Zitat aus dem KURIER: "Diese Inszenierung besitzt keinen erkennbaren philosophischen Überbau".
Das - oder gar ein theologischer Überbau - fehlte mir noch am wenigsten. So was ist nur wichtig für Leute, die mit der Musik nicht wirklich was anfangen können - in der ja das alles drinsteckt, so man das will. Eine dezente und unaufdringliche Bebilderung der "Story" würde mir schon genügen, ist aber heute Utopie.
Was Thielemann betrifft, so keimt in mir schön langsam der Verdacht, dass er sich nicht ganz ungern an solchen abwegigen Inszenierungen "beteiligt" - strahlt doch sein Stern dann umso heller!!! Das hätte er zwar nicht nötig, aber so sind halt Künstler. Die diffuse Stellungnahme zum Regietheater in seinem Buch bestärkt mich in diesem Verdacht. -
Und geht es nicht in Wagners Opern immer um Erlösung? Christian Thielemann wäre demnach der "Erlöser" von katastrophalen Inszenierungen.
Aber auch Altmeister Brian Large dürfte kein echter Fan dieser Inszenierung sein, sonst wäre seine Bildregie nicht so entlarvend und "meuchlerisch" ausgefallen.
(Gesehen in 3Sat am 23.3.2013)
Politische, kulturelle und politische Kommentare ; literarische Kletzen. Motto: Prudenter dubitare!
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Montag, 25. März 2013
Freitag, 23. November 2012
Thielemanns Wagner-Buch
Ich lese momentan Christian Thielemann: "Mein Leben mit Wagner".
In musikalischen Dingen ist das Buch sehr interessant, in einigen anderen Punkten aber enttäuschend, weil bei kritischen Fragen etwas sehr "opportunistisch" oder sagen wir "vorsichtig", beispielsweise beim Thema Regietheater; er will es sich halt mit niemandem verderben und so möglicherweise irgendwo um ein Wagner- oder Strauss-Dirigat kommen. Er denkt sich wohl: Gegen den Wind des Feuilletons kann man nicht spucken. Interessanterweise verlassen ihn bei diesem Thema auch Berliner Humor und Ironie, die bei anderen Themen durchaus vorhanden sind.
Und natürlich ist er in der Frage von Wagners Antisemitismus ganz auf Linie. Damit meine ich: Auch er redet hauptsächlich von diesem Charaktermangel Wagners und sehr viel weniger von anderen, mindestens ebenso schwerwiegenden Defiziten: Dass er Freunde und Gönner reihenweise und schwerstens betrogen und hintergangen hat, wiegt aus heutiger Sicht offenbar viel weniger als sein Antisemitismus. Der war ja nun wirklich arg und wohl auch in manchen Äußerungen über das im 19. Jhdt. durchaus "übliche" Mass hinausgehend.
Und trotzdem: In der heutigen öffentlichen Moral gibt es offensichtlich nur eine einzige Todsünde, den Antisemitismus. Der modern-elegante Umkehrschluss liegt nahe: Alle übrigen sozialen Schweinereien gegenüber Partner, Freunden, Kollegen etc. sind demnach durchaus verzeihlich, wenn man nur in jüdischen und israelischen Angelegenheiten auf Linie ist.
In musikalischen Dingen ist das Buch sehr interessant, in einigen anderen Punkten aber enttäuschend, weil bei kritischen Fragen etwas sehr "opportunistisch" oder sagen wir "vorsichtig", beispielsweise beim Thema Regietheater; er will es sich halt mit niemandem verderben und so möglicherweise irgendwo um ein Wagner- oder Strauss-Dirigat kommen. Er denkt sich wohl: Gegen den Wind des Feuilletons kann man nicht spucken. Interessanterweise verlassen ihn bei diesem Thema auch Berliner Humor und Ironie, die bei anderen Themen durchaus vorhanden sind.
