schenkt. Wenn Wagner unsere verpfuschte Welt zu schaffen gehabt
hätte, würde er gewiß der Lerche den Umfang des Rhinozeros und
dem Veilchen die Größe des Krautkopfes gegeben haben.
...
 Im Drama herrschen nur die brutalen Instinkte und
die Launen eines abgewirtschafteten Gottes. Wie die Wilden Tiere
stürzen diese Menschen aus ihren Schlupfwinkeln hervor und paaren
und zerfleischen sich vor den Zuschauern. Und diese Götter sind schon
göttlich. Nicht bei den Hottentotten könnte Wotan Gott sein, ohne
daß ihm schon nach den ersten vierzehn Tagen gekündigt würde.
Ein gespreizter Gott, der sich mit dem ganzen feierlichen Ernst der
Gedankenlosigkeit drapiert, seine Entschlüsse im Handumdrehen
ändert und sich fortwährend eines Schlechteren besinnt. Dank seiner
Allwissenheit weiß er wenigstens, daß man ihn durchschaut hat, und
im dritten Akt sagt er zu seiner Tochter Brünnhilde, er wisse Wohl,
daß sie ihn für „feig und dumm“ gehalten habe. Als gerechte Strafe
folgt ihm seine Gattin Fricka auf dem Fuße, eine Xanthippe, die
ihm vielleicht das eine Auge ausgekratzt hat, das ihm bekanntlich
fehlt. Willst du aber Wissen, was sich ziemt, dann frage ja nicht
bei den Walküren an, denn die „schlimmen Mädchen“, wie sie
Fricka nennt, würden dir die ordinärsten Stallwitze zur Antwort
geben, sie machen den Eindruck von Walhalla-Sennerinnen, nur daß
sie nicht mit Kühen, sondern mit Pferden zu tun haben. Sie juchzen
daher nicht: Ju-hu-hu, Laute, die an das Muhen der Kühe erinnern,
vielmehr ist ihr Lustgeschrei: hojotoho, das mehr dem Wiehern der
Pferde verwandt ist.

DANIEL SPITZER




Donnerstag, 28. Mai 2015

Rattle-Ring

Nun ist der 1. Durchgang des Ring-Zyklus in der Staatsoper unter Simon Rattle  vorbei und nach ein paar Tagen Abstand bin ich zu dem Schluss gekommen, dass einzelne Leistungen von Dirigent, Sängern und Musikern nicht schlecht,  ja zum Teil hervorragend waren, aber das Gesamtbild irgendwie nicht ganz stimmig war. Rattle ist, glaube ich, kein wirklicher „Theaterkapellmeister“, sondern ein Konzertdirigent. Wirkliche Allrounder wie Karajan, Solti etc. gibt es nur noch selten. Auch Thielemann ragt als „Symphoniker“ ja nicht besonders über das Mittelmaß hinaus.

Im Übrigen ging ich gar nicht davon aus, eine Sternstunde zu erleben. Speziell beim Ring, den ich nun wirklich sehr gut kenne, besteht mein großes Vergnügen darin, die sicher schon hundertemale in technisch mehr oder weniger mangelhafter Wiedergabe gehörte Musik durch ein exzellentes Orchester wieder einmal „live“ zu hören; wenn dabei Sänger und Dirigent nicht allzusehr stören, ist es mir schon recht. In diesem Sinne hatte ich durchaus großen Genuss, habe mich wieder mit der Ring-Musik und -Motiven „vollgesogen“, sodass es mir zum Schluß schon fast zu viel war. – Das große Theatererlebnis war es also sicher nicht, aber das habe ich gar nicht erwartet, das kommt, wenn es kommt, ganz unversehens; ich meine damit den Moment, wenn es einem plötzlich „kalt über den Rücken läuft“. Das gab es manchmal unter Karajan, Stein, Schneider, Thielemann - in der Reihenfolge des Auftretens.

Sonntag, 22. September 2013

Noch eine Wagner-Biographie

Joachim Köhler, Der Letzte der Titanen.


Bearbeitet Wagner zur Abwechslung einmal mit dem Philosophie-Gebäude und der Tiefenpsychologie Wagners. Man weiß nur streckenweise nicht, ist das nun der Original-Schwulst Wagners oder der des Biographen.

Und am Ende läuft es doch wieder auf eine Antisemitismus Studie hinaus: Wagner ist ein "Täter".
Na, sowas!

Interessant ist höchstens die Darstellung der unerfreulichen Rolle, die Cosima in den letzten Jahren ihres Richard spielte.

