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Sonntag, 5. Februar 2023

Erkältungen

 Der englische Schriftsteller Samuel Butler (1835-1902) berichtet in einem seiner  «Notebooks» vom Besuch eines Blasorchesters, bei welchem er seinen Begleiter mit der Feststellung amüsiert habe, die Oboe sei eine Klarinette mit einer Erkältung im Kopf, und das Fagott dasselbe Instrument, aber mit einer Erkältung in der Brust. 

Man kann als gegeben annehmen, daß Butler in der Nähe des Orchesters gesessen hat; aus seiner nächsten Notiz geht hervor, daß dies tatsächlich zu seinen Gewohnheiten gehörte, sie lautet nämlich:

«Gestern besuchten wir ein Konzert der Philharmoniker und saßen auf den billigen Orchesterplätzen, so daß wir sehen und hören konnten, was jedes Instrument machte.»

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...das ist übrigens auch meine Methode: Ich sitze auf den billigen hinteren Plätzen der Parterre-Logen in Orchesternähe und sehe den Philharmonikern zu, die in der Oper allerdings "Orchester der Wiener Staatsoper" heißen....

Dienstag, 12. März 2013

NS+Philharmoniker


Die "mediale Lust" zum NS-Thema ist insgesamt noch immer sehr groß, zumindest beim ORF, der beispielsweise im "Kultursender" ORFIII ein geschätztes Drittel seiner Sendezeit, sieht man vom Wetterpanorama ab, der Antinazi-Bewußtseinsbildung widmet.  Daß Prof. Rathkolb (laut WZ) "keinen Schlußstrich" ziehen will, ist aus seiner Sicht verständlich, ist es doch seine ganz private Erfolgsstory. Ich persönlich halte es  nach wie vor für verlogen, die Unmoral vergangener Zeiten anzuprangern, um daraus höchst gegenwärtiges Kapital zu schlagen.
Fairerweise muss ich sagen, dass die gestrige Sendung in ORF2 über die Philharmoniker-Vergangenheit doch sehr interessant war; ich bedaure nur, dass es der Arbeit einer solchen,  extra auf Nazi-Trüffel konditionierten Suchtruppe bedarf, um alle diese aufregenden Bild-Dokumente über die Philharmoniker-Geschichte  im TV sehen zu können. Auf den redaktionellen Kon- und Subtext des ORF hätte ich getrost verzichten können.
Merkt man dort denn nicht, dass es schön langsam des Guten zuviel wird, dass man mit diesem boulevardesken Trommelfeuer gerade das fördert, was man angeblich verhindern will?
Oder ist das vielleicht sogar der erhoffte Zweck?

Samstag, 19. Januar 2013

Rathkolbismus

O. Rathkolb hat wieder zugeschlagen, diesmal im KURIER: Er hat in alten Zeitungen "entdeckt", dass die Wr. Philharmoniker in der Nazizeit Seyß-Inquart geehrt haben. Na sowas!
Was sind das nur für Historiker, deren "Forschung" im Durchkämmen alter Zeitungen nach kompromittierenden Meldungen besteht; freilich, ihr Aus- und Fortkommen ist damit auf lange Zeit gesichert. Ich darf dazu den - hoffentlich unverdächtigen - Sebastian Haffner nochmals zitieren:
"Wer die Vergangenheit an den Maßstäben der Gegenwart mißt, zeigt nur seinen Mangel an historischem Sinn". 
Nicht, dass man solche "Forschungsergebnisse" verschweigen sollte, aber gleich auf die Titelseite des KURIER? Da fragt man sich doch: "Wem nützt das" - außer der Inseratenabteilung?
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Interessant die fast durchwegs deutlich(st) ablehnenden Leserkommentare im Online-Forum. Der Thread wurde dann auch bald abgedreht.
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Neueste Entwicklung: Jetzt spricht man schon von Restitutionen (WZ vom 25.1.12). Das also ist des Pudels Kern - oder soll man sagen: Die Katze ist aus dem Sack! Nicht der Wissenschaft dienen die Schnüffeleien, sondern handfestem Ertrags-Streben!
Zitat aus der WZ: "...es gibt Defizite..." - aus denen man gerne Benefits machen möchte - klar!

