Man feiert momentan irgendein Jubiläum der Pressefreiheit. Diese ist zweifellos ein hohes Gut, aber wie alles Gute
kann es auch Böses schaffen, wenn es übertrieben wird. Bei uns ist die
Presse so frei, dass dafür die Politiker unfrei geworden sind: Sie
handeln nicht mehr im Interesse ihrer Wähler, sondern arbeiten nur mehr für
eine "Gute Presse". Und manche Presseorgane sind überhaupt so "frei", dass sie diese im Tausch gegen saftige Inseratenaufträge auch promptest liefern.
In autoritären Staaten muss die Presse lügen, in der westlichen "freien" Welt darf sie lügen, was sie auch ausgiebig tut: Natürlich nicht auf die plumpe Art, sondern durch Verschweigen, Weglassen, tendenziöse Präsentation ("der umstrittene ....") - und am liebsten, indem sie die Statistik mißbraucht, welche sich aber bekanntlich eh jedem hingibt. Aus vorliegenden Zahlen kann man alle gewünschten Daten und Fakten generieren - und es ist meistens nicht einmal "gelogen"!
Politische, kulturelle und politische Kommentare ; literarische Kletzen. Motto: Prudenter dubitare!
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Montag, 5. Oktober 2015
Dienstag, 3. März 2015
Statistik
"Geht's uns nämlich noch so mistig,
eins blüht immer, die Statistik".
Fritz Feldner, "Wiener Werkel", 1938
eins blüht immer, die Statistik".
Fritz Feldner, "Wiener Werkel", 1938
Freitag, 17. Januar 2014
Pinot noir und die Statistik-Lüge
"Vor drei Jahren erschien in der Fachzeitschrift «Nature» eine Studie, in der der Reifungsprozess von Pinot-noir-Trauben als Indikator für die Wärme des Klimas verwendet wurde. Der offizielle Beginn der Ernte im Herbst wird nämlich durch die Reife der Trauben bestimmt, die ihrerseits von der Temperatur des vorhergehenden Sommers bestimmt wird. Da die Daten des Erntebeginns im Burgund seit 1370 in den Stadtarchiven registriert werden, könnten sie als Hinweise für die Temperaturentwicklung der vergangenen sechs Jahrhunderte dienen. Eine französische Forschergruppe stellte dazu ein Modell auf. Darin wies das Jahr 2003 die höchste Sommertemperatur seit 600 Jahren auf. Die Schlussfolgerung war klar: Auch im Burgund wird es immer heisser.
Keenan war die Arbeit suspekt, und er wollte den mathematischen Unterbau überprüfen. Dazu benötigte er allerdings die Rohdaten, doch die Autoren waren nicht bereit, sie herauszugeben. Erst nach zwei Reklamationen bei «Nature» rückten sie ihre Unterlagen heraus. Keenan wurde sofort fündig. Die Autoren hatten die Daten ihrer Studie geglättet, Standardfehler und Standardabweichung verwechselt, falsche Parameter benützt, Tagestemperaturen mit Durchschnittstemperaturen verwechselt. Zieht man alle Fehlerquellen in Betracht, so wies das Jahr 2003 zwar eine hohe, aber - bei einer solch langen Zeitreihe - nicht unerwartet hohe Temperatur auf. Dass die Gutachter von «Nature» nichts bemerkt hatten, verwundert nicht, da ihnen das Datenmaterial nie zur Verfügung gestellt worden war und sie es auch nie angefordert hatten. Dabei wäre es ein Leichtes gewesen, den Autoren auf die Schliche zu kommen. Allein schon die Tatsache, dass das Traubenernte-Modell für das Jahr 2003 eine Temperatur ergab, die 2,4 Grad über der tatsächlich von Météo France gemessenen Temperatur lag, hätte die Gutachter stutzig machen sollen."
George Szpiro, NZZ/2007
Keenan war die Arbeit suspekt, und er wollte den mathematischen Unterbau überprüfen. Dazu benötigte er allerdings die Rohdaten, doch die Autoren waren nicht bereit, sie herauszugeben. Erst nach zwei Reklamationen bei «Nature» rückten sie ihre Unterlagen heraus. Keenan wurde sofort fündig. Die Autoren hatten die Daten ihrer Studie geglättet, Standardfehler und Standardabweichung verwechselt, falsche Parameter benützt, Tagestemperaturen mit Durchschnittstemperaturen verwechselt. Zieht man alle Fehlerquellen in Betracht, so wies das Jahr 2003 zwar eine hohe, aber - bei einer solch langen Zeitreihe - nicht unerwartet hohe Temperatur auf. Dass die Gutachter von «Nature» nichts bemerkt hatten, verwundert nicht, da ihnen das Datenmaterial nie zur Verfügung gestellt worden war und sie es auch nie angefordert hatten. Dabei wäre es ein Leichtes gewesen, den Autoren auf die Schliche zu kommen. Allein schon die Tatsache, dass das Traubenernte-Modell für das Jahr 2003 eine Temperatur ergab, die 2,4 Grad über der tatsächlich von Météo France gemessenen Temperatur lag, hätte die Gutachter stutzig machen sollen."
George Szpiro, NZZ/2007
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