Posts mit dem Label Oper werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Oper werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 27. Mai 2019

Schwan oder nicht Schwan

Darum verfehlt jeder einseitige, rein naturalistisch interpretierende Ansatz die Ganzheit des Lohengrin-Kosmos. Wenn ein Regisseur oder ein aufgeklärter Theatermann sagt, «der Schwan geht nicht mehr, sowas kann man heutzutage nicht mehr machen» dann ist das Argument nicht etwa klug und historisch taktvoll, sondern banausisch. Der Schwan ging, rein rational, nie: der ist nicht nur im Jahre 1990 ein unglaubliches Wunder, sondern war es auch zu Wagners Lebzeiten und sogar zu denen Heinrichs I. Wagner wollte halt das Wunderbare, das Romantische als Folie für ein differenziertes Liebesdrama und er brauchte das Historisch-Exakte als Folie für eine mythologische Tragödie. Wer also sagt, denkt oder fühlt, den Schwan nicht mehr ertragen zu können, weil der ihm zu opernhaft, zu surreal, zu unwirklich sei der kann in Wahrheit die Lohengrin-Oper nicht ertragen. Und sollte nicht etwa einen Lohengrin ohne Schwan geben, sondern auf diese Oper verzichten. …... Eine Aufführung, die für den Schwan zu schlau zu sein meint, ist in Wahrheit zu kleinmütig fürs Märchen: Die Verwandlung eines Menschen in einen Lindwurm oder in einen Schwan gehört im Siegfried wie im Lohengrin zur Sache.
J. Kaiser - schon 1990. - Aber die Regisseure haben sich seither nicht geändert und die Intendanten kuschen vor dem Feuilleton. 

Montag, 10. Dezember 2018

Die Weiden

Ja, es gab politische Opern, die das Volk aufrüttelten und etwas bewirkten, wie die vom frühen Verdi und von D. Auber. Diese hier (in der Wiener Staatsoper) ist eine arrogant/larmoyante Klage der saturierten linken Eliten über eine ihnen mißliebige Entwicklung, die sie selber angestoßen haben. Aber das können sie nie zugeben, weil ihnen die Selbstbeweihräucherung die Sicht vernebelt.

Dienstag, 28. August 2018

Regietheater bis


Die Regisseure heften sich ihre Buh's an die Brust wie die russischen Generäle ihre Orden. Speziell was das Musiktheater betrifft, so kalkulieren die Intendanten: Diejenigen, welche wegen der Musik kommen, kommen sowieso. Deshalb konzentrieren sie sich auf jene mit anderen Prioritäten. So was nennt man im Business eine klassische Win-win-Situation.
Ich persönlich gehe nicht in die Oper um des intellektuellen Vergnügens willen, sondern sitze oder stehe dort "...mit sinnlichem Interesse und geistiger Aufmerksamkeit" (Th. Mann) . Unbeschreiblich auf die Nerven gehen mir dabei "Regisseure, die nicht eigentlich ein Stück, sondern ihren Kommentar zum Stück inszenieren" (F. Dürrenmatt), auf wienerisch gesagt, mir irgendwas "einidruckn" wollen. 

Veröffentlicht in der WZ vom 7.9.2018:

  Ich stelle mir manchmal vor, was es für einen Aufschrei der Rezensenten-Zunft gäbe , würde man einen Alten Meister in einem Alu-Rahmen präsentieren. Aber es würden sich ganz bestimmt einige finden, die diesen "neuen Zugang" preisen.

Donnerstag, 28. Mai 2015

Rattle-Ring

Nun ist der 1. Durchgang des Ring-Zyklus in der Staatsoper unter Simon Rattle  vorbei und nach ein paar Tagen Abstand bin ich zu dem Schluss gekommen, dass einzelne Leistungen von Dirigent, Sängern und Musikern nicht schlecht,  ja zum Teil hervorragend waren, aber das Gesamtbild irgendwie nicht ganz stimmig war. Rattle ist, glaube ich, kein wirklicher „Theaterkapellmeister“, sondern ein Konzertdirigent. Wirkliche Allrounder wie Karajan, Solti etc. gibt es nur noch selten. Auch Thielemann ragt als „Symphoniker“ ja nicht besonders über das Mittelmaß hinaus.