Und natürlich ist er in der Frage von Wagners Antisemitismus ganz auf Linie. Damit meine ich: Auch er redet hauptsächlich von diesem Charaktermangel Wagners und sehr viel weniger von anderen, mindestens ebenso schwerwiegenden Defiziten: Dass er Freunde und Gönner reihenweise und schwerstens betrogen und hintergangen hat, wiegt aus heutiger Sicht offenbar viel weniger als sein Antisemitismus. Der war ja nun wirklich arg und wohl auch in manchen Äußerungen über das im 19. Jhdt. durchaus "übliche" Mass hinausgehend.
Und trotzdem: In der heutigen öffentlichen Moral gibt es offensichtlich nur eine einzige Todsünde, den Antisemitismus. Der modern-elegante Umkehrschluss liegt nahe: Alle übrigen sozialen Schweinereien gegenüber Partner, Freunden, Kollegen etc. sind demnach durchaus verzeihlich, wenn man nur in jüdischen und israelischen Angelegenheiten auf Linie ist.
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Samstag, 4. Juni 2011
Harnoncourt und Rossini ... und Kritiker
SPIEGEL: Ihre Abneigung gegen Rossini ist legendär.
Harnoncourt: Ich finde es wirklich brillant, was er kann. Ich hätte gar nichts dagegen, einen guten Rossini aufzuführen; aber dass ein Komponist sein Leben lang keinen Herzenston hinkriegt, das ist merkwürdig.
Heinrich HEINE:Die Verächter italienischer Musik, die auch dieser Gattung den Stab brechen, werden einst in der Hölle ihrer wohlverdienten Strafe nicht entgehen und sind vielleicht verdammt, die lange Ewigkeit hindurch nichts anderes zu hören als Fugen von Sebastian Bach..... Rossini, divino Maestro, Helios von Italien, der du deine klingenden Strahlen über die Welt verbreitest! verzeih meinen armen Landsleuten, die dich lästern auf Schreibpapier und auf Löschpapier! Ich aber erfreue mich deiner goldenen Töne, deiner melodischen Lichter, deiner funkelnden Schmetterlingsträume, die mich so lieblich umgaukeln und mir das Herz küssen wie mit Lippen der Grazien! Divino Maestro, verzeih meinen armen Landsleuten, die deine Tiefe nicht sehen, weil du sie mit Rosen bedeckst, und denen du nicht gedankenschwer und gründlich genug bist, weil du so leicht flatterst, so gottbeflügelt!
q.e.d.
Was Harnoncourt dann noch über Richard Strauß sagte, hat er sich von H. Weigel ausgeliehen: Sie werfen ihm vor, daß er - das größte Talent seit Mozart - den Zeitgeschmack bedient hätte. Mein Gott, das hat doch Mozart auch - oder meinen sie, er hätte für die Kritiker im 20. Jh. geschrieben? Auf jeden Fall hat Strauß auf seine Art zigtausend mal mehr Menschen glücklich gemacht als die, welche Kritik-konform geschrieben haben.
Ich glaube, sie nehmen R. Strauß übel, dass er nicht auch früh gestorben ist wie Mozart, Schubert....
Alle diese Herren können nicht existieren, ohne ihren eigenen Geschmack zu verabsolutieren: Hanslick, Weigel, MRR ......Hr. Edwin Baumgartner von der WZ möchte sich auch gerne in dieser Reihe sehen, aber es fehlt im ein bisschen das Format dafür. Als (eb) entblödete er sich nicht, dem Bayreuther Ring von Thielemann "längst überholtes Pathos" zu attestieren. Ich denke wohl eher, dass solche GerneGroßkritiker überholt sind.
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Im Übrigen steht es natürlich jedermann frei, seine Vorlieben und Abneigungen in der Musik kundzutun. Ich frage mich nur, warum niemand öffentlich sagt, er mag Gustav Mahler nicht. Dabei muss es es solche Leute geben, schon rein statistisch!