Donnerstag, 23. Mai 2013

Wagners Antisemitismus


Wagner 200. Geburtstag war für viele Medien Anlaß (oder Auftrag?), Anti-Antisemitismus-Kampagnen zu fahren; kaum eine Publikation konnte (und wollte) sich dem Thema entziehen, und ganz selten wurde es  in sachlicher, unpolemischer  Weise behandelt.
Manche Autoren stellen es ja so hin, als wäre Wagner für den Holocaust direkt verantwortlich, zumindest in dem Sinne, daß er „die tödliche Saat ausgesät“ hätte. Er war aber schlimmstenfalls ein Saatgutproduzent, einer der vielen zu seiner Zeit; allerdings wurde und wird er durch seine  unvergängliche Musik mehr wahrgenommen als andere, über welche die Geschichte schon längst hinweggegangen ist.

Sonntag, 19. Mai 2013

Richard Wagner Gedenkjahr

http://www.wienerzeitung.at/themen_channel/musik/klassik_oper/546893_Ich-hasse-ihn-auf-Knien.html


Dieser Artikel in der WZ  liest sich wie eine Rezension des Decamerone im Osservatore Romano. Allerdings kann sich heutzutage nur ein musikliebender Privatier, der keinerlei Wert auf Präsenz in der Öffentlichkeit legt, leisten, die moralischen Defizite Richard Wagners peripher sein zu lassen. Auf der anderen Seite ist es völlig ungefährlich, die wunderbaren Gedichte Bertolt Brechts zu preisen, trotz einer ebenfalls recht zweifelhaften politischen und moralischen Persönlichkeitsstruktur des Autors.

Ganz generell habe ich den Eindruck, dass wir nicht ein Richard-Wagner-Gedenkjahr feiern, sondern ein Anti-Antisemitismus-Festival.

Die Wagner-Biographie von Robert Gutman ist auch eher ein Werk über den Antisemitismus, an Richard Wagners Leben aufgehängt. Trotzdem ein sehr interessantes Buch, mit vielen Details. Aber eben leider gefärbt von dem einem Zentralgedanken, auf den er immer wieder zurückkommt. Nur ganz wenigen jüdischen Autoren gelingt es, ohne diese  Idée fixe  auszukommen, was einerseits verständlich ist, andererseits aber auch weniger gute Werke unlesbar macht. Man merkt die Absicht und ist verstimmt. Auf Berlinerisch: "Nachtigall, ick hör dir trapsen...."
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"Der Mensch und der Künstler sind keine Gleichung."
A. Brendel

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GÖTTERDÄMMERUNG:


"With a little help from may friend" konnte ich Wagners 200. Geburtstag "würdig" in der StOp feiern.

Gould und Stemme waren großartig, die anderen auch, Tomlinson als Hagen besitzt zwar eine mächtige Stimme, aber hatte Höhenprobleme und traf die Töne auch nicht immer genau, aber das tat der Aufführung keinen Abbruch, weil er sehr gut spielte. FWM wie immer perfekt, das Orchester im 3. Akt anscheinend schon etwas ermüdet, Horn- und Trompetenkiekser, aber auch das völlig egal - das Gesamtbild stimmte. Obwohl ich ja einiges von der Bühne sehen konnte (Galerie Seite links), schaute ich fast nie hin, hätte mir nur die Stimmung zusammengehaut - in meiner Phantasie ist das eh viel schöner!



Freitag, 23. November 2012

Thielemanns Wagner-Buch

Ich lese momentan Christian Thielemann: "Mein Leben mit Wagner".

In musikalischen Dingen ist das Buch sehr interessant, in einigen anderen Punkten aber enttäuschend, weil bei kritischen Fragen etwas sehr "opportunistisch" oder sagen wir "vorsichtig", beispielsweise beim Thema Regietheater; er will es sich halt mit niemandem verderben und so möglicherweise irgendwo um ein Wagner- oder Strauss-Dirigat kommen. Er denkt sich wohl: Gegen den Wind des Feuilletons kann man nicht spucken. Interessanterweise verlassen ihn bei diesem Thema auch Berliner Humor und Ironie, die bei anderen Themen durchaus vorhanden sind.

Und natürlich ist er in der Frage von Wagners Antisemitismus ganz auf Linie. Damit meine ich: Auch er redet hauptsächlich von diesem Charaktermangel Wagners und sehr viel weniger von anderen, mindestens ebenso schwerwiegenden Defiziten: Dass er Freunde und Gönner reihenweise und schwerstens betrogen und hintergangen hat, wiegt aus heutiger Sicht offenbar viel weniger als sein Antisemitismus. Der war ja nun wirklich arg und wohl auch in manchen Äußerungen über das im 19. Jhdt. durchaus "übliche" Mass hinausgehend.

