Habe mich über den untenstehenden Text (2. Absatz) maßlos geärgert! So wird ein Künstlerleben posthum "gesäubert" von Leuten, die sich liberal gebärden. Pfuissimo!
Politische, kulturelle und politische Kommentare ; literarische Kletzen. Motto: Prudenter dubitare!
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Sonntag, 8. September 2024
Freitag, 15. März 2019
Die Unmenschen sind die Feinde
»… die Juden sollten reif genug sein, um das Recht auf jüdische Schufte in der Literatur zu fordern. Ich jedenfalls fordere das Recht, eine Figur namens Weinstein einen Dieb zu nennen, ohne daß man mich beschuldigt, ich würde alle Juden Diebe nennen.«R. Chandler
....diejenigen, die auf der Suche nach Antisemiten sind, sollen sich nicht um solche Leute kümmern, »die einen Juden einen Juden nennen und jüdische Figuren in ihre Bücher aufnehmen, weil es in ihrem Leben viele Juden gibt - alle interessant und alle unterschiedlich, manche vortrefflich und manche ziemlich mies, wie andere Menschen auch. Ihre Feinde sollten sie lieber bei den Unmenschen (die leicht zu erkennen sind) und unter den Snobs suchen, die von Juden überhaupt nicht sprechen. «
»Was sie zu verübeln scheinen, ist das Gefühl, daß der Jude ein besonderer rassischer Typus ist, daß er sich durch sein Gesicht, den Tonfall seiner Stimme, und nur allzu oft durch sein Benehmen von anderen unterscheidet. Sie bekennen sich zu allen möglichen Religionen und zu keiner. Wenn man jemanden einen Juden nennt, denkt man nicht an seine Religion, sondern an bestimmte persönliche Merkmale im Äußeren oder im Verhalten, und das mögen die Juden nicht, weil sie wissen, daß es das ist, was man meint. Sie wollen sein wie jeder andere, nicht zu unterscheiden von anderen, nur daß sie unter Juden Juden sein wollen, damit sie Nichtjuden Gojim nennen können. Aber nicht einmal dann sind sie glücklich, da sie sehr wohl wissen, daß man jemanden nicht dadurch beleidigen kann, daß man ihn einen Goi nennt, ihn aber durchaus beleidigen kann, wenn man ihn einen Juden nennt. Solange das so ist, weiß ich nicht, wie man von Juden erwarten kann, nicht überempfindlich zu sein, sehe dabei aber auch nicht ein, warum ich auf diese Überempfindlichkeit soviel unnatürliche Rücksicht nehmen soll, daß ich das Wort Jude nie in den Mund nehme. Manchmal glaube ich wirklich, die Juden verlangen zuviel von uns. Sie sind wie jemand, der darauf besteht, namenlos und ohne Adresse zu sein, aber dennoch unbedingt zu den besten Parties eingeladen sein will. «
Dienstag, 25. Oktober 2016
Gleichberechtigung
Altösterreich.
Kohn zum Starosten seiner Stadt: „Sie sagen, die Juden hier sind gleichberechtigt. Das stimmt aber nicht!"Gilt das auch für die Frauen?
»Wie können Sie so etwas behaupten! Schauen Sie sich den tüchtigen Dr. Schönfeld an, wie großartig er Karriere gemacht hat!«
»Nu - was hat das mit der Gleichberechtigung zu tun? Gleichberechtigt sind die Juden erst, wenn auch jüdische Dummköpfe Karriere machen können!«
Samstag, 23. Januar 2016
Man kann nicht ruhig darüber reden...
...sagte schon Hans Weigel zum Thema Judentum. Schon wenn man anfängt, zu beteuern, dass man Verständnis für die Probleme der Juden in Israel und in der Diaspora hat, wird man scheel angesehen - so ungefähr wie: Wir haben Dein Verständnis nicht nötig. Kaum spricht man jedoch das Wort "aber" aus, geht schon die Falltür auf und man stürzt in den Antisemitismus-Kerker, aus dem es kein Entrinnen gibt.
Worüber man nicht reden kann,
Darüber muss man schweigen.*
Aus Unsagbarem irgendwann
Wird Untat sich erzeugen.
*(Frei nach L.Wittgenstein)
Samstag, 26. Dezember 2015
Über Antisemitismus
«Sagen Sie mir, Rabbi», er lehnte sich im Stuhl zurück, «war Professor Hendryx Ihrer Meinung nach ein Antisemit?»
Der Rabbi schob die Lippen vor. «Das möchte ich nicht behaupten! Er war voreingenommen, das wohl. Die meisten Menschen sind gegen die eine oder andere Gruppe eingestellt. Es ist eine natürliche Reaktion auf den Fremden, auf das Mitglied einer Minorität. Wir Juden haben darunter mehr als andere gelitten. Vermutlich, weil wir in so vielen Ländern eine Minorität dargestellt haben. Aber ich nenne es nicht Antisemitismus, wenn man mich nicht mag, auch wenn man mich nicht mag, weil ich Jude bin. Ich betrachte das nicht als Antisemitismus, falls das Vorurteil nicht in politische, legale oder soziale Handlung umgesetzt wird. Zum Funktionieren einer vielschichtig zusammengesetzten Gesellschaft gehört es nicht, dass ein Teil der Bevölkerung jeden anderen Teil schätzt. Das ist utopisch. Es geht schon, wenn jeder Teil dem anderen gleiche Rechte zubilligt, gleichgültig, ob sie sich schätzen oder nicht. Was nun Professor Hendryx anbelangt, so machte er dann und wann abwertende Bemerkungen über Juden, aber das tat er auch bei Iren, Italienern und Schwarzen. Er neigte dazu, fast über jeden bittere, sarkastische Bemerkungen zu machen.
