Sokrates:
"Von ihren Gedichten also diejenigen vornehmend, welche sie am vorzüglichsten schienen ausgearbeitet zu haben, fragte ich aus, was sie wohl damit meinten, auf daß ich auch zugleich etwas lernte von ihnen. Schämen muß ich mich nun freilich, ihr Männer, euch die Wahrheit zu sagen: Dennoch soll sie gesagt werden:Um es nämlich geradeheraus zu sagen, fast sprachen alle Anwesenden besser als sie selbst über das, was sie gedichtet hatten. Ich erfuhr also auch von den Dichtern in kurzem dieses, daß sie nicht durch Weisheit dichteten, was sie dichten, sondern durch eine Naturgabe und in der Begeisterung, eben wie die Wahrsager und Orakelsänger. Denn auch diese sagen viel Schönes, wissen aber nichts von dem, was sie sagen; ebenso nun ward mir deutlich, erging es auch den Dichtern. Und zugleich merkte ich, daß sie glaubten, um ihrer Dichtung willen auch in allem übrigen sehr weise Männer zu sein, worin sie es nicht waren. Fort ging ich also auch von ihnen mit dem Glauben, sie um das nämliche zu übertreffen wie auch die Staatsmänner."
(«Apologie» 21 e-22 c / 1, 13.)
Politische, kulturelle und politische Kommentare ; literarische Kletzen. Motto: Prudenter dubitare!
Mittwoch, 23. Juni 2010
Freitag, 18. Juni 2010
Mißbildungen
Sokrates: "Wie lächerlich! Wenn Du einem begegnest, der eine schlechtere Körperbildung hat als du, würdest du nicht böse sein; weil du nun aber einen getroffen hast, der weniger Lebensart hat als du, willst du dich ereifern!"
Überliefert von Xenophon.
Danach ist schlechtes Benehmen auch eine Art Behinderung und hat Anrecht auf Mitleid.
Überliefert von Xenophon.
Danach ist schlechtes Benehmen auch eine Art Behinderung und hat Anrecht auf Mitleid.
Donnerstag, 17. Juni 2010
Israel-Maßstab
„Israel wird mit zweierlei Maß gemessen … An Israel werden Ansprüche gestellt wie an kein zweites Land auf der Welt“
...sprach Danielle Spera im WZ-Interview d. W.
Ein klassischer und krasser Fall von Eigenbild-Fremdbild-Diskrepanz, wie mir scheint.
Die "Welt" hat nämlich eher den Eindruck, daß Israel sich selbst ausschließlich mit eigenem Maßstab misst, indem es glaubt, sich wegen der Shoa bis in alle Ewigkeit alles erlauben zu können.
...sprach Danielle Spera im WZ-Interview d. W.
Ein klassischer und krasser Fall von Eigenbild-Fremdbild-Diskrepanz, wie mir scheint.
Die "Welt" hat nämlich eher den Eindruck, daß Israel sich selbst ausschließlich mit eigenem Maßstab misst, indem es glaubt, sich wegen der Shoa bis in alle Ewigkeit alles erlauben zu können.
Frankreich-Urlaub 2010 (Nachtrag)
Nachzutragen wäre ein Kurzbericht über unseren heurigen Frankreich-Urlaub in Lyon, Bourges (ZwiSt.) und Saumur (Loire) - wie immer mit dem Wohnwagen & 4 eingelegten heftigen Eisenbahntagen:
- Marseille (TGV;TER)
- Le Croisic; St. Nazaire
- Noirmoutier (SNCF-Car)
- Tours-Bressuire
Das Angebot im Regionalverkehr ist nicht übermäßig üppig und vor allem ziemlich eindeutig auf Zubringerdienste für den TGV ausgerichtet - und dieser ähnelt für die Passagiere schon sehr stark dem Flugverkehr: Ohne frühzeitige Reservierung geht meist gar nichts, Schlangestehen ist obligatorisch. Die Manager freut's.
In Lyon (wo dies nicht überraschend ist) und in Saumur hatten wir diesmal leider Campingplätze ausgesucht, die stark von holländischen und englischen Luxuscampern frequentiert waren (mobilhomes), sodaß wir uns mit dem französischen Lebensgefühl etwas schwertaten.