Im Übrigen ging ich gar nicht davon aus, eine Sternstunde zu erleben. Speziell beim Ring, den ich nun wirklich sehr gut kenne, besteht mein großes Vergnügen darin, die sicher schon hundertemale in technisch mehr oder weniger mangelhafter Wiedergabe gehörte Musik durch ein exzellentes Orchester wieder einmal „live“ zu hören; wenn dabei Sänger und Dirigent nicht allzusehr stören, ist es mir schon recht. In diesem Sinne hatte ich durchaus großen Genuss, habe mich wieder mit der Ring-Musik und -Motiven „vollgesogen“, sodass es mir zum Schluß schon fast zu viel war. – Das große Theatererlebnis war es also sicher nicht, aber das habe ich gar nicht erwartet, das kommt, wenn es kommt, ganz unversehens; ich meine damit den Moment, wenn es einem plötzlich „kalt über den Rücken läuft“. Das gab es manchmal unter Karajan, Stein, Schneider, Thielemann - in der Reihenfolge des Auftretens.

Dienstag, 13. Mai 2014

Opernstories

In einer Kritik über die letzte LOHENGRIN-Inszenierung der Wiener StOp fühlte  sich Hr. Irrgeher von der Wienerzeitung bemüßigt, sich über die "ältliche" Story dieses Werkes zu mokieren. Ich schrieb einen Leserbrief  zu diesem Artikel vom 14.04.2014 ("Blut und Loden"):

"Der Rezensent, etwas milder gestimmt als sein Chef [Edwin Baumgartner, der den Lohengrin wegen Kriegshetze überhaupt verbieten will], empfindet Lohengrin
 als "ältliches Drama", sein Kollege auf derselben Seite findet die
 Story der Arabella "dümmlich" - ich finde solche Äußerungen
 entbehrlich. Schade, dass die wertvollen Premierenkarten an Leute
 vergeben werden, denen das Wesen der Kunstform Oper unzugänglich
 bleibt. Demnächst werden Sie einen Schachsportler ins Stadion schicken,
 von dem wir dann lesen dürfen, wie primitiv die Dramaturgie des
 Fußballspiels ist."

Hr. Irrgeher würdigte mich einer persönlichen Antwort:

 Sehr geehrter Herr Kumpfmüller!

Vielen Dank für Ihren Leserbrief und den lustigen Schach-Vergleich.
 Dennoch möchte ich mich gegen Ihren Vorwurf verwehren, als
 Opernkritiker gewissermaßen qualitätsresistent zu sein. Stimmt zwar -
 ich finde an der Handlung des "Lohengrin" manches ältlich-pathetisch,
 ich verstehe es deshalb auch prinzipiell, dass ein Regisseur versucht,
 diese Geschichte in eine neue, heute nachvollziehbare Form zu bringen.
 Und, zugegeben: Die kriegstreibenden (König) und kadavergehorsamen Töne
 (Chor) im Libretto (Heinrich Mann hat diesen Aspekt in seinem
 "Untertan" mit beißendem Witz kritisiert) freuen mich auch nicht sehr.
 Nichtsdestotrotz -  ich halte den "Lohengrin" sehr wohl für ein
 großartiges, für ein überwältigendes Stück Musiktheater. Auch auf die
 Gefahr hin, mit diesem Satz nun wiederum gönnerhaft zu wirken und Eulen
 in eine Welt zu tragen, die Wagners Meisterwerk seit Generationen
 verehrt: Gesagt haben wollte ich Ihnen das schon.

