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Sonntag, 16. Juni 2024

Scheiß Schwerkraft!

 ...dieser Fluch entfuhr mir neulich, als sich meine altersbedingte Ungeschicklicheit wieder einmal  lästig bemerkbar machte.

Wenn man den Spruch genau betrachtet, ist er eine totale Negation des menschlichen Erden-Daseins.


Im Alter wird die Schwerkraft immer mehr zum Feind.


Mittwoch, 27. Januar 2021

Obstinatus obdura!

 "Alle Menschen wollen leben, aber keiner weiß, weshalb er lebt."

(Schopenhauer)


Trotzdem:                         At tu, Francisce, obstinatus obdura! 

(nach Catull) 

Mittwoch, 9. September 2020

Das frühere Leben

"Wenn ich mein Leben noch einmal zu leben hätte, würde ich wieder so leben, wie ich gelebt habe: ich bedaure nicht, was vergangen ist, und ich fürchte nicht, was noch kommen soll; und wenn ich mich nicht täusche, ist mein Leben innerlich etwa ebenso abgelaufen wie äußerlich. Ich bin meinem Schicksal zu besonderem Dank verpflichtet, daß in meiner körperlichen Entwicklung jede Veränderung zu ihrer Zeit eingetreten ist; ich habe das junge Grün und die Blüten und die Frucht erlebt, und jetzt sehe ich, wie es allmählich vertrocknet: so ist es beglückend, weil es natürlich ist. Das Leid, das ich zu tragen habe, trage ich leicht, kommt es doch zu seiner Zeit und wird es doch gemildert durch die Erinnerung an das lange Glück meines früheren Lebens."

Montaigne 



Freitag, 6. Dezember 2019

Träumen und Wachen

".... wir leben und empfinden so gut im Traum als im Wachen und sind jenes so gut als dieses, es gehört mit unter die Vorzüge des Menschen, daß er träumt und es weiß.  Der Traum ist ein Leben, das, mit unserm übrigen zusammengesetzt, das wird, was wir menschliches Leben nennen. Die Träume verlieren sich in unser Wachen allmählig herein, man kann nicht sagen, wo das Wachen eines Menschen anfängt."
"Die Träume können dazu nützen, daß sie das unbefangene Resultat, ohne den Zwang der oft erkünstelten Überlegung, von unserm ganzen Wesen darstellen."

G. Ch. Lichtenberg

Sonntag, 23. September 2018

Philosophie

»Es ist weder gut, die von der Philosophie aufgeworfenen Fragen zu vergessen, noch uns einzureden, daß wir zweifelsfreie Antworten dafür gefunden haben.  Leben, ohne Gewißheit zu besitzen und sich von der Unsicherheit dennoch nicht lähmen zu lassen, das ist vielleicht das Wesentliche, was die Philosophie ihren Jüngern heutzutage beibringen kann.«
B. Russell.


Siehe auch:  https://kumpfuz.blogspot.com/search?q=Zweifel und http://kumpfus.blogspot.com/2008/01/hheres.html#links

Donnerstag, 9. August 2018

AD INTERIM

Die, welche, mittelst Streben und Hoffen, nur in der Zukunft leben, immer vorwärts sehn und mit Ungeduld den kommenden Dingen entgegeneilen, als welche allererst das wahre Glück bringen sollen, inzwischen aber die Gegenwart unbeachtet und ungenossen vorbeiziehn lassen, sind, trotz ihren altklugen Mienen, jenen Eseln in Italien zu vergleichen, deren  Schritt dadurch beschleunigt wird, dass an einem, ihrem Kopf angehefteten Stock ein Bündel Heu hängt, welches sie daher stets dicht vor sich sehn und zu erreichen hoffen. Denn sie betrügen sich selbst um ihr ganzes Dasein, indem sie stets nur AD INTERIM leben, bis sie tot sind.
A. Schopenhauer

Freitag, 27. Juli 2018

Zeitverlust

Im Augenblick seines Absterbens verliert der Mensch nicht nur das Bewußtsein, nicht nur das Bewußtsein der Zeit, sondern er verliert auch die Zeit selbst. Er verliert sie im Tode ganz genau so, wie er sie im Zeitpunkt seiner Geburt überhaupt erst gewinnt. Nur Dasein in Raum und Zeit und, in einem damit, im Leibe - nur solches Dasein »hat« die Zeit, »hat« eine Vergangenheit und eine Zukunft. Geistiges Sein jedoch, als geistiges, »ist« nicht »da«; es ist, im Gegensatz zum »da-sein«, ein Sein jenseits von Raum und Zeit.