Dazu ein interessantes Zitat aus dem NEW YORKER:
March 17, 2010
Thielemann Confesses
Posted by Alex Ross
What does Christian Thielemann think of the music of Gustav Mahler? The German conductor, possibly the most convincing Wagner interpreter of our day, was recently asked that question at a Munich press conference, and it was a charged query: for some years, Thielemann has been trailed by rumors of reactionary political sympathies, even of anti-Semitism, and his avoidance of Mahler has in some places been taken as evidence of his alleged views. Jens Laurson, of the ionarts blog, attended the press conference, and notes that Thielemann’s response to the Mahler question took a surprising twist. The conductor said: “Mahler’s music lends itself most to those conductors who know how to hold back, who are good at understatement. That doesn’t exactly accommodate my conducting style; I’ve not been terribly successful at that yet. The music of Mahler is already so full of effects, if you are tempted to add anything, you only make it worse. I admire those conductors who achieve that certain noblesse—which is what I desire to achieve, eventually. Not always to enhance something.”
Hab' ich mir's doch gedacht!
Und hier noch etwas viel Besseres:
http://www.welt.de/kultur/musik/article13361719/Thielemann-irritiert-mit-fragwuerdigen-Strauss-Werken.html
Alles klar!? Wer Mahler nicht mag, wohl aber Richard Strauss, ist ANTISEMIT!!!
Harnoncourt: Ich finde es wirklich brillant, was er kann. Ich hätte gar nichts dagegen, einen guten Rossini aufzuführen; aber dass ein Komponist sein Leben lang keinen Herzenston hinkriegt, das ist merkwürdig.
Heinrich HEINE:Die Verächter italienischer Musik, die auch dieser Gattung den Stab brechen, werden einst in der Hölle ihrer wohlverdienten Strafe nicht entgehen und sind vielleicht verdammt, die lange Ewigkeit hindurch nichts anderes zu hören als Fugen von Sebastian Bach..... Rossini, divino Maestro, Helios von Italien, der du deine klingenden Strahlen über die Welt verbreitest! verzeih meinen armen Landsleuten, die dich lästern auf Schreibpapier und auf Löschpapier! Ich aber erfreue mich deiner goldenen Töne, deiner melodischen Lichter, deiner funkelnden Schmetterlingsträume, die mich so lieblich umgaukeln und mir das Herz küssen wie mit Lippen der Grazien! Divino Maestro, verzeih meinen armen Landsleuten, die deine Tiefe nicht sehen, weil du sie mit Rosen bedeckst, und denen du nicht gedankenschwer und gründlich genug bist, weil du so leicht flatterst, so gottbeflügelt!
q.e.d.
Was Harnoncourt dann noch über Richard Strauß sagte, hat er sich von H. Weigel ausgeliehen: Sie werfen ihm vor, daß er - das größte Talent seit Mozart - den Zeitgeschmack bedient hätte. Mein Gott, das hat doch Mozart auch - oder meinen sie, er hätte für die Kritiker im 20. Jh. geschrieben? Auf jeden Fall hat Strauß auf seine Art zigtausend mal mehr Menschen glücklich gemacht als die, welche Kritik-konform geschrieben haben.
Ich glaube, sie nehmen R. Strauß übel, dass er nicht auch früh gestorben ist wie Mozart, Schubert....
Alle diese Herren können nicht existieren, ohne ihren eigenen Geschmack zu verabsolutieren: Hanslick, Weigel, MRR ......Hr. Edwin Baumgartner von der WZ möchte sich auch gerne in dieser Reihe sehen, aber es fehlt im ein bisschen das Format dafür. Als (eb) entblödete er sich nicht, dem Bayreuther Ring von Thielemann "längst überholtes Pathos" zu attestieren. Ich denke wohl eher, dass solche GerneGroßkritiker überholt sind.
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Im Übrigen steht es natürlich jedermann frei, seine Vorlieben und Abneigungen in der Musik kundzutun. Ich frage mich nur, warum niemand öffentlich sagt, er mag Gustav Mahler nicht. Dabei muss es es solche Leute geben, schon rein statistisch!
