Donnerstag, 11. September 2025

Herausforderung


Das, was jeder Mensch unter allen Lebensumständen und allein auf sich gestellt zu bestehen hat, was nicht zu ändern und zu umgehen ist, sind die Grundbedingungen seiner Existenz: er erfährt sich als ein unvollkommen ausgestattetes, widersprüchlich angelegtes Wesen. Seine Lebenszeit ist begrenzt. Es bedrohen ihn Alter und Krankheit, Unglücksfälle und Enttäuschungen. Er scheitert bei der Lösung privater und sozialer Probleme ebenso wie bei dem Versuch, den Dingen auf den Grund zu kommen und weiß letztlich nicht zu sagen, worauf dieses Leben, aus dem er ebenso ungefragt entfernt werden wird, wie er in es hineingeraten ist, eigentlich wurzelt und welchen Sinn es hat. Es sind diese Grund- und Grenzerlebnisse, die die stärkste und beständigste Herausforderung für den Menschen darstellen, und es sind für ihn also jene Fähigkeiten am unerläßlichsten, die es ihm erlauben, diese Herausforderung zu bestehen: Einsicht, Mut, Gelassenheit. Diese Eigenschaften sind schon in der antiken Philosophie in den Rang von Kardinaltugenden erhoben worden. Sie hießen dort: Weisheit, Tapferkeit (im Sinne von Fähigkeit zur Anspannung des Willens) und Besonnenheit (im Sinne von Selbstbeherrschung).

Obgleich uns alle diese Begriffe geläufig sind, muten sie doch fremd und antiquiert an. Wir sind auf andere Tüchtigkeiten eingestellt. <Gelassenheit –Mut - Weisheit> haben weder in der christlichen Ethik noch in der aufgeklärten Fortschrittsmoral einen hohen Stellenwert. Wenn wir jedoch eine Prüfung und Selbstprüfung unterhalb der Zone der gängigen Denk- und Urteilsschemata ansetzen, und fragen, auf welchen Menschen wir Menschen eigentlich hinauswollen, wie wir gerne wären, welche Eigenschaften uns wahrhaft wünschenswert erscheinen, dann stellt sich heraus, daß - wenn auch verschüttet und verdrängt - die überragende Bedeutung der Tugenden, die schon die ersten Philosophen für die erstrebenswertesten hielten, jedermann gegenwärtig ist; weil jedermann irgendwann erfahren hat, daß in den kritischen Situationen des Lebens nichts von dem hilft, was uns gewöhnlich an Gütern und Talenten empfehlenswert zu sein scheint: Besitz, Macht, Wissen, Erfolg, Leistungs- und Fortschrittswille. Im Gegenteil: je mehr wir an diesen Werten hängen, je unkritischer und distanzloser wir uns mit ihnen identifizieren, um so unfähiger werden wir, die nicht hinwegreformier- und nicht hinweg revolutionierbaren Rätsel und Übel der Welt zu sehen, geschweige denn zu überstehen. 

 Aus: G. Szczesny Die Disziplinierung der Demokratie

Montag, 25. August 2025

Führer

"... ein immerhin annehmbares Übereinkommen zwischen Traditionalismus und Futurismus, das uns auf jener Ebene befestigen könnte, wo allein der historisch handelnde Mensch  seinen Platz hat und von wo es nur Abstiege gibt, nach links oder nach rechts."

H. v. Doderer

Leider gibt es bei uns nur mehr ganz selten Politiker, die historisch hinreichend gebildet sind,  um historisch zu handeln, dafür tummeln sich in den "Abstiegen" jede Menge von Leuten, die das Echo in ihrer Blase für Wissen halten.

Ich saß in den späten Sechziger Jahren beim seligen Prof. L. Rosenmayr im Hörsaal zusammen mit später prominent gewordenen Linken (O. Bronner, M. Fischer, G. Hoffmann-Ostenhof e. a.). Ich habe den Verdacht, dass sie nur deshalb  Soziologie studierten, weil der Wortstamm mit Sozialismus gleich ist. Sie haben sich aus den Vorlesungen nur das Thema 'opinion leadership' gemerkt - v. a. der erstere - und das so erfolgeich, dass mittlerweile der ganze Staat dem 

ORFALTERSTANDARD-Meinungs-Syndikat  zu folgen hat.




Freitag, 22. August 2025

Feine Geschichten


 Von Zoe ]enny ( aus DIE PRESSE)

 "...Gestern war wieder der Schriftsteller bei mir, der von seinem paranoiden Verleger an der kurzen Leine gehalten wird. Er saß wie angeschossen mit eingesacktem Oberkörper im Sessel. ,,Es ist vorbei",' sagte er, ,,meine Zunft ist am Ende." Was denn los sei, fragte ich, und er erzählte mir von einer Freundin, deren Tochter im Deutschunterricht ein Gedicht über den Frühling hatte schreiben müssen. Die Tochter habe sich mit ein paar Klassenkameraden abgemüht, um ein halbwegs passables Ergebnis zu präsentieren, während eine andere Gruppe einfach ChatGPT benutzt habe. Das von der KI generierte Gedicht stieß bei dem ahnungslosen Lehrer auf größte Begeisterung, er klatschte in die Hände, sprach von lyrischem Talent und hängte das Gedicht an die Wand.