Wo es keine Zeit, wo es weder Vergangenheit noch Zukunft gibt, dort verliert aber auch alles Gerede von »früher« oder »später«, »vor« oder »nach«, »prä« oder »post« seinen Sinn. Was »Prä-« oder »Post-« ist, ist eo ipso nicht »Existenz«. Geistige Existenz ist uns nicht anders bekannt als in Ko-existenz mit dem Psychophysicum. Jede Aussage über geistige Existenz jenseits dieser Ko-existenz, jenseits von Leib, Raum und Zeit, entbehrt des Sinnes. Wir können um geistige Existenz nur wissen, sobald und solange sie mit Leib und Seele ver-ein-t, sobald und solange sie durch Leib und Seele er-gänzt ist zur Einheit und Ganzheit des Wesens »Mensch«. Was darüber hinaus ist, was jenseits von Leib, Raum und Zeit ist, was sich im Bereich des reinen Seins abspielt - darum zu wissen ist unmöglich.

Daß so etwas wie eine »Seelen«-Wanderung unmöglich ist, haben wir gehört: wir sehen aber auch, daß ein Fortleben des Geistigen un»denkbar« ist: es kann nicht gedacht werden, es läßt sich nicht vorstellen. Dennoch könnte es möglich sein - und es ist nicht nur möglich, sondern auch notwendig; denn das Gegenteil davon wäre ja keinesfalls möglich: daß nämlich dasjenige, was wesentlich jenseits von Raum und Zeit ist, jemals sterben können sollte. In diesem Sinne schlage ich vor, an Stelle von Fortleben der Person von Überleben zu sprechen - aber nicht so, als ob damit gemeint wäre, daß die geistige Person ihren leiblich-seelischen Tod überlebt, sondern in dem Sinne, in welchem wir bereits einmal von »Übersinn« gesprochen haben - worunter wir »einen über menschliches Fassungsvermögen wesentlich hinausgehenden Sinn« verstanden haben -, also im Sinne eines über-Lebens, das heißt eines Modus des Lebens, von dem wir uns keinen Begriff mehr machen, den wir nicht mehr fassen können.
V.  E.  Frankl 

Es ist irgendwie beglückend, wenn man in der Literatur etwas ausgedrückt findet, das man selber zwar ähnlich gedacht, aber nie hätte formulieren können.

"Der Begriff "Leben nach dem Tod" hat eine zeitliche Dimension, die ich nicht für richtig halte. Ich glaube, dass es ein Leben außerhalb der materiellen Welt gibt. Es gibt eine geistige Welt außerhalb der materiellen Existenz. Aber mit Physik hat das nichts zu tun, sondern das ist nur meine persönliche Ansicht."

A. Zeilinger, Quantenphysiker

Samstag, 9. Dezember 2017

Personenbeschreibung

"Charakter einer mir bekannten Person.
....von der Religion hat er als Knabe schon sehr frei gedacht, nie aber eine Ehre darin gesucht ein Freigeist zu sein, aber auch keine darin, alles ohne Ausnahme zu glauben. Er kann mit Inbrunst beten und hat nie den 9o. Psalm ohne ein erhabenes, unbeschreibliches Gefühl lesen können(*) ..... Er weiß nicht was er mehr haßt, junge Offiziers oder junge Prediger, mit keinen von beiden könnte er lange leben .... Lesen und Schreiben ist für ihn so nötig als Essen und Trinken, er hofft es wird ihm nie an Büchern fehlen. An den Tod denkt er sehr oft und nie mit Abscheu, er wünscht daß er an alles mit so vieler Gelassenheit denken könnte, und hofft sein Schöpfer wird dereinst sanft ein Leben von ihm abfordern, von dem er zwar kein allzu ökonomischer, aber doch kein ruchloser Besitzer war." 