Und trotzdem: In der heutigen öffentlichen Moral gibt es offensichtlich nur eine einzige Todsünde, den Antisemitismus. Der  modern-elegante Umkehrschluss liegt nahe: Alle übrigen sozialen Schweinereien gegenüber Partner, Freunden, Kollegen etc. sind demnach durchaus verzeihlich, wenn man nur in jüdischen und israelischen Angelegenheiten auf Linie ist.

Donnerstag, 22. November 2012

Meistersinger (WA)

Gestern, 21.11.: Ein (für mich) wunderschöner Meistersinger-Abend in der StOp - diesmal ausnahmsweise von der Galerie mit guter Sicht auf die Wiederaufnahme der Schenk-Inszenierung (wenn ich mich vorbeugte).

Die Dame (S. Young) versteht ihr Handwerk - ich ordne sie in die FWM-Klasse ein: Universal-Kapellmeistertum mit Format.
Egal: Die Philharmoniker spielten, die wichtigen Sänger waren gut: J.Botha, J.Rutherford (neuer Sachs).
Da kann ein Dirigent kaum was kaputtmachen, außer die Musiker mögen ihn gar nicht.

Und natürlich wurde die wunderbare Inszenierung im Feuilleton als "Kostümschinken für ältere Semester" und "veraltet" heruntergemacht - obwohl oder weil sie dem überwiegenden Teil des Publikums gefallen hat.
"Verachtet mir die Meisten nicht und ehrt mir ihre Gunst"
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Auch meine 2. Vorstellung am 29.11. war gut, ja sogar etwas besser, Fr. Young ließ nicht mehr ganz so laut spielen, Fr. Carvin war nicht mehr ganz so schrill.

Dienstag, 7. Juni 2011

Walküre 110605

Die Walküre vom Sonntag war ein schönes Erlebnis, schöner als es die "professionelle" Kritik vermuten läßt. Mir hat z.B. Fr. Merbeth ganz gut gefallen, auf Ventris ist offensichtlich immer Verlaß und T. Konieczny ist schon allein als Darsteller ein Genuß. F. Welser-Möst hat wieder ordentlich musiziert, wofür ihm m. E.  ordentlicher „Beifall“ gebührt hätte, aber nicht „Jubel“; aber manche Leute jubeln (d.h. heulen) halt gerne. Der Platz war sehr schön, bot guten Blick auf die Holzbläser und Hörner, was ich gerne habe. In der ersten Reihe der Parterrelogen saßen reihenweise die höheren Töchter eines Schweizer Nobelinternats (vermute ich), sind ja nicht billig, diese Plätze. Soweit war es ja nicht störend, weil sie sich – zwar sichtlich arg gelangweilt – zumindest akustisch ruhig verhielten. Das Girl vor mir allerdings begann in der Schlußszene „In festen Schlaf …“ sich ihre üppigen Haare zu richten…was macht man da als alter Mann, man kann sie ja nicht antippen bei ihrem schulterfreien Kleid. Nun, ich habe halt die Augen geschlossen. Sachen erlebt man schon…


Sonntag, 24. April 2011

Parsifal Ostern 2011

Am Gründonnerstag der obligate Parsifal in der StOp. Überraschung diesmal der Dirigent Ingo Metzmacher: Ich erwartete eine unterkühlte Interpretation a la Neue Musik, aber es kam ganz anders, nämlich sehr lebendig und ansprechend. Überragend außer F. Struckmann und auch Ch. Ventris v. a. Waltraud Meier, die auch nach der Vorstellung den Lotte-Lehmann-überreicht bekam - von Hr. Dir. Meyer persönlich.
Am MIttwoch, den 27.4. bin ich nochmals dort.

Sonntag, 29. November 2009

Götterdämmerung-09



Dass man W-Möst zujubelt, kann ich nicht verstehen. Applaus, Respekt ja - denn es ist schon eine Leistung, den Ring so technisch perfekt zu musizieren, aber Jubel möchte ich doch für jemanden reservieren, der außer technischer Perfektion auch noch das gewisse Etwas dazubringt.
Kurt Rydl wirkte angestrengt. Boaz Daniel als Gunter hat sich gegenüber der letzten Serie verbessert.
Sonst gilt das vom Jänner d.J. Gesagte.

Dienstag, 5. Mai 2009

Rheingold 09 (Premiere)







Nun, das war ein recht schöner Abend , trotz eines Wotans, der nahe an der Indisposition war; wahrscheinlich hat J. Uusitalo seit der Walküre ein Premierentrauma. Musikalisch war sonst alles ziemlich perfekt, wie es bei Welser-Möst ja fast immer ist. Aber zuschauen darf man ihm nicht „bei der Arbeit“, er verzieht während des ganzen Stücks nicht eine Miene, da könnte einem die Stimmung vergehen. Die Musiker bemühten sich auch um Perfektion, schließlich ist er ihr zukünftiger Chef.

