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Mittwoch, 11. November 2020

Katzengedicht


KATZEN GEDICHT

von Robert Gernhardt



Von einer Katze lernen
heißt siegen lernen.
Wobei siegen »locker durchkommen« meint,
also praktisch: liegen lernen.

Sie sind ein sieghaftes Geschlecht,
diese Katzen.
Es gibt ihrer so viele wie Spatzen im Land.
Doch wer streichelt schon Spatzen?

Sie ist gar kein rätselhaftes Tier,
so eine Katze.
Sie will viel Fraß, etwas Liebe, doch meist
horcht sie an der Matratze.

Was eine einzige Katze uns lehrt,
lehren uns alle:
So viel wie möglich nehmen, ohne zu geben,
und dann ab in die Falle.

Mit einer Katze leben,
heißt die Katze überleben.
Jedenfalls dann, wenn man noch mitten im Leben steht.
Eine Katze steht schneller daneben.

Wie alt wird so eine Katze?
Maximal zwanzig Jahre.
Viele streckt's aber auch schon früher hin
auf die, sagen wir ruhig: Bahre.

Die ist dann vielleicht dein Schreibtisch.
Darauf kriegt sie ihre Injektion.
Sie seicht dir noch rasch die Tischplatte voll,
und das war's dann auch schon.

Eine Katze haben,
heißt eine Katze verlieren.
Andere mögen von Menschen reden,
ich rede von Tieren.

Mittwoch, 26. August 2020

Bei Betrachtung der auf dem Fensterbrett schlafenden Katze

 "Was tut eine Katze? Sie frißt, sie jagt, sie tobt herum, sie lauert. Sie denkt nicht. Natürlich geht in ihrem Gehirn etwas vor, aber wir täuschen uns, wenn wir meinen, sie denke. Sie denkt nicht, denn sie hat keine Begriffe. Denken heißt: Instinkte in Begriffe verwandeln. (Der Denkansatz bei der Entschlüsselung der artificial intelligence, der die Entschlüsselung der natürlichen Intelligenz vorausgehen muß, also die Antwort auf die Frage: haben Computer eine Intelligenz?, ist falsch, weil er an der Begriffseite beginnt; er müßte an der Instinktseite anfangen.) Ein Bein und der Schwanz hängen übers Fensterbrett herunter. Über die Silhouette erhebt sich nur ein Ohr. Wenn sie weder frißt, jagt, tobt und so fort, schläft sie.

Wecken hieße: sie ein klein wenig töten. Nicht nur die Katze, jedes Lebewesen. Ein gewaltsames oder auch nur durch unberechenbare äußere Einflüsse herbeigeführtes Ende einmal beiseite gelassen, hat jedes Lebewesen, vermute ich, ein zugewiesenes Maß an Lebenskraft, das sich im Lauf seines Lebens verbraucht; und dann erlischt es, das Leben. Wenn das Lebewesen schläft, verbraucht es keine Lebenskraft oder vielleicht nur ganz, ganz wenig. Was es schläft, lebt es länger. Mozart hat so wenig geschlafen, heißt es. Wenn er mehr geschlafen hätte, hätte er vielleicht länger gelebt, aber mehr geschrieben hätte er auch nicht, denn im Schlaf hat er nicht geschrieben, das nicht; unter allen möglichen Umständen hat er geschrieben, aber im Schlaf nicht.

Langgestreckt, schwarz, seidig glänzendes Fell, tief atmend, draußen der leichte Nebel auf der herbstlichen Wiese. Nicht wecken: sie verlängert grad ihr Leben."

H. Rosendorfer

Dazu passt:

Muezza (arabisch معزة) war nach der Überlieferung die Katze des islamischen Religionsstifters Mohammed. Über sie existieren einige Legenden: Um das in seinem Arm schlafende Tier nicht zu wecken, soll Mohammed ohne Zögern den Ärmel seines Gewandes abgeschnitten haben, als er zum Gebet gerufen wurde.



Mittwoch, 19. Februar 2020

Freitag, 15. März 2019

a grin without a cat


'Well! I've often seen a cat without a grin, 'thought Alice; 'but a grin without a cat! It's the most curious thing I ever saw in all my life!' 
L. Carroll, Alice i. W.