Dazu ein interessantes Zitat aus dem NEW YORKER:
March 17, 2010
Thielemann Confesses
Posted by Alex Ross
What does Christian Thielemann think of the music of Gustav Mahler? The German conductor, possibly the most convincing Wagner interpreter of our day, was recently asked that question at a Munich press conference, and it was a charged query: for some years, Thielemann has been trailed by rumors of reactionary political sympathies, even of anti-Semitism, and his avoidance of Mahler has in some places been taken as evidence of his alleged views. Jens Laurson, of the ionarts blog, attended the press conference, and notes that Thielemann’s response to the Mahler question took a surprising twist. The conductor said: “Mahler’s music lends itself most to those conductors who know how to hold back, who are good at understatement. That doesn’t exactly accommodate my conducting style; I’ve not been terribly successful at that yet. The music of Mahler is already so full of effects, if you are tempted to add anything, you only make it worse. I admire those conductors who achieve that certain noblesse—which is what I desire to achieve, eventually. Not always to enhance something.”
Hab' ich mir's doch gedacht!
Und hier noch etwas viel Besseres:
http://www.welt.de/kultur/musik/article13361719/Thielemann-irritiert-mit-fragwuerdigen-Strauss-Werken.html
Alles klar!? Wer Mahler nicht mag, wohl aber Richard Strauss, ist ANTISEMIT!!!
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Sonntag, 12. April 2009
Parsifal-09


Gestern also mein persönliches, alljährliches Parsi-festi-fal. Eine solide Aufführung unter Peter Schneider, sängerisch eigentlich besser als voriges Jahr unter Thielemann. Und doch: Da war noch etwas anderes, das die damalige Aufführung (die 2. und letzte) so einmalig machte. Ich glaube, es lag auch daran, daß Th. die Musiker, diese abgebrühten Herren, zu begeistern vermag wie kaum ein anderer - möglicherweise C. Kleiber anno dazumal.
Vielleicht hilft ein Beispiel:
Gegen Ende des 2. Aktes gibt es einige Violinsoli ("Diese Stimme") - Fr. Danielova hat diese mustergültig gespielt, voriges Jahr hat es Rainer Küchl wie einen Wahnsinns-Drahtseil-Akt hingelegt; in der ganzen Aufführung herrschte "erhöhte Temperatur" und zum Schluss war man erschlagen wie nach einem Fieberanfall. Thielemann umarmte damals nach dem letzten Takt den verdutzten Konzertmeister im Orchesterraum....
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Und natürlich wieder die ganz abscheuliche Mielitz-Regie, vor allem aber das Bühnenbild, für das der Ausstatter wohl einen Restposten sonst unabsetzbarer Tapeten beim Textil-Müller in Kritzendorf erworben hat.
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Übrigens wurde F. Struckmann durch T. Konieczny ersetzt, der sich wacker schlug.
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Antwort auf eine Kritik in der WZ:
Aus gezielter Häßlichkeit werden bei Ihrem Kritiker „logische, moderat entstaubte Bilder“, aus billig-poppigen Lichteffekten eine „Atmosphäre durch einfache, aber effektive Lichtregie“.
Immer deutlicher wird, dass wir das moderne Regietheater den Kritikern zu verdanken haben. Wenn ich daran denke, dass diese Herren auch noch gratis auf den besten Plätzen sitzen, während wir, das dumme, zu belehrende Publikum, schwer dafür bezahlen dürfen, dass man uns romantische Oper ohne Romantik „vor den Latz knalllt“.
Immer deutlicher wird, dass wir das moderne Regietheater den Kritikern zu verdanken haben. Wenn ich daran denke, dass diese Herren auch noch gratis auf den besten Plätzen sitzen, während wir, das dumme, zu belehrende Publikum, schwer dafür bezahlen dürfen, dass man uns romantische Oper ohne Romantik „vor den Latz knalllt“.