Aber es gibt eben Dirigenten mit dem bestimmten „Mehr“, bei dem die Damen und Herren im Graben auch mehr zu geben gewillt sind – und „da spielt dann die Musik“, wie man in Wien zu sagen pflegt. Immerhin: „Die Musik ist die Sprache der Leidenschaft“ (Richard Wagner).

Über die Szene kann ich natürlich nichts sagen, aber ich habe nicht das Gefühl, dass mir etwas entgangen ist – oder zumindest glaube ich nicht, dass eine gute Sicht auf die Bühne meinen Genuss gesteigert hätte...

Sonntag, 12. April 2009

Parsifal-09




Gestern also mein persönliches, alljährliches Parsi-festi-fal. Eine solide Aufführung unter Peter Schneider, sängerisch eigentlich besser als voriges Jahr unter Thielemann. Und doch: Da war noch etwas anderes, das die damalige Aufführung (die 2. und letzte) so einmalig machte. Ich glaube, es lag auch daran, daß Th. die Musiker, diese abgebrühten Herren, zu begeistern vermag wie kaum ein anderer - möglicherweise C. Kleiber anno dazumal.

Vielleicht hilft ein Beispiel:
Gegen Ende des 2. Aktes gibt es einige Violinsoli ("Diese Stimme") - Fr. Danielova hat diese mustergültig gespielt, voriges Jahr hat es Rainer Küchl wie einen Wahnsinns-Drahtseil-Akt hingelegt; in der ganzen Aufführung herrschte "erhöhte Temperatur" und zum Schluss war man erschlagen wie nach einem Fieberanfall. Thielemann umarmte damals nach dem letzten Takt den verdutzten Konzertmeister im Orchesterraum....
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Und natürlich wieder die ganz abscheuliche Mielitz-Regie, vor allem aber das Bühnenbild, für das der Ausstatter wohl einen Restposten sonst unabsetzbarer Tapeten beim Textil-Müller in Kritzendorf erworben hat.
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Übrigens wurde F. Struckmann durch T. Konieczny ersetzt, der sich wacker schlug.

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Antwort auf eine Kritik in der WZ:
Aus gezielter Häßlichkeit werden bei Ihrem Kritiker „logische, moderat entstaubte Bilder“, aus billig-poppigen Lichteffekten eine „Atmosphäre durch einfache, aber effektive Lichtregie“.
Immer deutlicher wird, dass wir das moderne Regietheater den Kritikern zu verdanken haben. Wenn ich daran denke, dass diese Herren auch noch gratis auf den besten Plätzen sitzen, während wir, das dumme, zu belehrende Publikum, schwer dafür bezahlen dürfen, dass man uns romantische Oper ohne Romantik „vor den Latz knalllt“.

Donnerstag, 8. Mai 2008

Siegfried

Am 4. Mai im neuen Siegfried: Sensationelle Vorstellung, was die Sänger-Qualität betrifft, v. a. natürlich St. Gould. Endlich ein Siegfried, wo man nicht schon ab dem 2. Akt Angst hat, daß er wegbricht. N. Stemme und J. Uusitalo muß man auch erwähnen, sonst wäre es nicht gerecht....
Das Orchester unter einem "perfekten" F. Welser-Möst auch sehr gut, sogar die Hörner hatten einen exzellenten Tag. An der Oboe II Frau Brosch, die sich nun offensichtlich behauptet hat.
Wie gesagt, sensationelle Aufführung - aber ewig (?) im Gedächtnis bleiben wird mir die letzte Parsifal-Vorstellung unter Chr. Thielemann - obowhl diese bei weitem nicht perfekt war!
Das ist eben Oper!

Freitag, 27. Juli 2007

Bayreuth II

Von Katharina Wagner wird der Ausspruch kolportiert: "Werktreue ist Schwachsinn". Aber auch (refero relata): "Ich kann mir Originalinstrumente auf dem grünen Hügel durchaus vorstellen". Hmmm.??? Ahhh!!! Sie meint Schreibmaschinen!
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Heute um Kurier: Aus der Tatsache, daß "Die Meistersinger" die Lieblingsoper Adolf Hitlers war wird die Berechtigung abgeleitet, dieser Oper eine andere, politisch korrekte Story zu unterlegen. Fürwahr: Diese geschlossene Veranstaltung für das internationale Feuilleton (inkl. seiner österreichischen Blinddärme) sowie ein paar geplagte Promis ist für den Wagnerfreund eher uninteressant, auch in der Übertragung.