Harry Kemelman.
Aus seinen Krimis, die in Wirklichkeit Essays über das Judentum sind, habe ich viel darüber gelernt. Das Thema hat mich immer interessiert, aber in der aufdringlichen Form, wie es in den Medien dargeboten wird, kann ich es nicht schmecken und verdauen. Besonders die WZ (Wiener Zeitung) tut sich dabei hervor.
Freitag, 24. April 2015
"Nie vergessen"
Der Slogan "Nie vergessen" widerspricht der menschlichen Natur. Wunden, die man nicht natürlich zuheilen lässt, werden früher oder später letal. Das sollten die Holocaust-Gedenk-Aktivisten in ihrem Eifer bedenken.
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Es soll ja auch Ärzte geben, die es aus ökonomischen Zwängen mit dem hippokratischen Eid nicht immer genau nehmen.
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Es soll ja auch Ärzte geben, die es aus ökonomischen Zwängen mit dem hippokratischen Eid nicht immer genau nehmen.
Donnerstag, 16. April 2015
Grass
Nicht einmal nach seinem Tod kann es sich das internationale Feuilleton verkneifen, auf Günter Grass herumzuhacken wegen seines israelkritischen Gedichts. Wie sehr die Kulturkritik inzwischen eine "Congregatio pro doctrina fide" ist, sieht man daran, dass man überall im selben Wortlaut lesen kann: "Das Gedicht ist literarisch wertlos".
Abgesehen davon, dass besonders bei Lyrik ein Werturteil kaum objektiv zu fällen ist, stellt sich die Frage: Wenn das Gedicht nun "literarisch wertvoll" gewesen wäre, hätte es dann keine "Fatwa" gegeben?
Abgesehen davon, dass besonders bei Lyrik ein Werturteil kaum objektiv zu fällen ist, stellt sich die Frage: Wenn das Gedicht nun "literarisch wertvoll" gewesen wäre, hätte es dann keine "Fatwa" gegeben?
Mittwoch, 18. März 2015
Klarstellung
Der Vorteil der demokratischen Staatsform ist, dass man von den gewählten Politikern darauf schließen darf, dass die Mehrheit des Staatsvolks ihrer Meinung ist. Da nun Israel, wie immer wieder betont wird, die einzige Demokratie in der Region ist, bedeutet dieses Wahlergebnis, dass die Israelis keinen Ausgleich mit den Palästinensern wollen.
Samstag, 29. November 2014
Zweidrittelmehrheit
Situation der Presse vor dem "Anschluss":
Von den hundertvierundsiebzig Redakteuren in den Wiener Tageszeitungen waren damals hundertdreiundzwanzig Juden. (Helmut Sündermann „Die Grenzen fallen", München 1939). In der „Neuen Freien Presse" waren von vierundvierzig Redakteuren achtunddreißig Juden, im „Neuen Wiener Tagblatt" entsprachen von zweiunddreißig Redakteuren nur sechs dem sogenannten Arierparagraphen. Ähnlich waren die Verhältnisse in den beiden anderen großen Wiener Tageszeitungen, „Neues Wiener Journal" und „Der Tag".
Aus: Milan Dubrovic, Veruntreute Geschichte, Ffm 1987
Laut Karl Poppers Autobiographie sah es auf den Universitäten, zumindest in den sog. geisteswissenschaftlichen Fächern, ähnlich aus. Überrascht auch nicht, weil die deutschsprachigen Eliten aus den "Kronländern" alle nach Restösterreich strömten, sofern sie es konnten.
Man kann daraus vieles erkennen, u. a. auch, welch ein Aderlass das 1938 für Wissenschaft und Kultur war. Popper kritisiert aber auch die mangelnde Zurückhaltung bei der Zurschaustellung dieser "Übermacht".
Inzwischen ist die reconquista dieser Verhältnisse bei den Zeitungen schon wieder weit gediehen, zumindest bei STANDARD und WienerZeitung; bei ersterem schlägt es sich wenigstens in der Qualität nieder.
Von den hundertvierundsiebzig Redakteuren in den Wiener Tageszeitungen waren damals hundertdreiundzwanzig Juden. (Helmut Sündermann „Die Grenzen fallen", München 1939). In der „Neuen Freien Presse" waren von vierundvierzig Redakteuren achtunddreißig Juden, im „Neuen Wiener Tagblatt" entsprachen von zweiunddreißig Redakteuren nur sechs dem sogenannten Arierparagraphen. Ähnlich waren die Verhältnisse in den beiden anderen großen Wiener Tageszeitungen, „Neues Wiener Journal" und „Der Tag".
