Es ist bedauerlich, daß die meisten Leute, die heute Geschichte machen, keine Ahnung von Geschichte haben.
Politische, kulturelle und politische Kommentare ; literarische Kletzen. Motto: Prudenter dubitare!
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Donnerstag, 8. Juni 2023
Mittwoch, 7. August 2019
Respekt vor den Vorfahren?
"Dieser respektvolle Umgang mit dem » anderen« wäre auch von heute aus gegenüber der Geschichte angebracht. Wird in unseren Tagen mit Recht erwartet, dass man ganz fremde Zivilisationen respektiert und nicht in kolonialistischer Mentalität abwertet, so können das mit gleichem Recht die Vorfahren erwarten, die den heutigen Menschen immerhin den Glauben und nebenbei auch den Wohlstand vermittelt haben. Wie wäre es also mit etwas »Nächstenliebe nach gestern«? Solch wertschätzender Respekt ist ein Zeichen für Humanität und mitmenschliche Dankbarkeit, ohne natürlich berechtigte Kritik auszuschließen."M. Lütz
>>>>> https://kumpfuz.blogspot.com/2019/03/ex-ante-ex-post.html
Mittwoch, 17. Juli 2019
Es gibt keine Geschichte
Es gibt keine Geschichte der Menschheit, es gibt nur eine unbegrenzte Anzahl von Geschichten, die alle möglichen Aspekte des menschlichen Lebens betreffen. Und eine von ihnen ist die Geschichte der politischen Macht. Sie wird zur Weltgeschichte erhoben. Aber das ist ein Affront gegen alle Menschlichkeit und Sittlichkeit. Es ist kaum besser, als wenn man die Geschichte der Unterschlagung oder des Raubes oder des Giftmordes zur Geschichte der Menschheit machen wollte. Denn die Geschichte der Machtpolitik ist nichts anderes als die Geschichte der nationalen und internationalen Verbrechen und Massenmorde (einige Versuche zu ihrer Unterdrückung eingeschlossen). Diese Geschichte wird in der Schule gelehrt, und einige der größten Verbrecher werden als ihre Helden gefeiert.
Aber warum wurde gerade die Geschichte der Macht und nicht zum Beispiel die Geschichte der Religion oder der Dichtkunst ausgewählt? Dafür gibt es verschiedene Gründe. Einer dieser Gründe ist, daß die Macht uns alle, die Dichtung aber nur wenige von uns beeinflußt. Ein anderer ist, daß die Menschen geneigt sind, die Macht anzubeten. Aber die Anbetung der Macht ist eine der verächtlichsten Formen der Idolatrie und des Knechtsgeistes. Die Anbetung der Macht ist aus der Furcht geboren: aus einem Gefühl, das wir mit Recht verachten. Ein dritter Grund dafür, daß die Machtpolitik zum Zentrum des Interesses der Geschichtsschreiber wurde, ist, daß die Mächtigen oft den Wunsch hatten, angebetet zu werden, und daß sie die Mittel besaßen, ihre Wünsche durchzusetzen. Viele Historiker schrieben im Auftrag und unter der Aufsicht der Kaiser, der Generäle und der Diktatoren.
K.R. Popper
Freitag, 5. Juni 2015
Artensterben
Ob die Grünen auch das (hierzulande) Aussterben von Wanzen, Flöhen, Schaben etc. bedauern?
Wahrscheinlich schon, denn die meisten von ihnen haben ja keine Vorstellung davon, wie sehr diese "Geschöpfe" früher das Leben erschwerten, vor allem auf Reisen. Und historische Reiseberichte sind ja doch nur alte Hüte. Auch steht das Wort "Ungeziefer" sicher schon auf dem Index.
Wahrscheinlich schon, denn die meisten von ihnen haben ja keine Vorstellung davon, wie sehr diese "Geschöpfe" früher das Leben erschwerten, vor allem auf Reisen. Und historische Reiseberichte sind ja doch nur alte Hüte. Auch steht das Wort "Ungeziefer" sicher schon auf dem Index.
Freitag, 22. Mai 2015
Rathkolb & Co.
"Zeitgeschichtler" wie Oliver Rathkolb erinnern mich an Archäologen, die ihre Grabungsstätte nicht zu dem Zweck ausbeuten, ihre und unsere Kenntniss der Geschichte zu vertiefen, sondern um die Fundstücke möglichst effektiv auf dem nächsten Markt zu verscherbeln. Oder anders ausgedrückt: Die alten Münzen werden in gängige Währung umgewandelt.
Montag, 15. September 2014
Provinzialität der Zeit
Es gibt "eine Provinzialität nicht des Raumes, sondern der Zeit; eine Provinzlerhaftigkeit, für die die Geschichte nichts weiter ist als eine Chronik menschlicher Planungen, die der Reihe nach ihre Schuldigkeit getan haben und dann zum alten Eisen geworfen worden sind; eine Provinzlergesinnung, der zufolge die Welt ausschließlich den Lebenden angehört, während die Toten keinen Anteil an ihr haben. Das Gefährliche an dieser Art Provinzialität besteht darin, dass wir alle zusammen, sämtliche Völker des Erdballs, zu Provinzlern werden können."
