Alles läßt sich nicht zwingen, und die Kunst des Lebens läuft darauf hinaus, von zwei Übeln das kleinere zu wählen.
Th. Fontane
Politische, kulturelle und politische Kommentare ; literarische Kletzen. Motto: Prudenter dubitare!
Alles läßt sich nicht zwingen, und die Kunst des Lebens läuft darauf hinaus, von zwei Übeln das kleinere zu wählen.
Th. Fontane
"Die Kunst der Lebensführung besteht bekanntlich darin, mit gerade so viel Dampf zu fahren, wie gerade da ist."
"Ich bin zeitlebens ein nervenkranker Mann gewesen, und es hat auch gehen müssen und ist gegangen. Man muß die Kunst lernen und ausbilden, mit halber und viertel Dampfkraft zu arbeiten, und muß sich daran gewöhnen, immer nur stunden oder tageweis Disposition über sich zu haben. Ist man erst darauf eingefuchst, so lernt man diese guten Stunden ausnutzen und schafft durch weise Ökonomie schließlich dasselbe zusammen wie die Kraftmeier und Schlagedodrogs."
Th. Fontane
?🔅?
Und hierzu musste ich Google bis zum Äußersten (aus)reizen:
Der biedre Riese
War allein mit seiner Größe.
Sprach: »Zwei Dinge kenn' ich einzig,
Die mir einzuflößen Ehrfurcht
Sind imstande. Nämlich erstens,
Mein Charakter. Darauf zweitens,
Diese Mauer. Beide passen
Wie gegossen aufeinander,
Ganz massiv sind alle beide,
Für die Ewigkeit gegründet.
................................
Und es bebt' und wippt' und wiegte
Und es schwankt' und schwappt' und schwaumelt'
Und es kreischt', es riß, zerspliß,
Ritz an Ritz, die Mauer rings!
Und es stöhnt' und schrie und jaulte
Zeternd Schlagadodro, brüllend
Sank er in zerborstne Klüfte.
Und es schwand und starb sein Laut hin
Ins Getöse, das wild aufdrang
Aus dem neugebornen Chaos.
Schollernd, knallend, krachend, platzend
Rutschten nieder die gelösten
Eisenstücke, Eisenbalken
Quetschten sich dazwischen gellend!
Türme nickten, stürzten drüber,
Diese Balken überwuchtend,
Und sie brachen! Und hinunter
Stürzten Balken, Stücke, Türme,
Die zerrissen in dem Absturz!
Wirrsal, Strudel, Stumpfen, Qualmschutt,
Donnertosende Zerstörung,
Fiel die große Riesenmauer...
Wer ist denn unbedrückt? Wer sagte nicht jeden Tag: »Eigentlich eine sehr fragwürdige Geschichte«. Es ist Torheit mit dem Im-Urwald-Umherkriechen oder In-einem- Termitenhügel-Nächtigen; wer's mag, der mag es, aber für unsereins ist es nichts. In der Bresche stehen und aushalten, bis man fällt, das ist das beste. Vorher aber im kleinen und kleinsten so viel herausschlagen wie möglich und ein Auge dafür haben, wenn die Veilchen blühen oder das Luisendenkmal in Blumen steht oder die kleinen Mädchen mit hohen Schnürstiefeln über die Korde springen.
Th. Fontane
...oder die Fiakerschimmel in der Prater-Hauptallee oder die Flugenten in der Rosenlacke oder ...
"Ich sehne mich nicht mehr nach Wechsel und erkenne in friedlichem Abwickeln der Tage das höchste Glück. Zu diesem Glück gehören auch Bücher, mit denen ich längst lieber verkehre als mit den Menschen. Sie bringen mich in Berührung mit dem Besten, was die Besten besitzen, und das Gestörtwerden durch die Unleidlichkeiten unsres Geschlechts fällt fort."
Mit "Geschlecht" meinte Theodor Fontane die lieben Mitmenschen und Zeitgenossen.
.....daß er ein sehr abgeschlossener, bewußter, eigensinniger Herr ist, der sich nicht fördern und entwickeln, sondern weil er das Richtige bereits zu haben glaubt, dies sein »Richtiges« à tout prix durchdrücken will. Solche Personen kann ich bis zu einem gewissen Grade anerkennen, aber ich kann nicht mit ihnen leben. Personen, denen irgend etwas absolut feststeht, sind keine Genossen für mich; nichts steht fest, auch nicht einmal in Moral und Gesinnungsfragen und am wenigsten in sogenannten Thatsachen. Taufregister sind sprichwörtlich falsch.
Fontane
"Solche Hitze bringt mich um und ist für mich gleich bedeutend mit völliger Brachlegung meiner leiblichen und geistigen Kräfte."
Th. Fontane (wer sonst?) Ein Hitzehasser wie ich.....
...ist eine Wortschöpfung von Th. Fontane.
Noch besser:
"Tugendpriester und Gesinnungstrampel"
oder
"Gesinnungstüchtige Großmäuligkeit"
Da befallen mich aber sofort heftigste Assoziationen!