Aus: Milan Dubrovic, Veruntreute Geschichte, Ffm 1987
Laut Karl Poppers Autobiographie sah es auf den Universitäten, zumindest in den sog. geisteswissenschaftlichen Fächern, ähnlich aus. Überrascht auch nicht, weil die deutschsprachigen Eliten aus den "Kronländern" alle nach Restösterreich strömten, sofern sie es konnten.
Man kann daraus vieles erkennen, u. a. auch, welch ein Aderlass das 1938 für Wissenschaft und Kultur war. Popper kritisiert aber auch die mangelnde Zurückhaltung bei der Zurschaustellung dieser "Übermacht".
Inzwischen ist die reconquista dieser Verhältnisse bei den Zeitungen schon wieder weit gediehen, zumindest bei STANDARD und WienerZeitung; bei ersterem schlägt es sich wenigstens in der Qualität nieder.
Sonntag, 16. November 2014
Der echte jüdische Witz
Aus Jan Meyerowitz, Der echte jüdische Witz (Berlin 1971)
"Und wer wird die apologetische Begeisterung so weit treiben und nun behaupten, daß die Juden nicht nur keineswegs die Monstren sind, als die der Haß sie beschrieben hat, sondern daß sie gänzlich engelrein sind. Sie haben das Recht, unrecht zu tun wie alle Menschen, wenn man sich so ausdrücken darf. "
Aha. Nachtigall, ick hör dir trapsen.
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Bin kein Experte in der Materie, aber einige der - sehr gut "erzählten" - Witze habe ich noch nicht gekannt.
"Und wer wird die apologetische Begeisterung so weit treiben und nun behaupten, daß die Juden nicht nur keineswegs die Monstren sind, als die der Haß sie beschrieben hat, sondern daß sie gänzlich engelrein sind. Sie haben das Recht, unrecht zu tun wie alle Menschen, wenn man sich so ausdrücken darf. "
Ohne Zweifel, aber das Problem ist ja, dass man sie dafür nicht kritisieren darf.
....
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Die Juden fühlen sich in Amerika so wohl, "daß vor kurzem einige Rabbiner ganz offiziell warnten, daß das Verschwinden des Antisemitismus der Erhaltung des Judentums, seiner Religion und seinem Stammeszusammenhang gefährlich sei." Aha. Nachtigall, ick hör dir trapsen.
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Bin kein Experte in der Materie, aber einige der - sehr gut "erzählten" - Witze habe ich noch nicht gekannt.
All nationalism or racialism is evil
Aus Karl Poppers Autobiographie "Unended Quest":
"...it is understandable that people who were despised for their racial origin should react by saying that they were proud of it. But racial pride is not only stupid but wrong, even if provoked by racial hatred. All nationalism or racialism is evil, and Jewish nationalism is no exception.
I believe that before the First World War Austria, and even Germany, treated the Jews quite well. They were given almost all rights, although there were some barriers established by tradition, especially in the army. In a perfect society, no doubt, they would have been treated in every respect as equals. But like all societies this was far from perfect: although Jews, and people of Jewish origin, were equal before the law, they were not treated as equals in every respect. Yet I believe that the Jews were treated as well as one could reasonably expect..."
Und betreffend den starken Zustrom in Wien infolge des Zusammenbruchs der Monarchie:
"...the reprehensive resistance to strangers (an attitude, it seems, which ist alsmost universal) was shared by many of the families oj Jewish origin"
In der Folge beschreibt Popper dann (leider zu umfangreich, um es hier einzufügen) noch die Situation der Juden in der Zwischenkriegszeit vor seiner Emigration nach England bzw. Neuseeland. Was dabei auffällt, ist seine distanzierte Einstellung zum Verhalten der tonangebenden Juden in Politik und Medien. Seiner Meinung nach wäre etwas mehr Zurückhaltung klüger gewesen, um den Rechten nicht in die Hände zu spielen (mein summary).
Das darf wohl auch nur ein K. Popper so sagen und es ist die Frage, ob er es sich heute noch trauen würde zu schreiben; das Buch ist erstmals 1974 erschienen.
"...it is understandable that people who were despised for their racial origin should react by saying that they were proud of it. But racial pride is not only stupid but wrong, even if provoked by racial hatred. All nationalism or racialism is evil, and Jewish nationalism is no exception.
I believe that before the First World War Austria, and even Germany, treated the Jews quite well. They were given almost all rights, although there were some barriers established by tradition, especially in the army. In a perfect society, no doubt, they would have been treated in every respect as equals. But like all societies this was far from perfect: although Jews, and people of Jewish origin, were equal before the law, they were not treated as equals in every respect. Yet I believe that the Jews were treated as well as one could reasonably expect..."