Sonntag, 3. August 2008

HMK-Postskriptum

Auszug aus "News" Nr. 12/08 vom 20.03.2008 (Heinz Sichrovsky / Susanne Zobl)

"Frau muss gehen!…. Die Oboistin und Englischhornistin Helene Kenyeri, 27, wurde in der Vorwoche davon in Kenntnis gesetzt, dass sie ihr erstes Probejahr nicht bestanden habe und das Orchester verlassen müsse….. Die aus Oberpullendorf im Burgenland gebürtige Musikerin ist unerreichbar. Es gehe ihr schlecht, hört man aus ihrer Umgebung. Sie habe sechzehn Jahre lang mit ausgezeichnetem Erfolg u. a. bei Professoren aus dem Kreis der Wiener Philharmoniker studiert, habe Wettbewerbe und vor eineinhalb Jahren das Probespiel als Zweite Oboistin und Englischhornistin im Opernorchester gewonnen. In weiterer Folge sei sie als erste Frau in die philharmonische Eliteformation "Wiener Hofmusikkapelle" aufgenommen, mit dem renommierten Karl-Böhm-Stipendium der Stadt Graz ausgezeichnet und von Riccardo Muti nach einem Konzert bei den Salzburger Festspielen ausdrücklich gelobt worden. Dass sich die Stimmung gegen sie gewendet habe, sei ihr bis zuletzt verheimlicht worden: Die philharmonische Jury habe schon am 10. März entschieden, doch habe man sie zuletzt sogar auf eine Amerikatournee mitgenommen, ohne sie vom Urteil zu unterrichten. Nun stehe sie mit 1. September quasi vor dem Nichts und könne nur hoffen, mit ihrem Kammermusiktrio "Mignon" zu reüssieren, zu unterrichten oder anderswo unterzukommen.
Holender:, "Stehe hinter dem Orchester". Staatsopernseitig nimmt sich die Causa diametral aus. "Ich habe mich immer für Frauen im Orchester eingesetzt, habe Dirigentinnen beschäftigt und mich immer deutlich zu Wort gemeldet, wenn Schweinereien zu befürchten waren", sagt Direktor Ioan Holender, der in der Causa ausdrücklich selbst Auskunft zu geben wünscht und sich im Einsatz für Orchesterfrauen sogar mit Philharmoniker-Altvorstand Werner Resel überworfen haben soll. "Aber in dieser Sache stehe ich ganz aufseiten des Orchesters. Wenn eine Jury mit 24 zu null Stimmen gegen jemanden entscheidet und wenn sogar 19 von 24 dagegen sind, ihr noch eine weitere Probezeit zu geben, so ist das für mich eindeutig und zu akzeptieren. Wir engagieren hier nach Qualifikation und nicht nach Geschlecht." Holender weiter: "Frau Kenyeri ist eine gute Oboistin, hat aber Defizite beim Englischhorn. Und das gehört im Staatsopernorchester nun einmal zusammen ..... Auch war das Zusammenspiel mit dem Orchester nicht optimal ...."
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"Nicht optimal"....das ist ja nun wirklich eine reichlich schwammige Definition und Hr. Holender ist gerade der richtige, ehrenwerte Mann, um Schweinereien zu verhindern! Und daß hier eine Schweinerei im Hintergrund gelaufen ist, das riecht man doch meilenweit gegen den Wind!
Beim Englischhorn hat sie ja wirklich einmal gepatzt (Piripiri: Walküre).Die Frage ist, warum man das "Defizit" nicht früher bemerkt hat und sie blindlings in ihr Unglück hat rennen lassen. Ich bin überzeugt, einen Mann hätte man "aufgefangen". - Sind schon ein mieser Verein, diese Herren Tempelritter! Sicher nicht alle von ihnen, aber man muß sie leider an den frontmen messen, die sie sich wählen; und natürlich ist die elitäre Geheimnistuerei ein idealer Nährboden für jede Art Gerüchte.
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Ich besitze eine Reihe von Büchern über die Philharmoniker (einige davon aus der Feder von Mitgliedern), in denen sie wunderwie verherrlicht werden. Diese werden wohl demnächst zum Flohmarkt wandern; die Platten werde ich behalten. - Wiederum muß ich mich auf eine Gratwanderung begeben, um die Bewunderung für künstlerische Leistung von der Bewunderung für Personen - oder Kollektive - zu trennen.


