Sonntag, 10. August 2014

Barbara Prammers Abschied

Zur Umrahmung Richard Wagner und Timna Brauer. Das wird in verschiedenen Mägen chemische Unverträglichkeitsreaktionen hervorgerufen haben. Aber:

Dabei könnte mir dieser Soundtrack-Mix durchaus gefallen, wenn man sicher sein könnte, dass er nicht durch Interessengruppen angerichtet wurde.

Ich bin mir sicher, dass diese Pfauenparade Barbara Prammer selbst nicht goutiert hätte.

Samstag, 9. August 2014

Max Frisch u. a.

Habe gerade die Biographie über Max Frisch von Volker Weidermann (FAZ) gelesen. Frisch war früher einer meiner literarischen Hausgötter; heute kann ich weniger mit ihm anfangen. Diese ausufernde Selbstbespiegelung liegt mir heute nicht mehr; generell ist Frisch heute auch nicht mehr wirklich aktuell; gleichwohl ist er nach wie vor genial darin, Seelenzustände mit Worten auszudrücken. Seine Stücke werden auch kaum mehr gespielt, die meisten Erfolgs-Dramen haben eine kurze Halbwertszeit.
Dass eine Biographie die Sympathie-Werte für die beschriebene Person nach unten drückt, passiert mir ja nicht das erste Mal. Als Mensch dürfte er "ein Ekel" gewesen sein (Zitat nach Siegfried Unselds Sohn). Zufällig habe ich auch noch eine andere Referenz: Eine Tante von mir war in ihrer Jugend Hausmädchen bei Frisch's (in der Zeit seiner ersten Ehe). Ihr Urteil: Ein "Spinner" und "Danebengeher" (damit meinte sie "notorischer Ehebrecher"). Nun, so kann man es auch sehen...
Was mir aber auffällt: Auch Frisch hat in seiner Spätphase eine starke Aggression gegen seine Heimat, also die Schweiz entwickelt, wie sie sich z. B.  auch bei Thomas Bernhard gegen Österreich herausgebildet hat. Ich habe mich immer gefragt, wogegen sich dieses Ressentiment wirklich richtete und woraus es sich nährte. Ein Land ist doch eine Abstraktion, kann man eine solche hassen? Es werden wohl schon bestimmte Menschen damit gemeint gewesen sein und ein tiefer Frust als Basis. Auffallend ist, dass beide sehr erfolgsverwöhnt waren und schwer-reich geworden, aber doch letztlich an ihre Grenzen gestoßen sind, physisch, psychisch, politisch - ob es damit zusammenhängt? Oder handelt es sich nur die Luxusausgabe des Altmänner-Grants?  Gut, Bernhard war noch nicht so alt, aber bei ihm ging die Uhr einfach bedeutend schneller.
Da fällt mir ein: Auch Ludwig Thoma hat im Alter die "Sau rausgelassen" (im Miesbacher-Boten) - - allerdings: Zu seiner Zeit, da Patriotismus einen hohen Stellenwert hatte, war es einfach nicht gut möglich und auch nicht bekömmlich, gegen sein "Vaterland" zu gifteln (er saß ja auch schon einmal für Majestätsbeleidigung im Gefängnis) - so hat er sich stattdessen die Juden vorgenommen, aus seiner Sicht also die mächtigen Cliquen.
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Stichwort "Grenzen": "Auch auf die Impotenz ist kein Verlaß" (Max Frisch).

Ernährung

"Ich vergesse das meiste, was ich gelesen habe, so wie das, was ich gegessen habe. Ich weiß aber soviel, beides trägt nichtsdestoweniger zur Erhaltung meines Geistes und meines Leibes bei".

Lichtenberg

Auch ich lese viel und vielerlei, bin aber nicht "belesen", weil mein Gedächtnis nicht gut ist.

Samstag, 26. Juli 2014

Endlich eine vernünftige Stellungnahme zum aktuellen Nahost-Problem...

...und ausgerechnet in der WZ:

http://www.wienerzeitung.at/meinungen/gastkommentare/647541_Die-nahoestliche-Verschaerfung.html
(Isolde Charim)

Mein Posting dazu:
Der mit Abstand beste Beitrag bisher zum aktuellen Nahost-Thema, und das in der WZ! Allein der mutige Satz "Rache ist nicht demokratisch" degradiert jene Kolumnisten von Göweil (WZ) bis Pelinka (TT), die aus dem Grund Solidarität mit Israel fordern, weil es die "einzige Demokratie in der Region" sei. Demokratie für sich allein ist kein Wert, wenn sie nicht demokratisch praktiziert wird. Auch Russland und die Türkei sind bekanntlich "Demokratien". Demokratie bietet eben auch die Möglichkeit, dass extreme Gruppierungen die Macht ergreifen, um ihre zutiefst undemokratischen Ziele, nun "demokratisch legitimiert" zu verfolgen. In jedem Fall heißt das jeweils nichts anderes, als dass die Mehrheit seiner Bevölkerung hinter dieser Gruppierung steht, denn es geht ja demokratisch zu. Hoffnungslos? Ja, denn sollte wider alles Erwarten einmal eine gemäßigte Partei ans Ruder kommen, muss man Angst haben, dass deren Proponent ganz undemokratisch abgemurkst wird - wie das "in der Region" nicht unüblich ist.