Und gleich noch was Schönes:
"…. ist es gar nichts, aber journalistisch-moralisch angesehn, wenn sich diese beiden Adjektiva so dicht nebeneinander vertragen"
👀
Diese Verb-Schöpfung ist auch merkenswert:
"Zu den Merkwürdigkeiten, gehört auch, daß sich der Sprechanismus als Bekehrungsopfer immer solche aussucht, die auf bestimmten Gebieten eine größere oder kleinere Autorität sind. So daß man von ihm sagen darf: er hat sich nıe mit Kleinigkeiten abgegeben, er ist wählerisch, noblesse oblige. Er sucht sich seinen Mann, und wenn er ganz echt ist, so wird er einen Generalstäbler über die Fehler, die bei Mars-la-Tour gemacht wurden, und Mommsen über Geschichtschreibung bestandpunkten...."
Daß diese verstehende Güte bei Fontane nicht weichliche Veranlagung, sondern auch von ihm mühsam errungene Weisheit ist, das zeigen seine Briefe, die oft genug voll Bitterkeit sind. Aber die Bitterkeit führt eben zu nichts, die Mahnung heißt »verstehe, steh’ darüber«.
Er teilt keine Prädikate aus. Er läßt sie einfach handeln, so wenn Bodo die lange Fahrt zum Bahnhof macht, um der alten Gärtnersfrau den im Scherz versprochenen Kranz aufs Grab zu legen, oder der alte Graf den Wagen anhält, um Stine den Platz neben sich anzubieten, oder die Familie des bei St. Privat gefallenen Hauptmanns sich tapfer durchs Leben schlägt, oder der alte Stechlin seine letzten Gespräche mit dem Gendarmen führt.
Wenn er die Überspannung des Standesgefühls zu tadeln hat, so läßt er Effi von ihrem Mann nur die paar Worte sagen: »er war so edel, wie ein Mann sein kann, der ohne rechte Liebe ist«R. Berbig, Fontäne Blätter
Horst Gravenkamp: „Um zu sterben muss sich Herr F. erst eine andere Krankheit anschaffen“,
Wallstein Verlag, Göttingen 2004 ISBN 9783892447009,
Broschiert, 144Seiten, 16,00 EUR
Leider kostet es inzwischen das Doppelte und wird nicht nach Österreich geliefert, aber irgendwie werde ich schon daran kommen, zur Not über eine Freundin in Heidelberg.
Hier eine Besprechung:„Ich bin von dem allem so sehr durchdrungen, dass ich darüber, am liebsten in einer Medizinischen Zeitschrift, mich auslassen möchte, um vor groben Fehlern zu warnen; ich habe aber nicht mehr die Kraft dazu und muss hoffen, dass sich über kurz oder lang statt meiner ein Andrer findet.“ So beklagt sich Fontane darüber, dass die von ihm selbst so tief empfundene seelische Erkrankung im Jahr 1892 weder von seinen Ärzten noch von seiner Umgebung erkannt wurde. Horst Gravenkamp holt dieses Versäumnis nun nach. Anhand der Quellen, auch bisher ungedruckter, und unter Berücksichtigung der Schriften des Professors Ludwig Hirt, der Fontane 1892 untersucht hat, kommt Gravenkamp zu dem Schluss, dass der Schriftsteller unter einer endogenen Depression litt. Diese seelische Störung aus körperlicher Ursache war für Fontanes Ärzte noch nicht erkennbar. Gravenkamps Diagnose stützt sich auf frühere gleichartige Störungen, für die sich Hinweise in Werken und Briefen finden, und auf die Familienanamnese.

"Es geht nicht ohne Hilfskonstruktionen"Th. Fontane
"...wer immer in einer Wüste Sahara lebt, der kann ohne Fata Morgana mit Palmen und Obelisken und all dergleichen gar nicht existieren. Fata Morgana, sag’ ich. Wenn es dann, wenn man näherkommt, auch nichts ist, so hat man doch eine Stunde lang gelebt und gehofft und hat wieder Courage gekriegt und watet gemütlich weiter durch den Sand. Und so sind denn die Bilder, die so trügerisch und unwirklich vor uns gaukeln, doch eigentlich ein Glück"
"Eigentlich ist es ein Glück, ein Lebenlang an einer Sehnsucht zu lutschen; einige sagen ja sogar, das ganze Leben sei nur dazu da, sich das Ferne, das Unbestimmte zu wünschen."
Th. Fontane
"Unanfechtbare Wahrheiten gibt es überhaupt nicht, und wenn es welche gäbe, wären sie langweilig"(Aus "DerStechlin")
"Personen, denen irgend etwas absolut feststeht, sind keine Genossen für mich; nichts steht fest, auch nicht einmal in Moral und Gesinnungsfragen und am wenigsten in sogenannten Tatsachen. Ein leidlich gescheites Individuum kann eigentlich gar nicht fanatisch sein."