Und betreffend den starken Zustrom in Wien infolge des Zusammenbruchs der Monarchie:
"...the reprehensive resistance to strangers (an attitude, it seems, which ist alsmost universal) was shared by many of the families oj Jewish origin"
In der Folge beschreibt Popper dann (leider zu umfangreich, um es hier einzufügen) noch die Situation der Juden in der Zwischenkriegszeit vor seiner Emigration nach England bzw. Neuseeland. Was dabei auffällt, ist seine distanzierte Einstellung zum Verhalten der tonangebenden Juden in Politik und Medien. Seiner Meinung nach wäre etwas mehr Zurückhaltung klüger gewesen, um den Rechten nicht in die Hände zu spielen (mein summary).
Das darf wohl auch nur ein K. Popper so sagen und es ist die Frage, ob er es sich heute noch trauen würde zu schreiben; das Buch ist erstmals 1974 erschienen.
Samstag, 11. Oktober 2014
Herz-Kestranek
2 Zitate aus dem Buch "Mit Éjzes bin ich versehen" von Miguel Herz-Kestranek:
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"Spontan einen Kommentar
abzugeben, nur weil es Juden sind, die etwas tun oder lassen, scheint überhaupt fast
so etwas wie ein österreichischer und hier wiederum speziell wienerischer Reflex zu sein, dem aber nicht nur jene
ambivalente Wiener Spielart des Antisemitismus zugrunde zu liegen scheint,
die von der Modeschmockerei bis zur
entmenschten Mörderfratze reicht.
So habe seine Frau, wie Milan weiter erzählte, als sie auf einer gemeinsamen Israel-Reise eines Morgens aus
dem Hotelfenster aufs Meer
hinausblickte, plötzlich ungläubig staunend ausgerufen:
»Also die Juden - um sechs Uhr früh schwimmen die schon?«"
Aber wenn man sie nicht als etwas Besonderes bemerkt, ist es ihnen auch nicht recht.
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Mittwoch, 27. August 2014
Der ewige Jude
Weil mich der leichtfertige und missbräuchliche Umgang mit dem Schlagwort "Antisemitismus" in den Medien (WZ, ORF etc.) über die Maßen ärgert, lese ich momentan das Buch "Der ewige Jude" von Hellmut Andics über die "Geschichte des Antisemitismus", ein Buch aus dem Jahre 1965, das bei mir schon lange im Regal schlummerte...
Ein bemerkenswertes sachliches und unparteiisches Buch, das in dieser Form wahrscheinlich heute gar nicht mehr geschrieben und verlegt werden könnte. Allein der Satz: "Das Judentum, das nach den bitteren Erfahrungen der Hitlerzeit überall Antisemitismus witterte, ging von der Forderung nach Gleichberechtigung zur Forderung nach Bevorrechtung über" würde heute schon unter Antisemitismus eingereiht. Dabei ist genau das die Problematik: Wenn es auch noch so berechtigt und verständlich ist - es funktioniert auf Dauer in der Gesellschaft einfach nicht und facht nur die Glut immer wieder auf's neue an. Dass in diesem Buch auch die Ursachen auf jüdischer Seite nicht verschwiegen, aber, wo notwendig, relativiert werden, macht es so glaubwürdig. Auch das ist heute nicht mehr möglich.
"Schon die nüchterne Darstellung der Fakten [der Nazi-Greuel] gerät in den Verdacht, eine Pardonierung zu sein. Wer die Judenfeindschaft nicht ungeprüft als Ungeist verdammt, sondern nach Erklärungen sucht, kommt sehr schnell in den Geruch, selbst Antisemit zu sein. Um die Wiederholung der KZ-Greuel für alle Zeiten zu verhindern, scheint jedes Mittel geeignet, vor allem Schweigen. Dass diese Methode nicht zum Erfolg führt, zeigt das Wiedererwachen des Antisemitismus schon wenige Jahre nach dem Ende des 2. Weltkrieges."
Ein Beispiel für die Objektivierung mancher gängiger Vorurteile bietet folgende Text-Passage:
"Um die Jahrhundertwende [1800/1900] befanden sich sämtliche Wiener Großbanken und 76 Prozent der österreichischen Industrie in jüdischem Besitz. Weil Wien solcherart der stärkste wirtschaftliche Stützpunkt des Judentums in Europa war, wurde es auch zum stärksten Ausgangspunkt des Antisemitismus. In dieser Atmosphäre formte sich der arbeitslose Adolf Hitler sein Weltbild."
Also ist es nicht die der "Österreichischen Seele" innewohnende Niederträchtigkeit, wie die sich links gebende Journailleria und einige darin eingebettete Wissenschaftler uns glauben machen wollen.
__________________________________________________________________
Hier noch eine Passage über Adolf Eichmann:
"Das System wurde durch Adolf Eichmann repräsentiert. Es wäre jedoch irrig, sich diesen Mann als eine Bestie in Menschengestalt vorzustellen. Adolf Eichmann wurde zur Personifikation einer Maschinerie, und stellvertretend für diese Maschinerie wurde er in Israel vor Gericht gestellt und justifiziert. Um einen derartigen Mechanismus der Massentötung in Betrieb zu setzen, mußten zahlreiche Räder ineinandergreifen. Eichmann war eines davon; als die Maschinerie abgeurteilt wurde, standen die übrigen - Hitler, Himmler, Heydrich, Gestapo-Müller und Kripo-Nebe - nicht mehr zur Verfügung. Nur Eichmann blieb übrig als Repräsentant eines Kollektivs.