„Das gab mir zu denken", fuhr der Schriftsteller fort „und ich habe ChatGPT gebeten, eine Geschichte in meinem Stil zu schreiben." Er lehnte sich vor. ,,Dreißig Sekunden, Frau Doktor Grünwald", er streckte drei Finger in die Luft, ,,und die KI spuckte eine feine Geschichte aus. In ein paar Jahren wird sie so gut sein, dass man keinen Unterschied mehr erkennt. Ich bin im Begriff, obsolet zu werden - wie alle Künstler, Schriftsteller und Journalisten. Ein Damoklesschwert hängt über uns, wir werden in der Bedeutungslosigkeit versinken. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis ein Roman einen Literaturpreis erhält und sich dann herausstellt, dass er von einer KI verfasst wurde."


Es ist eh nur mehr eine Frage der Zeit, bis ein KI-Text den Bachmann-Preis gewinnt.

 

Freitag, 25. Juli 2025

Gesichter gibt es.....

 

Mit so einem Gesicht macht man heute Werbung! (BA-CA)

Für wen wurde das Pfand eingeführt?


 Pfand drauf (12.7.25)
"Wem das Pfand hilft?" Diese Frage ist leicht zu beantworten. In erster Linie der Automaten-Industrie, aber ebenso den großen Verbraucherketten, die sich auffällig ruhig verhielten trotz der anfallenden  Rieseninvestitionen! Hatten doch ihre Mathematiker und Statistiker schon längst genau berechnet, was für sie "im Körberl bleibt" durch die nicht retournierten Pfandgebinde. Trotz langem und intensivem Lobbying in Brüssel dauerte es doch noch fast 3 Jahrzehnte, bis man am deutschen Pfand-Wesen zumindest die übrige EU genesen lassen konnte. Der Durchbruch wurde endlich durch eine Allianz mit dem Klimatismus geschafft,  strikt nach dem zeitgenössischem Patent-Rezept: Tue "Gutes" und verdiene daran Unsummen - völlig unanfechtbar und sogar unbehelligt durch die üblichen Verschwörungs-Verdächtiger.
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War ein Leserbrief von mir, der natürlich nicht veröffentlicht wurde. Zu deutlich geht offenbar daraus hervor, dass ich das Ganze für eine Gehorsamkeitsübung zum Klimaschutz halte. So wie die Recycling-Technik heute fortgeschritten ist, könnte man das auch anders regeln.
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Folgendes habe ich vor Jahren in meinem anderen Blog "Piri-Piri" verfasst. 



Mittwoch, 23. Juli 2025

Allgemeiner Fehler 214

 


Dieser Fehler kam oft .... hieß nichts anderes als: LmA!

STANDARDummheit


Eigentlich wollte ich antworten, dass ich die Antworten gerne an SENECA weiterleiten wolle - aber ich ließ es dann bleiben, denn Leute dieses geistigen Kalibers halten Seneca womöglich für einen Fußballer.

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Ironie ist im STANDARD nur gegen rechts gestattet - wahrscheinlich, weil sie nur die verstehen!

 

Sonntag, 6. Juli 2025

Höhergesellschaftliche Moral


Die sozialen Gründe, die gegen den Alkohol sprechen, sind überzeugend. Aber er ist immerhin Tröster in Augenblicken der Zerrüttung und Dumpfheit, ein Helfer über tote Punkte ein Auflockerer der Käsigkeit geronnener Seelen. Vollsinnigen Menschen den Alkohol zu verbieten, scheint Eingriff in ihre Menschenrechte, gegen den sich aller Freiheitsinstinkt auflehnen muß , wie gegen jederlei Erweiterung staatlicher Vormundsbefugnisse. Und es gibt schlimmere Gifte als den Alkohol, die frei sind. Zum Beispiel die Liebe, deren Übung noch nicht einmal mit einer Wollustbarkeitssteuer belegt ist. Aufgabe des Staates kann es nur sein, mich zu hindern, den anderen zugrunde zu richten. Will ich mich selbst zugrunde richten, so geht ihn das nichts an. Er verbietet ja auch seinen Bürgern nicht, sich den Magen oder die Augen zu verderben, in zerrissenen Schuhen durch den Kot zu wandern, in Operettentheatern und an Zeitungslektüre zu verdummen oder sich in die Hörigkeit hysterischer Weiher zu begeben. Tausend Wege führen zum Untergang. Warum gerade der alkoholisch beleuchtete - der immerhin beleuchtet ist - verboten sein soll, ist nicht einzusehen. Schaffen wir dem Menschen Lebensbedingungen, die ihm gestatten, seiner Vernunft bewußt zu werden und die Freude-Möglichkeiten auszuschöpfen, die aus dem Gebrauch der Vernunft erfließen, dann wird er die Hilfe des Alkohols nicht töricht mißbrauchen. Der Arbeiter, der drei Viertel seines Wochenlohnes an einem Abend versoffen hat - höhergesellschaftliche Moral ist über ihn in sittliches Schäumen geraten - ist kein Beweis für die Entartung der Arbeiter, sondern für die Entartung durch Arbeit. Der Mann hat gewiß nicht, - wie Ihr, Schäumende - genug Stunden der Freiheit und des beschaulichen Müßiggangs und der leichten Daseinsführung gehabt, um die besseren Lebensgenüsse schmecken zu lernen. Nichts, was die heutige Generation der Robotenden tut, keine Rohheit, Dummheit, Niedrigkeit, zeugt wider die Robotenden, alles nur wider die Seelenverheerung durch Robot. Es ist borniert, den Gaumen rohen Geschmacks anzuklagen, der gezwungen ward, sich abzustumpfen. 

A. Polgar