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Donnerstag, 8. Mai 2008
Siegfried
Am 4. Mai im neuen Siegfried: Sensationelle Vorstellung, was die Sänger-Qualität betrifft, v. a. natürlich St. Gould. Endlich ein Siegfried, wo man nicht schon ab dem 2. Akt Angst hat, daß er wegbricht. N. Stemme und J. Uusitalo muß man auch erwähnen, sonst wäre es nicht gerecht....
Das Orchester unter einem "perfekten" F. Welser-Möst auch sehr gut, sogar die Hörner hatten einen exzellenten Tag. An der Oboe II Frau Brosch, die sich nun offensichtlich behauptet hat.
Wie gesagt, sensationelle Aufführung - aber ewig (?) im Gedächtnis bleiben wird mir die letzte Parsifal-Vorstellung unter Chr. Thielemann - obowhl diese bei weitem nicht perfekt war!
Das ist eben Oper!
Das Orchester unter einem "perfekten" F. Welser-Möst auch sehr gut, sogar die Hörner hatten einen exzellenten Tag. An der Oboe II Frau Brosch, die sich nun offensichtlich behauptet hat.
Wie gesagt, sensationelle Aufführung - aber ewig (?) im Gedächtnis bleiben wird mir die letzte Parsifal-Vorstellung unter Chr. Thielemann - obowhl diese bei weitem nicht perfekt war!
Das ist eben Oper!
Freitag, 28. März 2008
Parsifal-08/2x

.....eigentlich kann man sagen, daß Thielemann den Sängern die Show gestohlen hat. Auch während der Aufführung hatte man den Eindruck, daß die Sänger eher wie ein (etwas fragiles) Begleitinstrument zum felsenfesten Klangkörper des Orchesters behandelt wurden. "Die da oben" wurden mitgenommen die Hauptsache, waren eindeutig "die da unten" im Graben.
In einer Parterreloge sitzend, konnte ich durch das Opernglas die "innige" Kommunikation zwischen Dirigent und Instrumentalisten perspektivisch verkürzt beobachten und kam mir dabei des öfteren wie ein indiskreter Voyeur vor - da war eindeutig Erotik im Spiel ;=).
Insgesamt: Unvergessliche Momente, vor allem in den ppp-Stellen.
-----------Dazu:-----------------
DER NEUE MERKER : Kritiken der Wiener Staatsoper : Opernzeitschrift für Opernf... Page 1 of 1
WIENER STAATSOPER: „PARSIFAL" am 26.3.2008
Was bei der Premieren-Serie Spannung, Neugier, Diskussionen verursacht, wird oft bei späteren Vorstellungen nur mehr eine abgestandene, hässliche, müde Sache. Nicht anders die posthume DDR-Nostalgie der Mielitz mit dem ängstlichen Vermeiden der zahlreich vorkommenden religiösen Bezüge, aber auch aller Naturstimmungen. Dafür bringt sie den Sieg der „Massen der Werktätigen", die ja im „realen Sozialismus" nie etwas zu sagen hatten. Auch wird fast immer das Gegenteil von dem gemacht, was im Libretto steht. Ein Beispiel: wenn es heißt „Hoch steht die Sonne", wird es „natürlich" finster. In der 23. Aufführung dieser Inszenierung mit neuer Besetzung sind auch nur mehr Reste der einst starken Personenführung vorhanden. Genug davon! Als verdienter Ausgleich für die miese Optik, beginnend mit der Bedürfnisanstalt im ersten Bild, wurde man mit musikalischen Sternstunden versöhnt. Unter dem großartigen Christian Thielemann waren auch unsere Philharmoniker, sowie der starke geforderte Staatsopernchor/Thomas Lang ganz fabelhaft, voll engagiert und ganz dem Werk hingegeben. Allein, wie der Dirigent die Szenen aufbaut, steigert, zurücknimmt, die Sänger