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Samstag, 24. September 2022

Überflüssiges

 Tagsüber manchmal ein Staunen, daß ich noch bin. 

Und der Wille, bis zum letzten Augenblick etwas zu »leisten« — die täglichen Pflichten oder auch anderes, Überflüssiges.  

Solange ich es vermag, nicht aufhören.


Marai Sandor

Montag, 24. September 2018

Kunst des Alterns

Aus  »Die Kunst des Alterns«  von Betrand Russell: 
»Man sieht alte Menschen, die sich von der Furcht vor dem Tod bedrücken lassen. Bei den Jungen ist diese Furcht gerechtfertigt. Junge Menschen, die sich mit gutem Grund vor dem Tod im Krieg fürchten, haben recht, wenn sie mit Bitterkeit daran denken, daß sie des Besten, was das Leben zu bieten hat, beraubt werden könnten. Aber bei einem alten Menschen, der alle Freuden und Leiden kennengelernt und sein Werk, so gut er konnte, vollbracht hat, mutet die Todesfurcht irgendwie verächtlich und unwürdig an. Die beste Möglichkeit, sie zu überwinden, ist - so jedenfalls will es mir scheinen -, seinen Interessenkreis stetig zu erweitern, die Grenzen des Ichs langsam hinauszurücken, bis schließlich das persönliche Leben in dem des gesamten Universums aufgeht. Eine individuelle Existenz ist wie ein Fluß, der, noch klein an der Quelle, eng in seinem Bachbett fließt, sich über Felsen wirft und in Wasserfällen hinunterstürzt. Langsam wird der Fluß breiter, die steilen Ufer verschwinden, das Wasser strömt ruhiger, vereint sich schließlich ohne offensichtlichen Wechsel mit dem Meer und verliert unspürbar die eigene Existenz. Wer im Alter sein Schicksal so betrachten kann, wird den Tod nicht mehr fürchten. « 
Das sind die schönsten Sätze über das Alter, die ich kenne.

https://kumpfuz.blogspot.com/2010/11/alter-nativen.html
http://kumpfus.blogspot.com/2008/01/neige.html

Sonntag, 5. März 2017

Abendrot

"Am Abend eines Lebens werden die großen und wichtigen Dinge klarer, so wie in der Landschaft die Linien klarer werden. Unsere Waage wird zu­verlässiger und gerechter, und sie wird auch mil­der. Und milder wird auch die Trauer um die große Erkenntnis, daß wir aufhören müssen, Mensch zu sein, gerade in dem Augenblick, in dem wir begonnen haben, es zu werden." 

Ernst Wiechert

Samstag, 25. Juli 2015

Methusalemkomplott

Lese gerade das Buch "Methusalemkomplott" von Frank Schirrmacher über die Folgen einer rapid alternden Gesellschaft. Viel und sehr interessantes Material, leider in einem zugespitzt journalistischen und alarmistischen Stil geschrieben; ein paar stilistische Umdrehungen weniger wären besser gewesen. - Ist F. Sch. wirklich von der FAZ? Das Buch liest sich eher "SPIEGEL-" oder gar "BILD"-like.

Dazu passt der folgende Ausschnitt aus G. C. Lichtenberg:
"Sollte nicht manches von dem, was Herr Kant lehrt,
zumal in Rücksicht auf das Sittengesetz, Folge des Alters
sein, wo Leidenschaften und Meinungen ihre Kraft ver-
loren haben, und Vernunft allein übrig bleibt? - Wenn
das menschliche Geschlecht in seiner vollen Kraft, etwa
mit dem vierzigsten Jahre, stürbe, was für Folgen würde
dieses auf die Welt haben! Aus der Verbindung der ruhi-
gen Weisheit des Alters entsteht viel Sonderbares. Ob es
nicht noch einmal einen Staat geben wird, wo man alle
Menschen im fünfundvierzigsten Jahre schlachtet?
" 

Mittwoch, 13. Februar 2013

Ärzte

Eine der unangenehmsten Folgen des Alterns ist, dass man seinen Körper sukzessive den Ärzten ausliefern muss, von denen die wenigsten  ihm mit Respekt begegnen. Die meisten, speziell die Fachärzte, fallen in die Kategorie "Humaningenieure" und haben kein Gefühl für die menschliche Persönlichkeit, in der Körper und Geist auf eine uns noch immer unbegreifliche Weise eins sind.
 Indem sie den Körper respektlos behandeln, rauben sie der ganzen Person ihre Würde.

Dienstag, 11. März 2008

65

Wenn man 65 wird, beginnt man langsam zu begreifen, wie unsere Gesellschaft funktioniert und muß sich anstrengen, nicht in Zynismus abzugleiten. Natürlich ist auch Scham und Zorn dabei, nicht schon früher drauf gekommen zu sein.

Mittwoch, 14. Februar 2007

Alter

Wie ihr danach trachtet,
Doch recht alt zu werden,
Und dabei verachtet,
Die schon lang auf Erden!

Eine Variante von Nestroy:
" Ja, ja, lang leben will halt alles, aber alt werden will kein Mensch."

Und noch 2 Epigramme zum Thema:

Lern', dich zu freuen
An dem, was war,
Denn die neuen
Freuden sind rar.


In bess’ren Zeiten hält man leicht
Eine Maske vors Gesicht.
Wenn der Jugend Stärke weicht,
Reicht die Kraft der Arme nicht.