G. Chr. Lichtenberg
http://www.lichtenberg-gesellschaft.de/leben/l_leb_goe_licht.html
(*) PSALM 90:Ein Bittgebet des Mose, des Mannes Gottes. O Herr, du warst uns Wohnung von Geschlecht zu Geschlecht.
Ehe geboren wurden die Berge, ehe du unter Wehen hervorbrachtest Erde und Erdkreis, bist du Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Zum Staub zurückkehren lässt du den Menschen, du sprichst: Ihr Menschenkinder, kehrt zurück!
Denn tausend Jahre sind in deinen Augen wie der Tag, der gestern vergangen ist, wie eine Wache in der Nacht.
Du raffst sie dahin, sie werden wie Schlafende. Sie gleichen dem Gras, das am Morgen wächst:
Am Morgen blüht es auf und wächst empor, am Abend wird es welk und verdorrt.
Ja, unter deinem Zorn schwinden wir hin, durch deine Zornesglut werden wir starr vor Schrecken.
Unsere Sünden hast du vor dich hingestellt, unsere verborgene Schuld in das Licht deines Angesichts.
Ja, unter deinem Grimm gehen all unsere Tage dahin, wir beenden unsere Jahre wie einen Seufzer. Die Zeit unseres Lebens währt siebzig Jahre, wenn es hochkommt, achtzig. Das Beste daran ist nur Mühsal und Verhängnis, schnell geht es vorbei, wir fliegen dahin.

Freitag, 13. Oktober 2017

Meisterstück

"Habt ihr euer Leben recht bedacht und eingerichtet? Dann habt ihr das allergrößte Werk verrichtet.Unsere Sitten zu festigen ist unsere Pflicht, nicht Bücher zu dichten; und nicht Schlachten und Provinzen zu gewinnen, sondern die Ordnung und die Ruhe unserer Lebensführung. Unser großes und herrliches Meisterstück ist es, richtig zu leben. Alle anderen Dinge, regieren, Schätze sammeln, bauen, sind nur Zugaben und höchstens Verzierungen."
"Keine Wissenschaft ist so schwer wie die, sein Leben gut und natürlich zu leben; und keine unserer Krankheiten ist so verheerend wie die Verachtung unseres eigenen Wesens." 
Montaigne 

Donnerstag, 24. August 2017

Ordnung ist das halbe Leben

Die andere Hälfte ist Unordnung.

Leben ist Zeit

.-.

Mittwoch, 24. Mai 2017

Zeit leben

Lange Zeit leben und kurze Zeit leben: durch den Tod wird das ganz einerlei. Denn Dinge, die nicht mehr sind, sind weder kurz noch lang.
Montaigne
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Im Tod schüttelt man das Joch der Zeit ab, man fällt aus ihr heraus - dorthin, wo man schon vor der Geburt war. Zeit ist also gleichbedeutend mit Leben und - wenn man Einstein folgt - auch eine Illusion.  Aber wessen?

Dienstag, 15. März 2016

Suchen



https://twitter.com/kumpfuz/status/709646123296821248

Anregungen durch V.E.Frankl:
  • Sinn kann nicht gegeben, sondern muß gefunden werden
  • Sinn muß gefunden, kann aber nicht erzeugt werden.
  • Sinn muß aber nicht nur, sondern kann auch gefunden werden. 
  • Das Leiden hat einen Sinn, wenn Du selbst ein anderer wirst.

Auch, wenn ich ein schlechterer Mensch werde?


