Montag, 27. August 2018

Faustische Fundstücke

Faszinierende Formulierungen aus "Dr. Faustus" von Thomas Mann, zusammenhanglos aufgereiht.

« ...das fassungslose Tugend-Gebrüll einer Welt...»

« ... die schneidende Bezeichnung »streamlined« ... für ein Werk, das  mehr zu tun hat als  ...   mit moderner Schnittigkeit der Gesinnung.»


 « Er gehörte zu den Menschen, die immer zugreifen, berühren, anfassen müssen, den Oberarm, den Ellbogen, die Schulter. Er tat es sogar bei mir und sogar bei Frauen, die es meistens nicht ungern hatten.»

 «In meinen Antworten suchte ich ihn zu trösten mit dem Hinweis, wie schwer es dem Menschen falle, über seinen gegenwärtigen Zustand hinauszudenken, den er immer, gefühlsmäßig, wenn auch gegen die Vernunft, als sein bleibendes Los anzusehen geneigt sei, unfähig, sozusagen, um die nächste Ecke zu sehen, was vielleicht noch mehr für arge als für glückliche Zustände gelte.»

......was vielleicht mit der Schwerkraft zusammenhängt. 😉

Freitag, 10. August 2018

Edelzartbitter

Nur "Bitter" ist heute nicht mehr an den Mann zu bringen....

Donnerstag, 9. August 2018

AD INTERIM

Die, welche, mittelst Streben und Hoffen, nur in der Zukunft leben, immer vorwärts sehn und mit Ungeduld den kommenden Dingen entgegeneilen, als welche allererst das wahre Glück bringen sollen, inzwischen aber die Gegenwart unbeachtet und ungenossen vorbeiziehn lassen, sind, trotz ihren altklugen Mienen, jenen Eseln in Italien zu vergleichen, deren  Schritt dadurch beschleunigt wird, dass an einem, ihrem Kopf angehefteten Stock ein Bündel Heu hängt, welches sie daher stets dicht vor sich sehn und zu erreichen hoffen. Denn sie betrügen sich selbst um ihr ganzes Dasein, indem sie stets nur AD INTERIM leben, bis sie tot sind.
A. Schopenhauer

Mittwoch, 8. August 2018

Zum Glück III

Wir erkennen alsdann, dass das Beste, was die Welt zu bieten hat, eine schmerzlose, ruhige, erträgliche Existenz ist und beschränken unsre Ansprüche auf diese, um sie desto sicherer durchzusetzen. Denn, um nicht sehr unglücklich zu werden, ist das sicherste Mittel, dass man nicht verlange, sehr glücklich zu sein.
A. Schopenhauer

Dienstag, 7. August 2018

Ärgern

 Es wäre dumm, sich über die Welt zu ärgern. Sie kümmert sich nicht darum.

Marc Aurel


Montag, 6. August 2018

Geißel

Ich finde, von allen Geißeln ist die Angst die schlimmste. 
Voltaire

Dienstag, 31. Juli 2018

Wallungen

 Ich glaube nicht, daß Künstler die richtigen Leute sind, ihre Hervorbringungen zu interpretieren. Sie erzeugen sie im Zustande einer gewissen psychischen Wallung und sind also kaum imstande, sie objektiv zu beurteilen.
Paul Flora

Daran halten sich leider ganz wenige Künstler, vor allem die aus dem Literatur- und Theaterbetrieb fühlen sich bemüßigt - von den Medienleuten dazu aufgefordert, der Öffentlichkeit zu erklären, was sie ausdrücken wollten. Wahrscheinlich haben sie kein Vertrauen darauf, dass ihre "Hervorbringungen" für sich selber sprechen. Meistens haben sie auch recht damit. Am ärgsten finde ich Schauspieler und Sänger, die ihre politischen oder gar philosophischen "Gedanken" zur jeweiligen Rolle absondern.

Freitag, 27. Juli 2018

Zeitverlust

Im Augenblick seines Absterbens verliert der Mensch nicht nur das Bewußtsein, nicht nur das Bewußtsein der Zeit, sondern er verliert auch die Zeit selbst. Er verliert sie im Tode ganz genau so, wie er sie im Zeitpunkt seiner Geburt überhaupt erst gewinnt. Nur Dasein in Raum und Zeit und, in einem damit, im Leibe - nur solches Dasein »hat« die Zeit, »hat« eine Vergangenheit und eine Zukunft. Geistiges Sein jedoch, als geistiges, »ist« nicht »da«; es ist, im Gegensatz zum »da-sein«, ein Sein jenseits von Raum und Zeit.

Wo es keine Zeit, wo es weder Vergangenheit noch Zukunft gibt, dort verliert aber auch alles Gerede von »früher« oder »später«, »vor« oder »nach«, »prä« oder »post« seinen Sinn. Was »Prä-« oder »Post-« ist, ist eo ipso nicht »Existenz«. Geistige Existenz ist uns nicht anders bekannt als in Ko-existenz mit dem Psychophysicum. Jede Aussage über geistige Existenz jenseits dieser Ko-existenz, jenseits von Leib, Raum und Zeit, entbehrt des Sinnes. Wir können um geistige Existenz nur wissen, sobald und solange sie mit Leib und Seele ver-ein-t, sobald und solange sie durch Leib und Seele er-gänzt ist zur Einheit und Ganzheit des Wesens »Mensch«. Was darüber hinaus ist, was jenseits von Leib, Raum und Zeit ist, was sich im Bereich des reinen Seins abspielt - darum zu wissen ist unmöglich.

Daß so etwas wie eine »Seelen«-Wanderung unmöglich ist, haben wir gehört: wir sehen aber auch, daß ein Fortleben des Geistigen un»denkbar« ist: es kann nicht gedacht werden, es läßt sich nicht vorstellen. Dennoch könnte es möglich sein - und es ist nicht nur möglich, sondern auch notwendig; denn das Gegenteil davon wäre ja keinesfalls möglich: daß nämlich dasjenige, was wesentlich jenseits von Raum und Zeit ist, jemals sterben können sollte. In diesem Sinne schlage ich vor, an Stelle von Fortleben der Person von Überleben zu sprechen - aber nicht so, als ob damit gemeint wäre, daß die geistige Person ihren leiblich-seelischen Tod überlebt, sondern in dem Sinne, in welchem wir bereits einmal von »Übersinn« gesprochen haben - worunter wir »einen über menschliches Fassungsvermögen wesentlich hinausgehenden Sinn« verstanden haben -, also im Sinne eines über-Lebens, das heißt eines Modus des Lebens, von dem wir uns keinen Begriff mehr machen, den wir nicht mehr fassen können.
V.  E.  Frankl 

Es ist irgendwie beglückend, wenn man in der Literatur etwas ausgedrückt findet, das man selber zwar ähnlich gedacht, aber nie hätte formulieren können.

"Der Begriff "Leben nach dem Tod" hat eine zeitliche Dimension, die ich nicht für richtig halte. Ich glaube, dass es ein Leben außerhalb der materiellen Welt gibt. Es gibt eine geistige Welt außerhalb der materiellen Existenz. Aber mit Physik hat das nichts zu tun, sondern das ist nur meine persönliche Ansicht."

A. Zeilinger, Quantenphysiker