trägt, die Schönheit des Klangs erblühen lässt und das ganze Werk zu einem grandiosen Dom aufbaut. Davon werden manche noch ihren Enkeln erzählen. Zum sängerischen Personal in der Reihenfolge des Besetzungszettels: Wahrhaft ein Wagner-Sänger allerersten Ranges ist Falk Struckmann als Amfortas. Er beweist das immer aufs Neue, denn seine Stimme, das Timbre, seine Technik und Kraft, also alles zusammen, ist ideal für den Gralskönig. Mit seinem noblen Ton ist Ain Anger eine Luxusbesetzung für die kurze Aufgabe als Titurel. Wolfgang Bankl hat sich den Klingsor rauf beste, vorbildliche Weise angeeignet. Ein Hüne von Gestalt, mit einer außerordentlichen Stimme voller Kraft und Schönheit gesegnet, das ist Stephen Milling. Die besonders lange Rolle des Gurnemanz ermüdet ihn überhaupt nicht, er findet immer eine vorzügliche Gesangslinie, ausdrucksvoll, schön geformt und mit auffallend gutem Legato. So kann man Wagner auch singen! Sollte man! Thomas Moser, vor 30 Jahren ein ranker Mozart-Sänger, ist der sehr gut ernährte „schöne Knabe" Parsifal. Mit seiner lyrischen Stimme muss er sich für die lange, Kräfte raubende Partie merklich verausgaben und besonders im 3. Akt doch sehr zurückhalten. Aber er hielt durch. Auf der Bühne wirkt er tapsig in den Bewegungen und sehr gebremst im Temperament. Die Kundry, eigentlich eine Sopranrolle, ist für viele Mezzos eine deutliche Grenzpartie. Auch Mihoko Fujimura entgeht nicht dieser Tatsache, weil sie die hohen Töne richtig heraus schleudern muss. Aber ihr Einsatz beeindruckte viele Besucher. Allerdings ist der
2. Akt auf der Bühne (nicht im Orchester) völlig unerotisch, es gibt kein Knistern, keine Gefühlsaufwallungen zwischen Kundry und Parsifal. In diesen Akt hat die Regisseuse auch eine Islamismus-Kritik eingebaut: Anfänglich sind die Blumenmädchen sehr züchtig, ganz in Schwarz verhüllt, aber dann, was darunter ist, wenn sie die dunklen Tücher abstreifen (nun, so aufregend ist das aber auch nicht). Recht gut anzuhören sind die Gralsritter Gergely Németi und Clemens Unterreiner; gut zusammengestellt sind die Blumenmädchen mit Ileana Tonca, Jessica Pratt, Sophie Marilley, Simina Ivan, Alexandra Reinprecht und Elisabeth Kulman; Daniela Denschlag ist eine gute Stimme von oben; aber auch die Knappen sind zufrieden stellend mit Cornelia Salje, Daniela Denschlag, Alexander Kaimbacher und Peter Jelsosits. Der Abend war ein denkwürdiges Erlebnis. Thielemann wurde bereits vor Beginn und nach den Pausen mit vielen Bravos empfangen. Es zeigt sich, dass das Publikum seine zwar recht langen, aber äußerst intensiven Deutungen sehr zu schätzen weiß. Zum Abschluss gab es ganz großen Jubel und zahlreiche Bravorufe mit deutlich erkennbaren Abstufungen von Seiten des Publikums, wie es auch dem Eindruck des Rezensenten entspricht: Thielemann, Milling, Struckmann, Fujimura und Moser.
Martin Robert BOTZ
In einer Parterreloge sitzend, konnte ich durch das Opernglas die "innige" Kommunikation zwischen Dirigent und Instrumentalisten perspektivisch verkürzt beobachten und kam mir dabei des öfteren wie ein indiskreter Voyeur vor - da war eindeutig Erotik im Spiel ;=).
Insgesamt: Unvergessliche Momente, vor allem in den ppp-Stellen.