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"Lustig" ist, dass Israelkritische Postings in der WZ oft innerhalb kürzester Zeit eine Menge "dislikes" bekommen; da ist offenbar in der Redaktion eine sehr aktive Gruppe auf dem Posten, die sich ihrer Verantwortung wohl bewußt ist.

Im Leserforum andererseits werden überwiegend nur israelfreundliche Leserbriefe abgedruckt; auch sonst werden affirmative Zuschriften vorgezogen, die in den seltensten Fällen einen neuen Gedanken bringen.

Adopters

Im KURIER von gestern lese ich:
 "Am stärksten waren die Nazis im 4. Bezirk...im 8.,18., 6. und 7. Bezirk...heute allesamt Bezirke mit vielen Grünwählern".
Na klar, dort siedeln die sog. Eliten, die "early adopters".
Nur wechselt halt manchmal das Vorzeichen. Hängt vom Wind ab.

Siehe:
http://de.wikipedia.org/wiki/Gentrifizierung

Samstag, 19. Juli 2014

Tiere essen?

Man geht wohl nicht fehl, wenn man die Debatte um "Tiere essen" als Elitenproblem bezeichnet, als Sorge von Höheren, ähh... Töchtern und Söhnen. Mancher mag sie sogar vor dem Hintergrund des weltweit ungelösten Ernährungsproblems als obszön empfinden. Wie auch immer, Respekt vor anderen Lebensformen ist geboten, aber deren notorischer Hang zum Missionieren geht mir gewaltig auf die Nerven.

Freitag, 18. Juli 2014

Herostraten

Herostratos ist der Schutzpatron der Kulturkritiker. Immer wieder versuchen Kritiker, sich selber groß zu machen, indem sie anerkannte Kunstwerke und Künstler klein machen oder gar "vernichten". Beispiele: Für M.Reich-Ranicki ist Musil ein "ganz schlechter Schriftsteller":

Wie ehrte ich den Dichter
Schon von Jugend an!
Nun spricht der ObeRRichter*:
"Versungen und Vertan".




*(M Reich-Ranicki verreißt R. Musil im Spiegel vom 19.8.2002)


... für Edwin Baumgartner (WZ) schrieb Heimito von Doderer "Stumpfsinn"....
(im Tamino-Klassik-Forum 2007)

Letzteren (E.B.) konnte man unlängst in einer Sendung von Ioan Holender über Richard Strauss seine altbekannten Sprüche über dessen Nazi-Affinität verbreiten sehen. Er erinnert mich fatal - nicht optisch! - an den Ritter von der traurigen Gestalt:  Alles, was ihm begegnet, bringt er mit dem Nazitum in Zusammenhang ...allerdings sind seine Windmühlen-Attacken fast immer sehr gut und gescheit geschrieben. aber er kann sich nicht verkneifen, überall seine fixe Idee durchscheinen zu lassen. Wie bei einem Koch, der sich aus Liebe zu einem bestimmten Gewürz nicht beherrschen kann und es überall reichlich dazugibt: Er kann noch so gut kochen, aber man hat seine Gerichte bald über.

Donnerstag, 17. Juli 2014

Israel und Hamas

Das Kreuz - nein, das kann man hier nicht sagen - die Zwickmühle also  bei allen hiesigen Äußerungen zum Israel-Hamas-Konflikt ist, dass man eigentlich nichts "Richtiges" sagen kann. Äußert man Verständnis für die Gegenmaßnahmen Israels, wird man den Unterstützern Netanjahus und seiner Politik zugerechnet, kritisiert man dessen Vorgehen, wird man taxfrei zum Antisemiten gestempelt. Am besten ist, man schweigt - aber das ist sicher auch nicht "GOLD":
Worüber man nicht reden kann,
Darüber muss man schweigen.*
Aus Unsagbarem irgendwann
Wird Untat sich erzeugen.
*(Frei nach L.Wittgenstein)

Ironie und Dilemma am Rande: Journalisten, die hierzulande eindeutig der Linken zugerechnet werden können (z. B. R. Göweil von der WZ),  mutieren beim Thema Israel zu beflissenen Befürwortern einer nun wirklich eindeutig rechten Politik, offenbar aus Loyalität um jeden Preis. 

"Das ist die Rücksicht, 

die Elend läßt zu hohen Jahren kommen ... "

(Hamlet)

Gegenwärtig werden in den verschiedenen Zeitungen mehr oder weniger gescheite Israel-Verteidigungs-Aufsätze, ja manchmal ganze Seiten, lanciert. Dabei scheint es in dem jeweiligen Medium einen "Zur Stelle-"Redakteur zu geben, den man allerdings mit der Zeit schon kennt. Die Gründe kann man nur vermuten - aber Vorsicht! Man beachte das Vermutungsverbot!