 Mit lieben Grüßen,
 Christoph Irrgeher

Habe lange überlegt, ob ich antworten soll:

"Sehr geehrter Hr. Irrgeher!
Vielen Dank für Ihre Antwort. Zugegeben, gänzlich irrelevant ist die story einer Oper nicht, wie Webers Euryanthe zeigt, andererseits haben Verdis Trovatore und Forza überlebt. Ich gebe aber auch zu, dass ich nicht in die Oper um des intellektuellen Vergnügens wegen gehe, sondern "...mit sinnlichem Interesse und geistiger Aufmerksamkeit" (THOMAS Mann) dort sitze oder stehe. Unbeschreiblich auf den Nerv gehen mir jene Inszenatoren, die mir, der ich gottseidank nicht gehörlos bin, mit Gebärdensprache den Inhalt des Theaterstücks erläutern wollen. Es ist doch alles in der Musik! Es gibt eine Unfähigkeit und auch Unwilligkeit, Märchen unerklärt zu lassen....."

....bin dann aber nicht weitergekommen und habe es sein lassen, ist ja zwecklos.

Dazu ein interessanter Artikel:
http://www.fachverband-kulturmanagement.org/wp-content/uploads/2012/10/ErwartungenAnDenOpernbesuchUndBevorzugteInszenierungsstile.pdf

Dienstag, 5. Februar 2013

La Cenerentola


Gestern abend die neue Cenerentola in der Staatsoper.  
Eine Enttäuschung, eine halblustige Angelegenheit, kein Spass, eher ein Witz. Hat mich an zerkochte Spaghetti erinnert, wie ich sie in „Sven-Eric-Land“ des öfteren konsumieren musste. Und dann die überlangen Umbau-Pausen für ein derart armseliges und primitives Bühnenbild; war wohl wegen der Autos. Wahrlich ein Supergag!
Die Sängerleistungen durchmischt, der Tenor war m. E. nicht schlecht, aber die Angelina in meinen Augen katastrophal unterbesetzt. Nebenrollen z.T. ganz gut. Der Dirigent hat sich die die Buhrufe nicht verdient, den Applaus allerdings auch nicht.
Vor ein paar Jahren habe ich die C. in der Volksoper gesehen: Natürlich hatten Sänger und Musiker dort nicht die „Qualität“ wie in der StOp, aber das Publikum hat sich amüsiert. An die C. im Theater an der Wien vor vielen Jahren darf ich gar nicht denken – damals hat meine Liebe zu dieser Oper begonnen.
-------
Nicht nur am Burgtheater hat der Nordsprech Einzug gehalten, die Staatsoper kommt dem Castrop-Rauxel-Niveau immer näher.

Für die Salzburger Cosi ist das Schlimmste zu befürchten. Der gute S.E. Bechtolf ist ein sorgfältiger Arbeiter, aber er hat keine Phantasie, oder vielleicht besser eine an die Ratio gefesselte Phantasie. Er sollte beim schweren deutschen Fach bleiben!

Montag, 1. August 2011

Frau ohne Schatten Salzburg

Eine Äußerung von Thielemann, die mich verwundert: "Lesen Sie die Programm-Einführung, dann verstehen Sie die Regie"! - Welch Armutszeugnis des Regietheaters!

Ist ihm überhaupt klar, daß ihn der tolle Regisseur insgeheim in die Rolle des "belasteten" Karl Böhm gesteckt hat, der hat nämlich die damalige Aufnahme geleitet - aber im Konzerthaus! Aber die Sofiensäle waren natürlich für das Anliegen viel besser geeignet, wurden doch dort die Juden für die Transporte gesammelt. Traurig genug, aber was hat das mit der Oper und der aktuellen Aufführung zu tun?
---
Im übrigen ist es ja schon so: Ein Regisseur, der keinen Buhorkan erntet, hat in den Augen der Kritik und daher auch in seinen eigenen etwas falsch gemacht.