-----------Dazu:-----------------
DER NEUE MERKER : Kritiken der Wiener Staatsoper : Opernzeitschrift für Opernf... Page 1 of 1
WIENER STAATSOPER: „PARSIFAL" am 26.3.2008
Was bei der Premieren-Serie Spannung, Neugier, Diskussionen verursacht, wird oft bei späteren Vorstellungen nur mehr eine abgestandene, hässliche, müde Sache. Nicht anders die posthume DDR-Nostalgie der Mielitz mit dem ängstlichen Vermeiden der zahlreich vorkommenden religiösen Bezüge, aber auch aller Naturstimmungen. Dafür bringt sie den Sieg der „Massen der Werktätigen", die ja im „realen Sozialismus" nie etwas zu sagen hatten. Auch wird fast immer das Gegenteil von dem gemacht, was im Libretto steht. Ein Beispiel: wenn es heißt „Hoch steht die Sonne", wird es „natürlich" finster. In der 23. Aufführung dieser Inszenierung mit neuer Besetzung sind auch nur mehr Reste der einst starken Personenführung vorhanden. Genug davon! Als verdienter Ausgleich für die miese Optik, beginnend mit der Bedürfnisanstalt im ersten Bild, wurde man mit musikalischen Sternstunden versöhnt. Unter dem großartigen Christian Thielemann waren auch unsere Philharmoniker, sowie der starke geforderte Staatsopernchor/Thomas Lang ganz fabelhaft, voll engagiert und ganz dem Werk hingegeben. Allein, wie der Dirigent die Szenen aufbaut, steigert, zurücknimmt, die Sänger trägt, die Schönheit des Klangs erblühen lässt und das ganze Werk zu einem grandiosen Dom aufbaut. Davon werden manche noch ihren Enkeln erzählen. Zum sängerischen Personal in der Reihenfolge des Besetzungszettels: Wahrhaft ein Wagner-Sänger allerersten Ranges ist Falk Struckmann als Amfortas. Er beweist das immer aufs Neue, denn seine Stimme, das Timbre, seine Technik und Kraft, also alles zusammen, ist ideal für den Gralskönig. Mit seinem noblen Ton ist Ain Anger eine Luxusbesetzung für die kurze Aufgabe als Titurel. Wolfgang Bankl hat sich den Klingsor rauf beste, vorbildliche Weise angeeignet. Ein Hüne von Gestalt, mit einer außerordentlichen Stimme voller Kraft und Schönheit gesegnet, das ist Stephen Milling. Die besonders lange Rolle des Gurnemanz ermüdet ihn überhaupt nicht, er findet immer eine vorzügliche Gesangslinie, ausdrucksvoll, schön geformt und mit auffallend gutem Legato. So kann man Wagner auch singen! Sollte man! Thomas Moser, vor 30 Jahren ein ranker Mozart-Sänger, ist der sehr gut ernährte „schöne Knabe" Parsifal. Mit seiner lyrischen Stimme muss er sich für die lange, Kräfte raubende Partie merklich verausgaben und besonders im 3. Akt doch sehr zurückhalten. Aber er hielt durch. Auf der Bühne wirkt er tapsig in den Bewegungen und sehr gebremst im Temperament. Die Kundry, eigentlich eine Sopranrolle, ist für viele Mezzos eine deutliche Grenzpartie. Auch Mihoko Fujimura entgeht nicht dieser Tatsache, weil sie die hohen Töne richtig heraus schleudern muss. Aber ihr Einsatz beeindruckte viele Besucher. Allerdings ist der
2. Akt auf der Bühne (nicht im Orchester) völlig unerotisch, es gibt kein Knistern, keine Gefühlsaufwallungen zwischen Kundry und Parsifal. In diesen Akt hat die Regisseuse auch eine Islamismus-Kritik eingebaut: Anfänglich sind die Blumenmädchen sehr züchtig, ganz in Schwarz verhüllt, aber dann, was darunter ist, wenn sie die dunklen Tücher abstreifen (nun, so aufregend ist das aber auch nicht). Recht gut anzuhören sind die Gralsritter Gergely Németi und Clemens Unterreiner; gut zusammengestellt sind die Blumenmädchen mit Ileana Tonca, Jessica Pratt, Sophie Marilley, Simina Ivan, Alexandra Reinprecht und Elisabeth Kulman; Daniela Denschlag ist eine gute Stimme von oben; aber auch die Knappen sind zufrieden stellend mit Cornelia Salje, Daniela Denschlag, Alexander Kaimbacher und Peter Jelsosits. Der Abend war ein denkwürdiges Erlebnis. Thielemann wurde bereits vor Beginn und nach den Pausen mit vielen Bravos empfangen. Es zeigt sich, dass das Publikum seine zwar recht langen, aber äußerst intensiven Deutungen sehr zu schätzen weiß. Zum Abschluss gab es ganz großen Jubel und zahlreiche Bravorufe mit deutlich erkennbaren Abstufungen von Seiten des Publikums, wie es auch dem Eindruck des Rezensenten entspricht: Thielemann, Milling, Struckmann, Fujimura und Moser.