https://www.youtube.com/watch?v=tP1ne0vLkc8

Dienstag, 15. April 2008

Viel Harmonischeres

Warum ich bei diesem Thema so gehässig bin? Mir geht die Arroganz der von mir ansonsten so bewunderten Philharmoniker bzw. des Staatsopernorchesters auf die Nerven. Natürlich hat jeder Verein das Recht, Bedingungen für die Aufnahme seiner Mitglieder zu stellen und mögen diese noch so ausgefallen sein. Eine Frauen-Quote zu verlangen, wie dies (nicht nur) von amerikanischer Seite gefordert wird, halte ich für Schwachsinn. Es ist nur so, daß die Ph. diese Aufnahme-Bedingungen nicht werden durchhalten können - oder sie müssen andere aufgeben, wie z.B. die Wiener Oboe oder das Wiener Horn. Es fehlt einfach schon heute, und das wird sich noch steigern, an geeignetem männlichen und "KauKasischen" Nachwuchs.
Eine Bastion zu verteidigen, die nicht gehalten werden kann, wird von vielen Männern für heldenhaft gehalten; gerechtfertigt ist ein Rückzugsgefecht nur dann, wenn man etwas oder jemanden (anderen) in Sicherheit bringen will. Aber das ist es ja nicht, sondern nur Selbstüberschätzung und Sturheit, was auch ein bißchen mit dem Alter zu tun hat. In vielen Organisationen in der Wirtschaft, in Kultur und Religion findet man ja ähnliche Verhaltensweisen und sehr oft sind alte oder alternde Männer dafür verantwortlich.
Und - Männerbündlerei ist mir generell suspekt, vor allem die "frontmen" sind mir ein Greuel.
Siehe auch: Piri-Piri: ABEND

Samstag, 5. April 2008

Bewunderung & Liebe

Aus gegebenen Anlässen - Karajan-Centennial und Staatsopernorchester-Personalpolitik - ein paar Gedanken:
Der Mensch möchte auch lieben, was er bewundert, es drängt ihn, dem Einzelnen oder dem Kollektiv, das ihm tiefe, vielleicht unvergeßliche Erlebnisse verschafft hat, statt nur kalter Bewunderung auch wärmere Gefühle entgegenzubringen. Im Bereich der Kunst stößt er dabei bald auf Schwierigkeiten, nämlich dann, wenn er feststellt, daß das Objekt der Bewunderung durchaus auch wenig liebenswerte, ja vielleicht abstoßende Züge aufweist. Klassische Beispiele sind Richard Wagner, Bertolt Brecht, der ztierte Karajan, u.v.a., aber eben auch die Wr. Philharmoniker, in welchen offensichtlich eine ungute Art Korpsgeist herrscht, eine Männerbündlerei, die sich in so unsäglichen Typen wie Werner Resel verkörpert. Ein anderes Beispiel ist J. Holender, der durchaus bewundernswerte Arbeit macht (wenn man die Geschichte der Wiener Operdirektoren kennt), mir persönlich aber - freundlich formuliert - wenig liebenswert erscheint. -
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Nicht leicht, hier die eigenen Gefühle zu sortieren und fein säuberlich zu separieren....