Posts mit dem Label RIchard Strauß werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label RIchard Strauß werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 4. Juni 2011

Harnoncourt und Rossini ... und Kritiker

SPIEGEL: Ihre Abneigung gegen Rossini ist legendär.

Harnoncourt: Ich finde es wirklich brillant, was er kann. Ich hätte gar nichts dagegen, einen guten Rossini aufzuführen; aber dass ein Komponist sein Leben lang keinen Herzenston hinkriegt, das ist merkwürdig.

Heinrich HEINE:Die Verächter italienischer Musik, die auch dieser Gattung den Stab brechen, werden einst in der Hölle ihrer wohlverdienten Strafe nicht entgehen und sind vielleicht verdammt, die lange Ewigkeit hindurch nichts anderes zu hören als Fugen von Sebastian Bach..... Rossini, divino Maestro, Helios von Italien, der du deine klingenden Strahlen über die Welt verbreitest! verzeih  meinen armen Landsleuten, die dich lästern auf Schreibpapier und auf Löschpapier! Ich aber erfreue mich deiner goldenen Töne, deiner melodischen Lichter, deiner funkelnden Schmetterlingsträume, die mich so lieblich umgaukeln und mir das Herz küssen wie mit Lippen der Grazien! Divino Maestro, verzeih meinen armen Landsleuten, die deine Tiefe nicht sehen, weil du sie mit Rosen bedeckst, und denen du nicht gedankenschwer und gründlich genug bist, weil du so leicht flatterst, so gottbeflügelt!

q.e.d.

Was Harnoncourt dann noch über Richard Strauß sagte, hat er sich von H. Weigel ausgeliehen: Sie werfen ihm vor, daß er - das größte Talent seit Mozart - den Zeitgeschmack bedient hätte. Mein Gott, das hat doch Mozart auch - oder meinen sie, er hätte für die Kritiker im 20. Jh. geschrieben? Auf jeden Fall hat Strauß  auf seine Art zigtausend mal mehr Menschen glücklich gemacht als die, welche Kritik-konform geschrieben haben.

Ich glaube, sie nehmen R. Strauß übel, dass er nicht auch früh gestorben ist wie Mozart, Schubert....

Alle diese Herren können nicht existieren, ohne ihren eigenen Geschmack zu verabsolutieren: Hanslick, Weigel, MRR ......Hr. Edwin Baumgartner von der WZ möchte sich auch gerne in dieser Reihe sehen, aber es fehlt im ein bisschen das Format dafür. Als (eb) entblödete er sich nicht, dem Bayreuther Ring von Thielemann "längst überholtes Pathos" zu attestieren. Ich denke wohl eher, dass solche GerneGroßkritiker überholt sind.
--------------------------------------------------------------------
Im Übrigen steht es natürlich jedermann frei, seine Vorlieben und Abneigungen in der Musik kundzutun. Ich frage mich nur, warum niemand öffentlich sagt, er mag Gustav Mahler nicht. Dabei muss es es solche Leute geben, schon rein statistisch!

Dazu ein interessantes Zitat aus dem NEW YORKER:

March 17, 2010 
Thielemann Confesses
Posted by Alex Ross 

What does Christian Thielemann think of the music of Gustav Mahler? The German conductor, possibly the most convincing Wagner interpreter of our day, was recently asked that question at a Munich press conference, and it was a charged query: for some years, Thielemann has been trailed by rumors of reactionary political sympathies, even of anti-Semitism, and his avoidance of Mahler has in some places been taken as evidence of his alleged views. Jens Laurson, of the ionarts blog, attended the press conference, and notes that Thielemann’s response to the Mahler question took a surprising twist. The conductor said: “Mahler’s music lends itself most to those conductors who know how to hold back, who are good at understatement. That doesn’t exactly accommodate my conducting style; I’ve not been terribly successful at that yet. The music of Mahler is already so full of effects, if you are tempted to add anything, you only make it worse. I admire those conductors who achieve that certain noblesse—which is what I desire to achieve, eventually. Not always to enhance something.” 

Hab' ich mir's doch gedacht!

Und hier noch etwas viel Besseres:
 http://www.welt.de/kultur/musik/article13361719/Thielemann-irritiert-mit-fragwuerdigen-Strauss-Werken.html

Alles klar!? Wer Mahler nicht mag, wohl aber Richard Strauss, ist ANTISEMIT!!!

Montag, 12. März 2007

Rosenkavalier

Gestern Abend Staatsoper "Rosenkavalier" unter Adam Fischer, welchen ich immer mehr zu schätzen beginne, mit einem neuen, jungen "Ochs" (W. Bankl) - recht zufriedenstellend, auch die Damen Denoke, Garanca hervorragend.

Manche bezeichnen diese Oper als Kitsch, Kunsthandwerk. Mag ja sein, aber dann auf höchster Stufe. Natürlich beherrschte R. Strauß alle Technik-Tricks, um Effekte, Gefühle, Rührung nach Belieben zu erzeugen. Wenn er vormittags sein Komponier-Tagewerk absolviert hatte, ging er am Nachmittag bekanntlich ungerührt seinen Skat dreschen... Aber bei Mahler z. B. spüre ich das raffinierte Kunsthandwerk deutlicher durch - trotz der dargestellten aufgewühlten Leidenschaften.

Mich stört das überhaupt nicht. Irgendwann nach der Pubertät muss man ja drauf kommen, dass alle Kunst zuerst einmal aus Handwerk besteht. Inhalt kann sich ohne Form nicht gültig und bleibend verfestigen. Mit dem Alter steigt meine Skepsis gegenüber jener Kunst, die nur aus "Inbrunst" geboren wurde. Ich sehe den Künstler als einen 'oil-drilling-engineer', der dem Gold der Erde durch Röhren den Weg an die Oberfläche bahnt.

Was man auch nicht zu spät ablegen sollte, ist die Auffassung, dass Künstler und Werk auch moralisch gleichzusetzen seien. Gerade bei einigen meiner liebsten Künstler musste ich das "schmerzvoll" einsehen (R. Wagner, B. Brecht, Th. Mann u. a.) - und auch bei Künstler-Kollektiven wie die Wr. Philharmoniker. -

Natürlich auch das eine ganz "unmoderne" Auffassung:

Ein Kunstwerk nur für sich allein
Ist wertlos; es muss sein
Gewickelt in Gesinnungs-Stoff
Samt einem Beipack 'making of'.