Martin Robert BOTZ
Donnerstag, 27. März 2008
Parsifal-08/2

Gestern noch einmal Parsifal in der StOp. Struckmann etwas angegriffen aber trotzdem großartig.
Thielemann wieder ein Erlebnis ... bin noch ganz fertig. Ihm zu Ehren (?) gleich 2 Konzertmeister: Rainer Küchl und Werner Hink. Auch sonst fast überall die Großmeister (Ottensamer etc.) am Werk.
An der 1. Oboe diesmal M. Gabriel, womöglich noch besser.
Ein Abend, den man nie vergessen kann. Wohl auch selten, dass deutlich die weitaus größten Ovationen dem Dirigenten gelten, sogar die Musiker blieben länger...... ein Wunder, hat er doch sie (und sich) zum Star des Abends gemacht.
(morgen Forts.)
Thielemann wieder ein Erlebnis ... bin noch ganz fertig. Ihm zu Ehren (?) gleich 2 Konzertmeister: Rainer Küchl und Werner Hink. Auch sonst fast überall die Großmeister (Ottensamer etc.) am Werk.
An der 1. Oboe diesmal M. Gabriel, womöglich noch besser.
Ein Abend, den man nie vergessen kann. Wohl auch selten, dass deutlich die weitaus größten Ovationen dem Dirigenten gelten, sogar die Musiker blieben länger...... ein Wunder, hat er doch sie (und sich) zum Star des Abends gemacht.
(morgen Forts.)
Sonntag, 23. März 2008
Parsifal-08

Ostern ist da und da gibt es für mich 2 musikalische Fixsterne: Matthäuspassion und Parsifal.
Wie im vorigen Jahr auch heuer wieder in der StOP: Parsifal, diesmal unter Thielemann, welcher schon ein anderes Kaliber ist als Runnicles. Wie er es immer wieder bravourös schafft, auch weniger "starke" Sänger wie Th. Moser "sanft zu betten" und Schöngesang zu ermöglichen! So leise und schön zugleich spielen sie nur bei ihm. - Struckmann, Bankl waren sehr gut, auch der Gurnemanz von Stephen Milling. - Am Englischhorn diesmal - schwer beschäftigt - Frau Brosch. Frau Kenyeri (HMK) litt an einem schweren Schnupfen und war sichtlich "not amused"; sie spielte die undankbare 2. (bzw.3.) Oboe. Den Karfreitagszauber (u.a.) musizierte Clemens Horak unübertrefflich.
Über die Inszenierung sollte man ja schweigen, aber die Fairness gebietet, zu sagen: Denkt man sich Bühnenbild, Requisiten und Kostüme (natürlich nicht bei den Damen)weg, wäre sie sogar passabel, denn es findet tatsächlich Personenregie statt - oder was halt im Repertoire davon noch übriggeblieben ist.
Für Mittwoch habe ich noch eine Karte.....
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Übrigens wurde in Radio Stephansdom die 1961 StOP-Aufführung von Parsifal unter Karajan übertragen, also jene Aufführung, über die ich an anderer Stelle berichtete. Habe sie aufgenommen und werde sie mir auf CD brennen. Im Handel gibt es sie auch, aber relativ teuer.
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