"Die gewissen Schwierigkeiten mit dem Stoff, stupide Versuche, zu deuten und herumzurätseln, wo alles einfach Bild und Märchen ist, auf das alles bin ich gefasst. Das geht vorüber, und was bleiben soll, bleibt.2 
(Hofmannsthal an Strauss, 18. September 1919)

Donnerstag, 17. Juni 2010

Buhorkan für Regie im neuen Wiener Tannhäuser

Was besseres als ein Buhorkan in einem Wiener Theater kann einem deutschen Regietheatermacher ja gar nicht passieren: Man muß bedenken, daß er sich ja nach einem echten Erfolg beim hiesigen Publikum dann in Deutschland nicht mehr blicken lassen könnte. Je näher dem Skandal, desto höher der Marktwert.
Und der gewiefte Musikttheaterdirektor Holender kalkuliert so: Diejenigen, die wegen der Musik kommen, kommen sowieso und jenen, die Oper nur  als Psycho-Rebus mit soundtrack oder als intellektuelle Herausforderung geniessen können, muß ja auch etwas geboten werden. Und für seine weiteren Tätigkeiten ist ein geneigtes internationales Feuilleton allemal weitaus nützlicher als ein dankbares Wiener Publikum.
---------------------
Regietheater, das ist, als ob man Alte Meister in einem Alu-Rahmen ausstellt - natürlich in einem Alu-Rahmen, der auf Platin-Optik gebürstet ist, damit die hohen Kosten gerechtfertigt sind.
---------------------
Ich brauche diese verquaste, pseudophilosphische Intellektelei zum „Verständnis“ von Wagner-Opern nicht. Ich gehe nicht aus philosophischen Gründen in die Oper, sondern primär wegen des akustischen und optischen Vergnügens; letzteres gibt es allerdings auch schon immer seltener. Wenn dabei mein Intellekt nicht beleidigt wird, bin ich's schon zufrieden. Ich werde auch diesmal wieder orchesternahe Plätze mit Sichtbehinderung buchen. In diesem konkreten Fall muß ich allerdings darauf achten, daß mir der vor dem Orchester professoral dozierende Franz Welser-Möst nicht die Stimmung ruiniert.
Stimmung? Oweh – jetzt habe ich mich in den Augen der neuen "Opernfreunde" endgültig disqualifiziert.

Donnerstag, 26. Februar 2009

Carmen StOp

Orchester und Dirigent sehr gut.
Carmen hatte Schwierigkeiten mit der Tiefe, Tenor dafür mit der Höhe. Ausgezeichnet Micaela und Escamillo.
Fr. Kasarova ist schauspielerisch keine Kanone - soweit ich das sehen konnte - eh scho wissen.

Habe inzwischen die VHS-Kopie der Kleiber-Aufführung aus 1978 gefunden und auf DVD kopiert; leider ist der Ton teilweise schlecht.

Mittwoch, 16. April 2008

Rosenkavalier 08


Heute abend Rosenkavalier unter D. Runnicles. Ein guter, aber kein großer Abend. Kenne die alte Schenk-Inszenierung schon. W. Bankl solide, aber nicht umwerfend, A. Kirchschlager hervorragend, Jane Archibald als Sophie sang nicht schlecht, war aber nicht zu verstehen, ich dachte schon, sie singt in einer anderen Sprache (beim Schlußduett) - das ist heute schon die Ausnahme.
Die Orchesterbesetzung ganz nach Herrn Resels Idealvorstellung: Außer Frau Balzereit (Harfe) und Frau Plaichinger (Violine) keine Frauen - nun, die Philharmonikerdamen bringt nicht einmal der Hr. Orchesterdirektor mehr weg; ob R. Küchl gestört hat, dass 1,5m hinter seinem rechten Ohr eine Dame gefiedelt hat?
Für die Oboe II hat man ein Weißhaupt (Gesicht bekannt, aber momentan nicht zuordenbar) aus der Versenkung geholt. Bin gespannt, ob HMK noch einmal auftaucht, ihr Vertrag läuft ja bis August, ich glaube es aber nicht, wie soll sie sich da noch einmal hineinsetzen unter die Brüder.....