Habe gerade die Biographie über Max Frisch von Volker Weidermann (FAZ) gelesen. Frisch war früher einer meiner literarischen Hausgötter; heute kann ich weniger mit ihm anfangen. Diese ausufernde Selbstbespiegelung liegt mir heute nicht mehr; generell ist Frisch heute auch nicht mehr wirklich aktuell; gleichwohl ist er nach wie vor genial darin, Seelenzustände mit Worten auszudrücken. Seine Stücke werden auch kaum mehr gespielt, die meisten Erfolgs-Dramen haben eine kurze Halbwertszeit.
Dass eine Biographie die Sympathie-Werte für die beschriebene Person nach unten drückt, passiert mir ja nicht das erste Mal. Als Mensch dürfte er "ein Ekel" gewesen sein (Zitat nach Siegfried Unselds Sohn). Zufällig habe ich auch noch eine andere Referenz: Eine Tante von mir war in ihrer Jugend Hausmädchen bei Frisch's (in der Zeit seiner ersten Ehe). Ihr Urteil: Ein "Spinner" und "Danebengeher" (damit meinte sie "notorischer Ehebrecher"). Nun, so kann man es auch sehen...
Was mir aber auffällt: Auch Frisch hat in seiner Spätphase eine starke Aggression gegen seine Heimat, also die Schweiz entwickelt, wie sie sich z. B. auch bei Thomas Bernhard gegen Österreich herausgebildet hat. Ich habe mich immer gefragt, wogegen sich dieses Ressentiment wirklich richtete und woraus es sich nährte. Ein Land ist doch eine Abstraktion, kann man eine solche hassen? Es werden wohl schon bestimmte Menschen damit gemeint gewesen sein und ein tiefer Frust als Basis. Auffallend ist, dass beide sehr erfolgsverwöhnt waren und schwer-reich geworden, aber doch letztlich an ihre Grenzen gestoßen sind, physisch, psychisch, politisch - ob es damit zusammenhängt? Oder handelt es sich nur die Luxusausgabe des Altmänner-Grants? Gut, Bernhard war noch nicht so alt, aber bei ihm ging die Uhr einfach bedeutend schneller.
Da fällt mir ein: Auch Ludwig Thoma hat im Alter die "Sau rausgelassen" (im Miesbacher-Boten) - - allerdings: Zu seiner Zeit, da Patriotismus einen hohen Stellenwert hatte, war es einfach nicht gut möglich und auch nicht bekömmlich, gegen sein "Vaterland" zu gifteln (er saß ja auch schon einmal für Majestätsbeleidigung im Gefängnis) - so hat er sich stattdessen die Juden vorgenommen, aus seiner Sicht also die mächtigen Cliquen.
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Stichwort "Grenzen": "Auch auf die Impotenz ist kein Verlaß" (Max Frisch).
Politische, kulturelle und politische Kommentare ; literarische Kletzen. Motto: Prudenter dubitare!
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Samstag, 9. August 2014
Donnerstag, 20. Juni 2013
Hitlers Edeljude
Habe gerade das Buch "Hitlers Edeljude" (Ed. Bloch) von B. Hamann gelesen. Wieder sehr beeindruckend, aber auch verstörend: Ohne jeden tendenziösen Subtext beschreibt sie detailliert und akribisch die empörenden Vorgänge rund um den 38-er-Anschluß am Beispiel Linz. Die Ereignisse sprechen ja für sich. Unglaublich, mit welcher Niedertracht und Gemeinheit sich die Nazis alles unter den Nagel rissen, ganz abgesehen von den unzähligen übrigen Grausamkeiten, an denen sich allzuviele - aber nicht alle! - beteiligten.
Gleichzeitig lese ich auch "Unsentimentale Reise" von Albert Drach, ein Bericht über seine Zeit als Flüchtling im Vichy-Südfrankreich. Auch dort war Edelmut Mangelware - aber das hören die Franzosen heute gar nicht gerne. Vor Jahren las ich auch das entsprechende Buch von Lion Feuchtwanger.
Das alles beweist nur, dass sich das Böse nicht geographisch oder ethnisch festmachen läßt, sondern die Grenze zwischen Gut und Böse in einer anderen Dimension verläuft, die für die meisten Meinungsmacher nicht faßbar ist. Ich gebe zu, die Differenzierung ist schwierig. Umso mehr erstaunt es mich, dass sprachlich so begnadete Künstler wie Thomas Bernhard derart in Pauschal-Urteilen schwelgen. Aber vielleicht erklärt das sogar seinen Erfolg. Mir hat es den Zugang zu ihm verbaut.
Gleichzeitig lese ich auch "Unsentimentale Reise" von Albert Drach, ein Bericht über seine Zeit als Flüchtling im Vichy-Südfrankreich. Auch dort war Edelmut Mangelware - aber das hören die Franzosen heute gar nicht gerne. Vor Jahren las ich auch das entsprechende Buch von Lion Feuchtwanger.
Das alles beweist nur, dass sich das Böse nicht geographisch oder ethnisch festmachen läßt, sondern die Grenze zwischen Gut und Böse in einer anderen Dimension verläuft, die für die meisten Meinungsmacher nicht faßbar ist. Ich gebe zu, die Differenzierung ist schwierig. Umso mehr erstaunt es mich, dass sprachlich so begnadete Künstler wie Thomas Bernhard derart in Pauschal-Urteilen schwelgen. Aber vielleicht erklärt das sogar seinen Erfolg. Mir hat es den Zugang zu ihm verbaut.
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