Mittwoch, 3. Oktober 2018

der Glaube an Schutzzölle

 Wenn ich eine Ware produziere und verkaufe, dann sind zwei Klassen der Menschheit für mich besonders wichtig, nämlich meine Konkurrenten und meine Kunden. Meine Konkurrenten schaden mir, und meine Kunden nützen mir. Meine Konkurrenten sind erkennbar und vergleichsweise gering an Zahl, während meine Kunden weit verstreut und mir größtenteils unbekannt sind.  Ich neige daher dazu, mir meiner Konkurrenten stärker bewußt zu werden als meiner Kunden. Das mag innerhalb meiner eigenen Gruppe nicht zutreffen, wird aber nahezu bestimmt der Fall sein, wenn es sich um eine ausländische Gruppe handelt, so daß die Auffassung entsteht, ausländische Gruppen hätten Wirtschaftsinteressen, die unseren eigenen zuwider laufen. Hier hat der Glaube an Schutzzölle seinen Ursprung. In fremden Völkern sieht man eher Konkurrenten auf dem Gebiet der Produktion als mögliche Kunden, so daß die Menschen bereit sind, ausländische Absatzmärkte preiszugeben, um die ausländische Konkurrenz zu verhindern. In einer kleinen Stadt gab es einmal einen Fleischer, der in Wut geriet, weil ihm die anderen Fleischer die Kundschaft entzogen. Um sie zu ruinieren, bekehrte er die ganze Stadt zum Vegetarismus und wunderte sich, als er schließlich sich selbst auch ruiniert sah. Die Torheit dieses Mannes wirkt unglaubhaft, und doch handelte er nicht törichter als alle Großmächte. Sie haben alle gemerkt, daß der Außenhandel andere Nationen bereichert, und haben durchwegs Zölle erhoben, um den Außenhandel zu unterbinden. Und es hat sie alle überrascht, daß sie sich mit selbst ebenso schädigten wie ihre Konkurrenten. Keiner hat sich daran erinnert, daß der Handel ein wechselseitiges Geschäft ist und daß eine fremde Nation, die an unsere eigene kauft, von ihr mittelbar oder unmittelbar auch kauft. Und konnten sich nicht daran erinnern, weil sie vor Haß auf die anderen Nationen unfähig sind, klar zu denken, wenn es um Handelsverkehr mit dem Ausland geht. 

B. Russell, "Lob des Müßiggangs".

Montag, 24. September 2018

Kunst des Alterns

Aus  »Die Kunst des Alterns«  von Betrand Russell: 
»Man sieht alte Menschen, die sich von der Furcht vor dem Tod bedrücken lassen. Bei den Jungen ist diese Furcht gerechtfertigt. Junge Menschen, die sich mit gutem Grund vor dem Tod im Krieg fürchten, haben recht, wenn sie mit Bitterkeit daran denken, daß sie des Besten, was das Leben zu bieten hat, beraubt werden könnten. Aber bei einem alten Menschen, der alle Freuden und Leiden kennengelernt und sein Werk, so gut er konnte, vollbracht hat, mutet die Todesfurcht irgendwie verächtlich und unwürdig an. Die beste Möglichkeit, sie zu überwinden, ist - so jedenfalls will es mir scheinen -, seinen Interessenkreis stetig zu erweitern, die Grenzen des Ichs langsam hinauszurücken, bis schließlich das persönliche Leben in dem des gesamten Universums aufgeht. Eine individuelle Existenz ist wie ein Fluß, der, noch klein an der Quelle, eng in seinem Bachbett fließt, sich über Felsen wirft und in Wasserfällen hinunterstürzt. Langsam wird der Fluß breiter, die steilen Ufer verschwinden, das Wasser strömt ruhiger, vereint sich schließlich ohne offensichtlichen Wechsel mit dem Meer und verliert unspürbar die eigene Existenz. Wer im Alter sein Schicksal so betrachten kann, wird den Tod nicht mehr fürchten. « 
Das sind die schönsten Sätze über das Alter, die ich kenne.

