"Ich habe nie einsehen mögen, warum mittelmäßige Menschen deshalb aufhören sollten, mittelmäßig zu sein, weil sie schreiben können".
Chr. Morgenstern
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Wenn man "mittelmäßig" durch "schlecht" ersetzt, passt es noch immer.
Politische, kulturelle und politische Kommentare ; literarische Kletzen. Motto: Prudenter dubitare!
Freitag, 15. April 2011
Sonntag, 3. April 2011
Zeitungen
Ich habe mir die Zeitungen vom vorigen Jahre binden lassen, es ist unbeschreiblich, was für eine Lektüre dieses ist: 50 Teile falsche Hoffnung, 47 Teile falsche Prophezeiung und 3 Teile Wahrheit. Diese Lektüre hat bei mir die Zeitungen von diesem Jahr sehr herabgesetzt, denn ich denke: was diese sind, das waren jene auch.
Lichtenberg (K 266)
Ich denke, über alte Zeitungen zum Exempel jetzt von 1792 an müßte sich ein herrliches Collegium lesen lassen, nicht in historischer, sondern in psychologischer Rücksicht.Das wäre was. Was in der Welt kann unterhaltender sein, als die vermeintliche Geschichte der Zeit mit der wahren zu vergleichen.
Lichtenberg (L 301)
Lichtenberg (K 266)
Ich denke, über alte Zeitungen zum Exempel jetzt von 1792 an müßte sich ein herrliches Collegium lesen lassen, nicht in historischer, sondern in psychologischer Rücksicht.Das wäre was. Was in der Welt kann unterhaltender sein, als die vermeintliche Geschichte der Zeit mit der wahren zu vergleichen.
Lichtenberg (L 301)
Wohl zehn Minuten las ich in einer Zeitung, ließ durch das Auge
den Geist eines verantwortungslosen Menschen in mich hinein, der die Worte
anderer im Munde breitkaut und sie eingespeichelt. aber unverdaut wieder von sich
gibt.
Hermann Hesse, Der Steppenwolf
Freitag, 1. April 2011
Nation
"Die Nation ist wie ein im Verfall begriffenes Gebäude, aber wir lieben dieses Gebäude und ziehen es einer modernen Wohnung vor. Das war schon wirklich etwas Angenehmes, die Nation. Die Grenzen erlaubten, die Bräuche und verschiedenen Sprachen zu bewahren. Die Welt zeigte nicht die langweilige Einförmigkeit, auf die wir mit Riesenschritten zugehen. Demnächst werden wir eine Weltreise machen, ohne daß wir es überhaupt merken. Das Flugzeug wird uns in einem Flughafen absetzen, der genauso aussieht wie der, von dem wir gestartet sind. Das Hotelzimmer wird genauso sein. Das Menü im Restaurant wird sein wie alle Menüs in allen Restaurants der Welt. Weshalb organisiert man eigentlich keine Weltreisen ohne Zwischenstation? In New York geht man an Bord, und in New York geht man von Bord. Während der Reise schaut man sich einen Film an. Dann und wann, bei Fluggesellschaften, die sich etwas Originelles einfallen lassen, wird dieser Film die Landschaften zeigen, über die man gerade fliegt. Das war schon wirklich etwas Angenehmes, die Nation. Die Nation, das war die Auslage des Lebensmittelhändlers um die Ecke. Das war der Akzent des Kohlenhändlers aus der Auvergne. Das war der Frittengeruch, der aus der Loge der Concierge hochstieg...." Aus JEAN RENOIR, Mein Leben, meine Filme. |
Dienstag, 29. März 2011
Freitag, 25. März 2011
Ärzte
Ich teile die Ärzte ein in solche, die mich beherrschen und in solche, die mir "dienen" (=helfen) wollen.
Erstere sollten sich dem Spezialistentum (oder als "Humaningenieure" gleich der Gerätemedizin) zuwenden.
In der Allgemein-Medizin wünsche ich mir jene, die mich in erster Linie als Menschen betrachten und nicht als Objekt ihrer "Kunst".
Einem Hausarzt, der zu ersten Gruppe gehört, sollte man weiträumig ausweichen, wenn dies möglich ist.
Eine der häßlichen Seiten des Alters ist, daß man den Ärzten immer mehr ausgeliefert ist, je mehr "noname" desto mehr. Hat man Geld, Macht, Ansehen, dann buckeln sie vor einem; heißt aber nicht, daß sie deswegen bessere Leistungen erbringen.
Erstere sollten sich dem Spezialistentum (oder als "Humaningenieure" gleich der Gerätemedizin) zuwenden.
In der Allgemein-Medizin wünsche ich mir jene, die mich in erster Linie als Menschen betrachten und nicht als Objekt ihrer "Kunst".
Einem Hausarzt, der zu ersten Gruppe gehört, sollte man weiträumig ausweichen, wenn dies möglich ist.
Eine der häßlichen Seiten des Alters ist, daß man den Ärzten immer mehr ausgeliefert ist, je mehr "noname" desto mehr. Hat man Geld, Macht, Ansehen, dann buckeln sie vor einem; heißt aber nicht, daß sie deswegen bessere Leistungen erbringen.
Mittwoch, 23. März 2011
Strasser
Genugtuung und Schadenfreude, daß es eine der miesesten Figuren in Schüssels Horrorkabinett nun endlich auch erwischt hat, besonders erfreulich, daß er über sich selbst gestolpert ist.