Die Maschinerie konnte nur in einem System funktionieren, das das Einzelwesen zum absoluten Nullwert degradierte. In einem solchen System ist der nächste logische Schritt die Erkenntnis, daß das Leben nur dann von Wert sei, wenn es dem Staate diene, und daß daher „unwertes“ Leben ausgeschaltet werden müsse. Diese Ausschaltung begann im Staat des Nationalsozialismus mit dem Befehl zur Euthanasie bei Einzelpersönlichkeiten, zum Beispiel bei unheilbar Geisteskranken, und endete mit der Liquidation ganzer Gruppen von „Reichsfeinden“ - also der Juden.
War ein solches System erst einmal grundsätzlich konstituiert, dann benötigte es nicht mehr den herkömmlichen Typ des Verbrechers als Massenmörder, sondern konnte sich mit dem Verwaltungsbeamten als Exekutor begnügen. Es zeigte sich auch prompt in zahlreichen Fällen, daß die KZ-Bestie ein durchaus bürgerlicher Mensch war. Neben den brutalen Gewaltmenschen, bei denen die sich bietende legale Gelegenheit die Bestie zum Durchbruch kommen ließ, gab es ebenso Männer, die die seelische Beanspruchung durch das System nicht durchhielten."
Ein bemerkenswertes sachliches und unparteiisches Buch, das in dieser Form wahrscheinlich heute gar nicht mehr geschrieben und verlegt werden könnte. Allein der Satz: "Das Judentum, das nach den bitteren Erfahrungen der Hitlerzeit überall Antisemitismus witterte, ging von der Forderung nach Gleichberechtigung zur Forderung nach Bevorrechtung über" würde heute schon unter Antisemitismus eingereiht. Dabei ist genau das die Problematik: Wenn es auch noch so berechtigt und verständlich ist - es funktioniert auf Dauer in der Gesellschaft einfach nicht und facht nur die Glut immer wieder auf's neue an. Dass in diesem Buch auch die Ursachen auf jüdischer Seite nicht verschwiegen, aber, wo notwendig, relativiert werden, macht es so glaubwürdig. Auch das ist heute nicht mehr möglich.
"Schon die nüchterne Darstellung der Fakten [der Nazi-Greuel] gerät in den Verdacht, eine Pardonierung zu sein. Wer die Judenfeindschaft nicht ungeprüft als Ungeist verdammt, sondern nach Erklärungen sucht, kommt sehr schnell in den Geruch, selbst Antisemit zu sein. Um die Wiederholung der KZ-Greuel für alle Zeiten zu verhindern, scheint jedes Mittel geeignet, vor allem Schweigen. Dass diese Methode nicht zum Erfolg führt, zeigt das Wiedererwachen des Antisemitismus schon wenige Jahre nach dem Ende des 2. Weltkrieges."
"Das Image des Juden in der Zeit nach 1945 bekam neue
Konturen. Der Jude wurde zum Repräsentanten des Siegers und in noch stärkerem
Maße als nach 1918 zum Nutznießer des allgemeinen Elends. Die Beherrscher des
schwarzen Marktes kamen aus den Flüchtlingslagern. Während die Bevölkerung
hungerte, kam aus den Lagern eine Flut von Lebensmitteln.
Die Behörden, die sich in Deutschland und ebenso in Österreich neu etablierten, versuchten ihre noch taufrische demokratische und
humanitäre Grundhaltung durch eine mehr oder minder umfangreiche
Wiedergutmachung an den Juden zu beweisen. Das alles war eigentlich
folgerichtig; aber in der verhängnisvollen Geschichte des Antisemitismus ist
immer alles logisch und selbstverständlich, was dann zuletzt doch nur dazu
führte, daß die Judenfeindschaft aufflackert. Hunderttausende Kriegsversehrte
mußten sich mit kleinen Renten zufriedengeben, Millionen Bombengeschädigte
warteten jahrelang vergeblich auf irgendwelche Entschädigungen, Besatzungsopfer
konnten keinen Ersatz für Plünderungen, Demontagen, Beschlagnahmen erhalten.
Nur die Juden bekamen Geld. Viel Geld.
Dem kleinen Geschäft auf dem schwarzen Markt folgte sehr
bald das große Schiebergeschäft. Jetzt kamen die Sardinen waggonweise, die
Zigaretten in Wagenladungen, das Mehl zu Tonnen. Daß eine Zeit des allgemeinen
Hungers die Großschieber auf den Plan rufen mußte, war klar. Daß die Juden in
dieses Geschäft einstiegen - einzelne Juden, versteht sich, aber für die
anderen waren es eben „die Juden" -, ist ebenso erklärlich: Die Juden
hatten als die klassischen Opfer des NS-Regimes von vornherein bei den
Alliierten offene Türen; und die alliierten Kontakte waren nötig, um die großen
Coups zu landen. Ihre Partner waren oft die Umerzieher in alliierter Uniform
selbst. Und diese hatten auch keine Bedenken."Ein Beispiel für die Objektivierung mancher gängiger Vorurteile bietet folgende Text-Passage:
"Um die Jahrhundertwende [1800/1900] befanden sich sämtliche Wiener Großbanken und 76 Prozent der österreichischen Industrie in jüdischem Besitz. Weil Wien solcherart der stärkste wirtschaftliche Stützpunkt des Judentums in Europa war, wurde es auch zum stärksten Ausgangspunkt des Antisemitismus. In dieser Atmosphäre formte sich der arbeitslose Adolf Hitler sein Weltbild."