https://kumpfuz.blogspot.com/2010/11/alter-nativen.html
http://kumpfus.blogspot.com/2008/01/neige.html

Sonntag, 23. September 2018

Polgar-Findlinge


 »Ich habe nur eine idée fixe: es gibt nur eine idée flexible!«
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  » ... auch  das Dämonische und das Gewaltige verführen; und auch der Schrecken, ins Großartige gesteigert, hat seine Anziehungskraft. Vielleicht ist es zum Zweck des  "Nie wieder Krieg" besser, von der Erbärmlichkeit, der erstickenden Dummheit und Dumpfheit, der grenzenlosen, infernalischen Lächerlichkeit jener räudigen Zeit (die die  »große« genannt wurde) zu sprechen, als von ihren Greueln.«
...gefunden in der Polgar-Biographie von U. Weinzierl. 

Philosophie

»Es ist weder gut, die von der Philosophie aufgeworfenen Fragen zu vergessen, noch uns einzureden, daß wir zweifelsfreie Antworten dafür gefunden haben.  Leben, ohne Gewißheit zu besitzen und sich von der Unsicherheit dennoch nicht lähmen zu lassen, das ist vielleicht das Wesentliche, was die Philosophie ihren Jüngern heutzutage beibringen kann.«
B. Russell.


Siehe auch:  https://kumpfuz.blogspot.com/search?q=Zweifel und http://kumpfus.blogspot.com/2008/01/hheres.html#links

Vorteile

An die Moral zu appellieren fällt dabei niemandem schwer. Und es hat viele Vorteile. Es kostet nichts, und es lässt einen selbst in gutem Licht erscheinen.
R. D. Precht

Freitag, 14. September 2018

Freitag, 7. September 2018

Mediezin

Duach di
Medizinischn
Adikln in da
zeidung
waas i jeztn
daas scho es
gebuanwean
ausgeschbrochn
schedlich is 

Ernst Kein, Weana Schbrüch

Mittwoch, 5. September 2018

Der wahre Wagner

Zitate zu Wagner-Biographen aus: Rudolph Sabor "Der wahre Wagner".
"So kann er, wenn er will - und manche wollten das - Richard Wagner als bedeutenden Künstler und unbedeutenden Menschen, oder als bedeutenden Künstler und bedeutenden Menschen, oder als unbedeutenden Künstler und unbedeutenden Menschen sehen. Oder er kann sein Steckenpferd satteln und Wagner als Nationalisten oder Sozialisten, als Judenfeind oder Judenfreund, als treuen oder ungetreuen Ehegatten, als Bahnbrecher Lenins oder Hitlers sehen.
Die Sackgassengefahr ist offensichtlich, und mancher Biograph hat wissentlich oder unwissentlich die ungeheure Masse der Dokumente dazu benutzt, Lorbeerkränze zu winden oder dem Wagner eins auszuwischen. Einseitige Materialauswahl und Materialauswertung ist Glatteis für Autor und Leser. Dort tummelt sich auch die Schar der Besserwisser. Das sind jene Quacksalber, die uns lehren, was Wagner zwar nicht geschrieben, was er aber in Wirklichkeit gemeint hat." 
In diese Schar reiht sich auch ein Urenkel Wagners, Gottfried W. ein, aber auch viele andere. Meine ziemlich umfangreiche Wagneriana-Bibliothek besteht zu mehr als der Hälfte aus Abhandlungen über Antisemitismus, die sich als Biographie tarnen.  >>> https://kumpfuz.blogspot.com/2013/05/wagners-antisemitismus.html#links
...und einige andere, unter dem Stichwort "Wagner" in diesem  Blog zu finden.


Ein weiterer "Fund" aus diesem Buch, ein Originalzitat von Wagner:
"Ich weiß, ich war hinreißend, ich machte die Menschen verrückt, dann lief ich ihnen weg, das geht durch mein ganzes Leben."
"Man lese dies zweimal, man lese dies dreimal." fügt der Autor hier an.