Persönlich erlebt habe ich diesen Sbirren Schüssels einmal in Innsbruck, als er unweit des Hauptbahnhofs aus seinem dunkelgrauen Mercedes stieg, ein kleiner Mann in dunkelgrauem Anzug, umschwirrt von anderen Männern in dunkelgrauen Anzügen - Habitus und Gestik napoleonisch - oder besser: patenhaft.
Ich erinnere mich noch gut an meine instinktive Abscheu vor diesem Typen, ich dachte mir: "Das ist doch ein mafioso!" - nur dass ein Mafiapate sich öffentlich nicht so inszeniert.
Hoffentlich erwischt es Schüssel auch bald und nicht nur seine Sbirren ... allerdings: Noch ärger als Schüssel ist m. E. Erwin Pröll. Nur ist der viel zu klug, um über sich selbst zu stolpern. Der hat - als "Landesvater" jenen Grad der Korruption erreicht, die ein niedriges Gewinnstreben nicht mehr nötig hat. Die ÖVP-NÖ ist genau gut durchstrukturiert wie ein Clan. Ich weiß das von einem Verwandten, der in diesem System drin war.
"Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem dies kroch" (B.Brecht)
Persönlich erlebt habe ich diesen Sbirren Schüssels einmal in Innsbruck, als er unweit des Hauptbahnhofs aus seinem dunkelgrauen Mercedes stieg, ein kleiner Mann in dunkelgrauem Anzug, umschwirrt von anderen Männern in dunkelgrauen Anzügen - Habitus und Gestik napoleonisch - oder besser: patenhaft.
Ich erinnere mich noch gut an meine instinktive Abscheu vor diesem Typen, ich dachte mir: "Das ist doch ein mafioso!" - nur dass ein Mafiapate sich öffentlich nicht so inszeniert.
Hoffentlich erwischt es Schüssel auch bald und nicht nur seine Sbirren ... allerdings: Noch ärger als Schüssel ist m. E. Erwin Pröll. Nur ist der viel zu klug, um über sich selbst zu stolpern. Der hat - als "Landesvater" jenen Grad der Korruption erreicht, die ein niedriges Gewinnstreben nicht mehr nötig hat. Die ÖVP-NÖ ist genau gut durchstrukturiert wie ein Clan. Ich weiß das von einem Verwandten, der in diesem System drin war.
"Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem dies kroch" (B.Brecht)
Dienstag, 22. März 2011
Börse - Schmarotzer
"Der Börse verdanken wir die Krankheit unseres moralischen Gefühls; sie ist ein öffentliches Spielhaus, wo Kunstgriffe für Geschäfte gelten, wo man auf Hausse oder Baisse spekuliert. Sie beherrscht die Industrie und trachtet auch danach, den Ackerbau zu beherrschen und die ganze Arbeit der Nation zum Nutzen einer Klasse von Schmarotzern auszubeuten".
Ein Berliner Chronist um 1860, zitiert in: Franz Herre, Wilhelm I.
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NICHTS NEUES UNTER DER SONNE.
Ein Berliner Chronist um 1860, zitiert in: Franz Herre, Wilhelm I.
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NICHTS NEUES UNTER DER SONNE.
Montag, 14. März 2011
Hart!Mann! und die Sonntags-Presse
Einem Blattmacher-Team, das sich schon selbst die Diagnose "Vanitas vanitatum" gestellt hat, ist durch Kritik nicht beizukommen. Ebensowenig einem Theatermacher, der mit ständig erigiertem EGO herumläuft, einer, der die Welt gern auf den Kopf stellt, damit sie ihn richtig wahrnimmt.
Zur Mache - äh, Sache, zur Zeitung also: Mühsam ist das diesmal für einen, der diese gerne abends im Bett liest, aber es ist mal was anderes. Ah, das ist ein Blatt im Normaldruck, "Reise", das lese ich zuerst. Kenne ich aber leider schon, von der WZ. Also weiter mit dem verdrehten Preßerzeugnis. Emotionsgefüllte Substantive werden mir entgegengeschleudert, darunter riesige Bilder, deren Sinn sich nicht sofort erschließt. Bis ich zum Text komme, bin ich schon müde. Nur einige Male überwinde ich diese Hürde, dann greife ich zu einem Buch. Na, vielleicht lese ich morgen, wenn ich ausgeruht bin, die wertvollen Artikel - oder auch nicht.
Format erschlägt Inhalt. Modernes Theater eben.
Eigentlich gut, daß ich der freundlichen Dame am Telefon das Abo nicht abgekauft habe. Oder doch schade: So könnte ich es jetzt stornieren.
Zur Mache - äh, Sache, zur Zeitung also: Mühsam ist das diesmal für einen, der diese gerne abends im Bett liest, aber es ist mal was anderes. Ah, das ist ein Blatt im Normaldruck, "Reise", das lese ich zuerst. Kenne ich aber leider schon, von der WZ. Also weiter mit dem verdrehten Preßerzeugnis. Emotionsgefüllte Substantive werden mir entgegengeschleudert, darunter riesige Bilder, deren Sinn sich nicht sofort erschließt. Bis ich zum Text komme, bin ich schon müde. Nur einige Male überwinde ich diese Hürde, dann greife ich zu einem Buch. Na, vielleicht lese ich morgen, wenn ich ausgeruht bin, die wertvollen Artikel - oder auch nicht.
Format erschlägt Inhalt. Modernes Theater eben.
Eigentlich gut, daß ich der freundlichen Dame am Telefon das Abo nicht abgekauft habe. Oder doch schade: So könnte ich es jetzt stornieren.
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