Also ist es nicht die der "Österreichischen Seele" innewohnende Niederträchtigkeit, wie die sich links gebende Journailleria und einige darin eingebettete Wissenschaftler uns glauben machen wollen.
__________________________________________________________________
Hier noch eine Passage über Adolf Eichmann:
"Das System wurde durch Adolf Eichmann repräsentiert. Es wäre jedoch irrig, sich diesen Mann als eine Bestie in Menschengestalt vorzustellen. Adolf Eichmann wurde zur Personifikation einer Maschinerie, und stellvertretend für diese Maschinerie wurde er in Israel vor Gericht gestellt und justifiziert. Um einen derartigen Mechanismus der Massentötung in Betrieb zu setzen, mußten zahlreiche Räder ineinandergreifen. Eichmann war eines davon; als die Maschinerie abgeurteilt wurde, standen die übrigen - Hitler, Himmler, Heydrich, Gestapo-Müller und Kripo-Nebe - nicht mehr zur Verfügung. Nur Eichmann blieb übrig als Repräsentant eines Kollektivs.
Die Maschinerie konnte nur in einem System funktionieren, das das Einzelwesen zum absoluten Nullwert degradierte. In einem solchen System ist der nächste logische Schritt die Erkenntnis, daß das Leben nur dann von Wert sei, wenn es dem Staate diene, und daß daher „unwertes“ Leben ausgeschaltet werden müsse. Diese Ausschaltung begann im Staat des Nationalsozialismus mit dem Befehl zur Euthanasie bei Einzelpersönlichkeiten, zum Beispiel bei unheilbar Geisteskranken, und endete mit der Liquidation ganzer Gruppen von „Reichsfeinden“ - also der Juden.
War ein solches System erst einmal grundsätzlich konstituiert, dann benötigte es nicht mehr den herkömmlichen Typ des Verbrechers als Massenmörder, sondern konnte sich mit dem Verwaltungsbeamten als Exekutor begnügen. Es zeigte sich auch prompt in zahlreichen Fällen, daß die KZ-Bestie ein durchaus bürgerlicher Mensch war. Neben den brutalen Gewaltmenschen, bei denen die sich bietende legale Gelegenheit die Bestie zum Durchbruch kommen ließ, gab es ebenso Männer, die die seelische Beanspruchung durch das System nicht durchhielten."
Samstag, 8. Februar 2014
3 Bücher zum Thema ...
...Antisemitismus:
- H. Andics, Der ewige Jude
- N.G. Finkelstein, Die Holocaust-Industrie
- V. Klemperer, Tagebücher
Für die automatischen oder humanen Ausspäher, alle ja gleichermaßen schlichten Gemütes: Keines der Bücher ist antisemitisch, schon gar nicht - trotz des Titels - Nr.1; sein Untertitel lautet: "Ursachen und Geschichte des Antisemitismus.
Nr. 2 ist natürlich suspekt, weil von den Juden selber verpönt und verfemt.
So hoffe ich, der Sache etwas näher zu kommen, obwohl ja blinde Gefolgschaft nützlicher wäre.
Zu Nr. 2 ein Text aus Ernst Hofbauer, Das war der Schilling:
"Ob sich das menschenverachtende Unrecht der Nationalsozialisten
mit einem Scheck beheben läßt, und daß in erster Linie Anwälte da-
von profitieren, steht auf einem anderen Blatt. Längst schon durchstö-
bern österreichische Versicherungsunternehmer ihre Archive und ver-
lieren dabei angesichts der schwierigen Sachlage den Überblick: Ver-
schwundene Dokumente, schon vor Jahrzehnten liquidierte oder ver-
äußerte Unternehmen, nicht mehr bediente Versicherungsprämien und
strittige Verjährungsfristen.
Obwohl bei der Versicherungsgesellschaft Austria Collegialität kei-
ne Klagen eingelangt sind, wurde in alten Papieren gewühlt; um po-
tentiellen Anspruchsberechtigten seriöse Auskünfte und Abstandszah-
lungen zu geben. Die Rechtsnachfolgerin der 1936 in Konkurs gegan-
genen Phönix-Versicherung fand nur sechs Polizzen, bei denen die
Versicherungssumme nie ausbezahlt wurde und wo ein Anspruch gel-
tend gemacht werden konnte. Insgesamt zahlte die Austria Collegia-
lität rund 25 000 Schilling. Selbst dazu war sie nicht verpflichtet, weil
die Ansprüche aus Lebensversicherungen nach fünf Jahren ab Fällig-
keit verjähren und keine wie immer gearteten Ansprüche mehr gege-
ben sind.“
Die Nutznießer jüdischer Schicksale im Dritten Reich, Banken wie
Versicherungsgesellschaften, bekennen sich zu ihrer moralisch-ethi-
schen Verantwortung für das dunkelste Kapitel ihrer Geschichte, ver-
weisen aber auch darauf, daß sie mit den teilweise namensgleichen In-
stituten der N azi-Zeit nicht mehr ident sind.