Freitag, 26. Februar 2016

Brahmanismus und Buddhaismus

"Brahmanismus und Buddhaismus, die den Menschen lehren, sich als das Urwesen selbst, das Brahm, zu betrachten, welchem alles Entstehen und Vergehen wesentlich fremd ist, werden darin viel mehr leisten, als solche, welche ihn aus Nichts gemacht seyn und seine, von einem Andern empfangene Existenz wirklich mit der Geburt anfangen lassen. Dem entsprechend finden wir in Indien eine Zuversicht und eine Verachtung des Todes, von der man in Europa keinen Begriff hat. Es ist in der That eine bedenkliche Sache, dem Menschen in dieser wichtigen Hinsicht schwache und unhaltbare Begriffe durch frühes Einprägen aufzuzwingen, und ihn dadurch zur Aufnahme der richtigeren und standhaltenden auf immer unfähig zu machen. Z. B. ihn lehren, daß er erst kürzlich aus Nichts geworden, folglich eine Ewigkeit hindurch Nichts gewesen sei und dennoch für die Zukunft unvergänglich seyn solle, ist gerade so, wie ihn lehren, daß er, obwohl durch und durch das Werk eines Andern, dennoch für sein Thun und Lassen in alle Ewigkeit verantwortlich seyn solle. Wenn nämlich dann, bei gereiftere Geiste und eingetretenem Nachdenken, das Unhaltbare solcher Lehren sich ihm aufdringt; so hat er nichts Besseres an ihre Stelle zu setzen, ja, ist nicht mehr fähig es zu verstehen, und geht dadurch des Trostes verlustig, den auch ihm die Natur, zum Ersatz für die Gewißheit des Todes, bestimmt hatte."
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"Tempel und Kirchen, Pagoden und Moscheen, in allen Landen, aus allen Zeiten, in Pracht und Größe, zeugen vom metaphysischen Bedürfniß des Menschen, welches, stark und unvertilgbar, dem physischen auf dem Fuße folgt. Freilich könnte wer satirisch gelaunt ist hinzufügen, daß dasselbe ein bescheidener Bursche sei, der mit geringer Kost vorlieb nehme. An plumpen Fabeln und abgeschmackten Mährchen läßt er sich bisweilen genügen: wenn nur früh genug eingeprägt, sind sie ihm hinlängliche Auslegungen seines Daseyns und Stützen seiner Moralität. Man betrachte z. B. den Koran: dieses schlechte Buch war hinreichend, eine Weltreligion zu begründen, das metaphysische Bedürfnis zahlloser Millionen Menschen seit 1200 Jahren zu befriedigen, die Grundlage ihrer Moral und einer bedeutenden Verachtung des Todes zu werden, wie auch, sie zu blutigen Kriegen und den ausgedehntesten Eroberungen zu begeistern. Wir finden in ihm die traurigste und ärmlichste Gestalt des Theismus. Viel mag durch die Übersetzungen verloren gehen; aber ich habe keinen einzigen werthvollen Gedanken darin entdecken können.
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"Nie hat ein Mythos und nie wird einer sich der so Wenigen zugänglichen, philosophischen Wahrheit enger anschließen, als diese uralte Lehre des edelsten und ältesten Volkes, bei welchem sie, so entartet es auch jetzt in vielen Stücken ist, doch noch als allgemeiner Volksglaube herrscht und auf das Leben entschiedenen Einfluß hat, heute so gut, wie vor vier Jahrtausenden. Jenes non plus ultra mythischer Darstellung haben daher schon Pythagoras und Platon mit Bewunderung aufgefaßt, von Indien, oder Aegypten, herübergenommen, verehrt, angewandt und, wir wissen nicht wie weit, selbst geglaubt. - Wir hingegen schicken nunmehr den Bramanen Englische clergymen und Herrnhuterische Leinweber, um sie aus Mitleid eines bessern zu belehren und ihnen zu bedeuten, daß sie aus Nichts gemacht sind und sich dankbarlich darüber freuen sollen." 
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"....wollte ich zeigen, wie sich an das Ende der Anfang knüpft, wie nämlich der Eros mit dem Tode in einem geheimen Zusammenhange steht, vermöge dessen der Orkus,.... also nicht nur der Nehmende, sondern auch der Gebende und der Tod das große reservoir des Lebens ist. Daher also, daher, aus dem Orkus, kommt Alles, und dort ist schon jedes gewesen, das jetzt Leben hat: - wären wir nur fähig, den Taschenspielerstreich zu begreifen, vermöge dessen Das geschieht; dann wäre Alles klar."

A. Schopenhauer

Donnerstag, 22. März 2007

Sinngebung

"Dem Leben einen Sinn geben" - das heißt doch wohl, daß es sonst keinen hat.

Montag, 5. März 2007

Verortung

"....wieder diese seelische Täuschung, daß wir nicht im Unabsehbaren und Uferlosen irren. Denn solche Begrenzung, endlich und faßbar, sucht und braucht der Mensch, wie die vier Wände seines Hauses, damit er die Weltnacht nicht sähe und nicht wahnsinnig würde vor Angst." (Max Frisch)
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HEIM.
Wild und leer das Meer,
Mein Floß und nichts umher.
Ich baue drauf vier Wände,
Auf dass ich Frieden fände.

TROST.
Seit die Menschen bangen,
Weil die Zukunft offen,
Treibt sie das Verlangen,
Wenigstens zu hoffen.*
(*frei nach Lukan: „liceat sperare timenti“)

VITA.
Äußere Kräfte,
Innere Säfte,
Unfreies Wollen,
Ewiges Sollen.

EXITUS.
Alles aus –
Oder nicht.
Eine Maus
Kümmert’s nicht.

STRANDGUT.
Durch Meere voller Niedrigkeiten
Rudern wir mit voller Kraft
Zum Ende aller Widrigkeiten,
Wo man uns beiseite schafft.