(T.S.Eliot)
Es gibt also Provinzler des und Provinzler der Zeit. Die meisten Journalisten gehören zu den letzteren, die meisten Jugendlichen sowieso, aber denen kann man keinen Vorwurf daraus machen. Sie waren zwar schon "überall" auf der Welt, aber ihr Horizont hat sich nicht verändert, d. h. sie bleiben auch Provinzler des Raumes.
https://www.youtube.com/watch?v=YWB2SGgz3vc
(T.S.Eliot)
Es gibt also Provinzler des und Provinzler der Zeit. Die meisten Journalisten gehören zu den letzteren, die meisten Jugendlichen sowieso, aber denen kann man keinen Vorwurf daraus machen. Sie waren zwar schon "überall" auf der Welt, aber ihr Horizont hat sich nicht verändert, d. h. sie bleiben auch Provinzler des Raumes.
https://www.youtube.com/watch?v=YWB2SGgz3vc
Dienstag, 18. Dezember 2012
Maßstäbe der Gegenwart
"Wer die Vergangenheit an den Maßstäben der Gegenwart mißt, zeigt nur seinen Mangel an historischem Sinn. Es ist ohnehin unfair genug, ... daß immer nur die Gegenwart die Geschichte der Vergangenheit schreiben kann und niemals die Vergangenheit die heutige Geschichte"
Sebastian Haffner, Preußen.
Sebastian Haffner, Preußen.
Mittwoch, 5. Dezember 2012
Bias
Ich stöbere gern auf Flohmärkten nach allerlei alten Bänden, vorzugsweise Sachbüchern zu Geschichte, Literatur und Musik. Unweigerlich stößt man dabei auf Ausgaben aus der Nazizeit. Die meisten davon sind, obwohl oft im rein sachlichen Teil durchaus korrekt, wegen der eingewobenen zeitbedingten - wohl oft der Zensur geschuldeten - Kommentare und Führerlobpreisungen, heute kaum mehr lesbar.
Als es die DDR noch gab, war ich einige Male dort und besuchte gerne Buchhandlungen zu demselben Zweck wie oben erwähnt; auch in Ungarn konnte man damals ostdeutsche Bücher sehr preisgünstig erwerben. Auch hier dasselbe Phänomen: Wenn es sich nicht gerade um mathematische Werke oder um Klassiker handelte, war alles mit marxistisch-leninistischen Floskeln und Wendungen derart durchsetzt, dass einem die Lektüre verleidet wurde.
Und wie ist es heute, bei uns? Fast alle Themen werden in Politische Korrektheit eingekleidet, überall wird das zeitgeistige Grundgewürz dazugegeben. Die meisten können es schon nicht mehr herausschmecken.
Ich bin überzeugt, dass die meisten der heutigen "Historiker" in ein paar Jahrzehnten nicht mehr lesbar sein werden.
Meine These ist, dass es sich immer um dieselbe Art von Köchen handelt, die stets dem Zeitgeschmack entsprechend kochen. Ändern sich die Zeiten, ändern sich die Gewürze - und diese unterliegen der Mode.
Als es die DDR noch gab, war ich einige Male dort und besuchte gerne Buchhandlungen zu demselben Zweck wie oben erwähnt; auch in Ungarn konnte man damals ostdeutsche Bücher sehr preisgünstig erwerben. Auch hier dasselbe Phänomen: Wenn es sich nicht gerade um mathematische Werke oder um Klassiker handelte, war alles mit marxistisch-leninistischen Floskeln und Wendungen derart durchsetzt, dass einem die Lektüre verleidet wurde.
Und wie ist es heute, bei uns? Fast alle Themen werden in Politische Korrektheit eingekleidet, überall wird das zeitgeistige Grundgewürz dazugegeben. Die meisten können es schon nicht mehr herausschmecken.
Ich bin überzeugt, dass die meisten der heutigen "Historiker" in ein paar Jahrzehnten nicht mehr lesbar sein werden.
Meine These ist, dass es sich immer um dieselbe Art von Köchen handelt, die stets dem Zeitgeschmack entsprechend kochen. Ändern sich die Zeiten, ändern sich die Gewürze - und diese unterliegen der Mode.
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Donnerstag, 8. März 2007
Vergangenheitsbewältigung
Wer sich heute mit dem 3. Reich beschäftigt, tut dies in den seltensten Fällen deswegen, weil er diese Zeit verstehen oder weil er wissen will, wie es dazu kommen konnte. Vielmehr dient diese unglückselige Periode der Vergangenheit den allzu-gegenwärtigen Interessen politischer, ideologischer, aber vor allem wirtschaftlicher Art.
Als jemand, der seinen Vater in Russland verloren hat, bevor er geboren wurde, habe ich wohl ein Recht, mich um Verständnis dieser Zeit auf meine eigene Art zu bemühen und brauche keine Bevormundung und Denkvorgaben.
Was mich aufregt: Man will zu den "ewigen" Grundkategorien "Gut und Böse", "Schön und häßlich", "Alt und Jung", "Oben und Unten" usw. auf gleicher Ebene die künstlichen Kategorien "Antifaschistisch und Nazistisch", "Antisemitisch und Philosemitisch" etc. etablieren, wobei vorteilhafterweise die Zuordnung von den gerade tonanagebenden "opinion leaders" willkürlich getroffen werden kann. Aber zuerst kommen doch noch immer die "Grundfarben".
Als jemand, der seinen Vater in Russland verloren hat, bevor er geboren wurde, habe ich wohl ein Recht, mich um Verständnis dieser Zeit auf meine eigene Art zu bemühen und brauche keine Bevormundung und Denkvorgaben.
Was mich aufregt: Man will zu den "ewigen" Grundkategorien "Gut und Böse", "Schön und häßlich", "Alt und Jung", "Oben und Unten" usw. auf gleicher Ebene die künstlichen Kategorien "Antifaschistisch und Nazistisch", "Antisemitisch und Philosemitisch" etc. etablieren, wobei vorteilhafterweise die Zuordnung von den gerade tonanagebenden "opinion leaders" willkürlich getroffen werden kann. Aber zuerst kommen doch noch immer die "Grundfarben".
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