Die US-Versicherungsaufsicht wirft österreichischen Versiche-
rungsgesellschaften vor, müden Gewissens keinerlei Interesse an ko-
operativen Verhandlungen zu zeigen. „Die wichtigen europäischen
Versicherungsgesellschaften, die auch in den USA tätig sind, verhan-
deln, nur die österreichischen tun es nicht“, klagt Audrey Samers von
der US-Versicherungsaufsicht.
Der Druck amerikanischer Politiker, jüdischer Organisationen und
Anwälte auf österreichische Banken und Versicherungen wird gewiß
nicht nachlassen. Die wahren Ansprüche der Holocaust-Überlebenden
und ihrer Erben sind deutlich geringer, als es die milliardenschweren
Klagen in den USA suggerieren. Dennoch wird man als Zeichen der
Reue zahlen müssen, nicht bloß schlechten Gewissens wegen, son-
dern um sich freizukaufen vom Vorwurf des Fehlverhaltens unter mo-
ralischem und wirtschaftlichem Druck."
Zu Nr. 2 ein Text aus Ernst Hofbauer, Das war der Schilling:
"Ob sich das menschenverachtende Unrecht der Nationalsozialisten
mit einem Scheck beheben läßt, und daß in erster Linie Anwälte da-
von profitieren, steht auf einem anderen Blatt. Längst schon durchstö-
bern österreichische Versicherungsunternehmer ihre Archive und ver-
lieren dabei angesichts der schwierigen Sachlage den Überblick: Ver-
schwundene Dokumente, schon vor Jahrzehnten liquidierte oder ver-
äußerte Unternehmen, nicht mehr bediente Versicherungsprämien und
strittige Verjährungsfristen.
Obwohl bei der Versicherungsgesellschaft Austria Collegialität kei-
ne Klagen eingelangt sind, wurde in alten Papieren gewühlt; um po-
tentiellen Anspruchsberechtigten seriöse Auskünfte und Abstandszah-
lungen zu geben. Die Rechtsnachfolgerin der 1936 in Konkurs gegan-
genen Phönix-Versicherung fand nur sechs Polizzen, bei denen die
Versicherungssumme nie ausbezahlt wurde und wo ein Anspruch gel-
tend gemacht werden konnte. Insgesamt zahlte die Austria Collegia-
lität rund 25 000 Schilling. Selbst dazu war sie nicht verpflichtet, weil
die Ansprüche aus Lebensversicherungen nach fünf Jahren ab Fällig-
keit verjähren und keine wie immer gearteten Ansprüche mehr gege-
ben sind.“
Die Nutznießer jüdischer Schicksale im Dritten Reich, Banken wie
Versicherungsgesellschaften, bekennen sich zu ihrer moralisch-ethi-
schen Verantwortung für das dunkelste Kapitel ihrer Geschichte, ver-
weisen aber auch darauf, daß sie mit den teilweise namensgleichen In-
stituten der N azi-Zeit nicht mehr ident sind.
Die US-Versicherungsaufsicht wirft österreichischen Versiche-
rungsgesellschaften vor, müden Gewissens keinerlei Interesse an ko-
operativen Verhandlungen zu zeigen. „Die wichtigen europäischen
Versicherungsgesellschaften, die auch in den USA tätig sind, verhan-
deln, nur die österreichischen tun es nicht“, klagt Audrey Samers von
der US-Versicherungsaufsicht.
Der Druck amerikanischer Politiker, jüdischer Organisationen und
Anwälte auf österreichische Banken und Versicherungen wird gewiß
nicht nachlassen. Die wahren Ansprüche der Holocaust-Überlebenden
und ihrer Erben sind deutlich geringer, als es die milliardenschweren
Klagen in den USA suggerieren. Dennoch wird man als Zeichen der
Reue zahlen müssen, nicht bloß schlechten Gewissens wegen, son-
dern um sich freizukaufen vom Vorwurf des Fehlverhaltens unter mo-
ralischem und wirtschaftlichem Druck."
Donnerstag, 20. Juni 2013
Hitlers Edeljude
Habe gerade das Buch "Hitlers Edeljude" (Ed. Bloch) von B. Hamann gelesen. Wieder sehr beeindruckend, aber auch verstörend: Ohne jeden tendenziösen Subtext beschreibt sie detailliert und akribisch die empörenden Vorgänge rund um den 38-er-Anschluß am Beispiel Linz. Die Ereignisse sprechen ja für sich. Unglaublich, mit welcher Niedertracht und Gemeinheit sich die Nazis alles unter den Nagel rissen, ganz abgesehen von den unzähligen übrigen Grausamkeiten, an denen sich allzuviele - aber nicht alle! - beteiligten.