Noirmoutier en Île, plage des dames...
Buhorkan für Regie im neuen Wiener Tannhäuser
Was besseres als ein Buhorkan in einem Wiener Theater kann einem deutschen Regietheatermacher ja gar nicht passieren: Man muß bedenken, daß er sich ja nach einem echten Erfolg beim hiesigen Publikum dann in Deutschland nicht mehr blicken lassen könnte. Je näher dem Skandal, desto höher der Marktwert.
Und der gewiefte Musikttheaterdirektor Holender kalkuliert so: Diejenigen, die wegen der Musik kommen, kommen sowieso und jenen, die Oper nur als Psycho-Rebus mit soundtrack oder als intellektuelle Herausforderung geniessen können, muß ja auch etwas geboten werden. Und für seine weiteren Tätigkeiten ist ein geneigtes internationales Feuilleton allemal weitaus nützlicher als ein dankbares Wiener Publikum.
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Regietheater, das ist, als ob man Alte Meister in einem Alu-Rahmen ausstellt - natürlich in einem Alu-Rahmen, der auf Platin-Optik gebürstet ist, damit die hohen Kosten gerechtfertigt sind.
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Regietheater, das ist, als ob man Alte Meister in einem Alu-Rahmen ausstellt - natürlich in einem Alu-Rahmen, der auf Platin-Optik gebürstet ist, damit die hohen Kosten gerechtfertigt sind.
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Ich brauche diese verquaste, pseudophilosphische Intellektelei zum „Verständnis“ von Wagner-Opern nicht. Ich gehe nicht aus philosophischen Gründen in die Oper, sondern primär wegen des akustischen und optischen Vergnügens; letzteres gibt es allerdings auch schon immer seltener. Wenn dabei mein Intellekt nicht beleidigt wird, bin ich's schon zufrieden. Ich werde auch diesmal wieder orchesternahe Plätze mit Sichtbehinderung buchen. In diesem konkreten Fall muß ich allerdings darauf achten, daß mir der vor dem Orchester professoral dozierende Franz Welser-Möst nicht die Stimmung ruiniert.
Stimmung? Oweh – jetzt habe ich mich in den Augen der neuen "Opernfreunde" endgültig disqualifiziert.
Stimmung? Oweh – jetzt habe ich mich in den Augen der neuen "Opernfreunde" endgültig disqualifiziert.
Dienstag, 11. Mai 2010
Märkte
Die Märkte, die Märkte – was ist das eigentlich? Wie es scheint, so eine Art neue Weltregierung und für den einfachen Bürger wohl sowas wie früher der Olymp, bevölkert mit allerlei Göttern und Halbgöttern, die da heissen: Analysten, Banker, Börsianer, Spekulanten usw.
Die einen fürchten sie und die anderen verehren sie. Ihre Priester und Herolde nennen sich heute Wirtschafts-Journalisten. Die Rolle der politischen Regierungen reduziert sich allmählich auf das Eintreiben von Steuern, damit auch immer genug Geld-Nachschub da ist für das Große Gewinnspiel.
Die einen fürchten sie und die anderen verehren sie. Ihre Priester und Herolde nennen sich heute Wirtschafts-Journalisten. Die Rolle der politischen Regierungen reduziert sich allmählich auf das Eintreiben von Steuern, damit auch immer genug Geld-Nachschub da ist für das Große Gewinnspiel.
Samstag, 8. Mai 2010
Selbstironie
"Ohne einen feinen Beisatz von Selbstironie ist jeder Mensch mehr oder weniger ungenießbar. Daher giebt es so viele Ungenießbare".
Th. Fontane, Brief an "Mete".
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D'accord!
Th. Fontane, Brief an "Mete".
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D'accord!
Sonntag, 2. Mai 2010
Politiker und Journalisten
Das Verhältnis zwischen Politikern und Journalisten stelle ich mir ähnlich vor wie jenes zwischen rivalisierenden Gangster-Gruppen - gegenseitiges Mißtrauen sorgt für Kontrolle.
In beiden Fällen wird es erst richtig schlimm, wenn sie kooperieren.
In beiden Fällen wird es erst richtig schlimm, wenn sie kooperieren.
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