Gleichzeitig lese ich auch "Unsentimentale Reise" von Albert Drach, ein Bericht über seine Zeit als Flüchtling im Vichy-Südfrankreich. Auch dort war Edelmut Mangelware - aber das hören die Franzosen heute gar nicht gerne. Vor Jahren las ich auch das entsprechende Buch von Lion Feuchtwanger.
Das alles beweist nur, dass sich das Böse nicht geographisch oder ethnisch festmachen läßt, sondern die Grenze zwischen Gut und Böse in einer anderen Dimension verläuft, die für die meisten Meinungsmacher nicht faßbar ist. Ich gebe zu, die Differenzierung ist schwierig. Umso mehr erstaunt es mich, dass sprachlich so begnadete Künstler wie Thomas Bernhard derart in Pauschal-Urteilen schwelgen. Aber vielleicht erklärt das sogar seinen Erfolg. Mir hat es den Zugang zu ihm verbaut.
Gleichzeitig lese ich auch "Unsentimentale Reise" von Albert Drach, ein Bericht über seine Zeit als Flüchtling im Vichy-Südfrankreich. Auch dort war Edelmut Mangelware - aber das hören die Franzosen heute gar nicht gerne. Vor Jahren las ich auch das entsprechende Buch von Lion Feuchtwanger.
Das alles beweist nur, dass sich das Böse nicht geographisch oder ethnisch festmachen läßt, sondern die Grenze zwischen Gut und Böse in einer anderen Dimension verläuft, die für die meisten Meinungsmacher nicht faßbar ist. Ich gebe zu, die Differenzierung ist schwierig. Umso mehr erstaunt es mich, dass sprachlich so begnadete Künstler wie Thomas Bernhard derart in Pauschal-Urteilen schwelgen. Aber vielleicht erklärt das sogar seinen Erfolg. Mir hat es den Zugang zu ihm verbaut.
Donnerstag, 23. Mai 2013
Wagners Antisemitismus
Wagner 200. Geburtstag war für viele Medien Anlaß (oder
Auftrag?), Anti-Antisemitismus-Kampagnen zu fahren; kaum eine Publikation konnte (und wollte) sich dem Thema entziehen, und ganz selten wurde es in sachlicher, unpolemischer Weise behandelt.
Manche Autoren stellen es ja so hin, als wäre Wagner für den Holocaust direkt
verantwortlich, zumindest in dem Sinne, daß er „die tödliche Saat ausgesät“ hätte. Er
war aber schlimmstenfalls ein Saatgutproduzent, einer der vielen zu seiner Zeit; allerdings wurde und wird er durch seine unvergängliche Musik mehr
wahrgenommen als andere, über welche die Geschichte schon längst hinweggegangen
ist.
Mittwoch, 17. April 2013
Reue ist keine Sache lauter Worte...
"Nach dem Holocaust lebt in uns allen ein solches berechtigtes und sakrosanktes Schuldgefühl, daß es uns nicht gelingt, auf eine gelassene und objektive Weise über die Juden zu sprechen, wie wir es ohne weiteres über irgend ein anderes Volk tun.
So sehr auch das Bewußtsein der Schuld tief und unauslöschlich als Mahnung und
Schande der Menschheit erhalten bleiben muß, glaube ich doch, daß zuallererst die Juden selbst kein Interesse an diesem Mangel eines klaren Urteils haben [sollten]. Jedenfalls ist es gerade ein Jude, Hans Weigel, der in seinem Buch "Man kann nicht ruhig darüber reden" auf die Gefahren eines Urteils ohne Unterscheidungskraft aufmerksam gemacht hat. Wir fallen von einem Extrem ins andere.
Gestern hat man die Bücher von Juden verbrannt, heute beeilt man sich, alles zu prämieren, was sie schreiben, auch wenn es eine große Narretei ist; denn wegen der Schuld von gestern ist es heute fast unmöglich, auszusprechen, daß auch ein Jude ein Narr sein kann. Weigel sagt dazu: „Darf man als Jude keine schlechten Eigenschaften haben? Doch, man darf, aber sie dürfen nicht erwähnt werden".
Die Folge davon ist, daß in diesem erzwungenen allgemeinen Jubel auch außerordentliche Persönlichkeiten untergehen und unter ihrem Wert gehandelt werden. Ist es wirklich unmöglich,
den richtigen Ton zu finden und Juden wie alle anderen Menschen mit ihren Tugenden und Fehlern darzustellen? Ein Volk unkritisch oder gar ängstlich zu glorifizieren, bedeutet, es ebenso zu diskriminieren, umso mehr, als das Lob von heute nicht imstande ist, die Qual von gestern wettzumachen, sondern sie vielmehr fortsetzt. Aber wie großes Leid stumm macht, so ist auch die tiefe und aufrichtige Reue keine Sache lauter Worte."
Anacleto Verrecchia, Georg Christoph Lichtenberg
Besser könnte ich meine Einstellung zu diesem Thema nicht formulieren. Die [] sind von mir.
Montag, 14. Januar 2013
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