Sonntag, 10. Februar 2019

Mittwoch, 22. November 2017

Katzenträume

»Indem ich«, sprach Kreisler, »diesen klugen Kater betrachte, fällt es mir wieder schwer aufs Herz, in welchen engen Kreis unsere Erkenntnis gebannt ist. - Wer kann es sagen, wer nur ahnen, wie weit das Geistesvermögen der Tiere geht! Wenn uns etwas oder vielmehr alles in der Natur unerforschlich bleibt, so sind wir gleich mit Namen bei der Hand und brüsten uns mit unserer albernen Schulweisheit, die eben nicht viel weiter reicht als unsere Nase. So haben wir denn auch das ganze geistige Vermögen der Tiere, das sich oft auf die wunderbarste Art äußert, mit der Bezeichnung Instinkt abgefertigt. Ich möchte aber nur die einzige Frage beantwortet haben, ob mit der Idee des Instinkts, des blinden willkürlosen Triebes, die Fähigkeit zu träumen vereinbar sei. Daß aber z. B. Hunde mit der größten Lebhaftigkeit träumen, weiß jeder, der einen schlafenden Jagdhund beobachtet hat, dem im Traum die ganze Jagd aufgegangen. Er sucht, er schnuppert, er bewegt die Füße, als sei er im vollen Rennen, er keucht, er schwitzt. - Von träumenden Katern weiß ich zur Zeit nichts.« 
»Der Kater Murr«, unterbrach Meister Abraham den Freund, »träumt nicht allein sehr lebendig, sondern er gerät auch, wie deutlich zu bemerken, häufig in jene sanfte Reverien, in das träumerische Hinbrüten, in das somnambule Delirieren, kurz, in jenen seltsamen Zustand zwischen Schlafen und Wachen, der poetischen Gemütern für die Zeit des eigentlichen Empfanges genialer Gedanken gilt. In diesem Zustande stöhnt und ächzt er seit kurzer Zeit ganz ungemein, so, daß ich glauben muß, daß er entweder in Liebe ist oder an einer Tragödie arbeitet.« 
E. T. A. Hoffmann, Kater Murr.

Also, unsere Katzen haben immer geträumt und auch im Schlaf "gesprochen". Was gäbe ich drum, wenn ich wüsste, worüber!
Katze im Café 
"Am Bahnhof bemerkte er, daß er noch eine Stunde Zeit hatte. Er rief sich ins Gedächtnis, daß es in einem Café auf der Calle Brazil eine riesige Katze gab, die sich streicheln ließ als sei sie eine verachtende Gottheit. Er betrat das Café. Da war die Katze und schlief. Er bestellte eine Tasse Kaffee, rührte um, schlürfte sie langsam und dachte, als er den schwarzen Mantel der Katze glättete, daß dieser Kontakt eine Illusion sei, daß diese beiden Existenzen, Mensch und Katze, wie durch eine Glasscheibe getrennt sind, denn der Mensch lebt in der Zeit, in der Abfolge, während das magische Tier in der Gegenwart lebt, in der Ewigkeit des Augenblicks." 
Aus: J.L.Borges, Ficciones 

Freitag, 8. September 2017

Meine Katze hat Zeit

"Meine Katze hat Zeit. Die Zeit ist ihr angeboren und einverleibt wie ihr Fell, ihre Ohren, ihre Krallen, ihre zeitlos schönen Augen. Ihre Zeit ist immer nur Gegenwart, und innerhalb dieser Gegenwart der Augenblick. Nur auf diesen Augenblick konzentriert sie ihre Gedanken, ihre Gefühle, ihre Gelüste. Sie denkt weder vor noch nach; sie lebt jetzt, nur jetzt. Jetzt liegt sie in ihrem Sessel und schläft; zumindest in diesem, in ihrem Augenblick."  
"Ich glaube, meine Katze kennt keine »Warums«. Was gestern gewesen ist, interessiert sie nicht mehr; was morgen kommt, ist ihr gleichgültig. Sie weiß nicht, was Zeit ist. Ich muß mir die Zeit nehmen, einteilen, stehlen; manchmal vertreibe ich mir die Zeit, manchmal vergeude ich sie, manchmal mache ich mir die Zeit bewußt. Die Zeit und ich, wir leben getrennt voneinander, und obwohl ich oft sage, ich hätte keine Zeit, weiß ich dennoch sehr genau, daß nicht ich Zeit habe, daß die Zeit vielmehr mich hat.
Werner Koch
Zur Illustration der real existierenden Herrschaftsverhältnisse:

Mittwoch, 1. Februar 2017

Senso

"Nur, wer die Sehnsucht kennt, weiß, was ich leide"
(Goethe)

Mittwoch, 12. August 2015

Eine Bildergeschichte...

die schon 6 Jahre alt ist, aber erst jetzt wiederentdeckt wurde:



Das (a) im Namen erklärt sich folgendermaßen: Man glaubte zuerst, es sei ein Kater - auch der Tierarzt! Erst beim 2. Besuch stellte sich heraus, dass es eine Djamila war - und das stimmte ja 100%ig: Das heisst ja "die Schöne".

Freitag, 22. Mai 2015

Katzen würden...

...sicher kein Futter kaufen, auf dem steht:

  • "Lachs mit Spinatgelee"
  • "Huhn mit Tomatengelee"
  • "Pute mit Karottengelee"
  • "Rind mit Eiergelee"
  • ......

----  das ist als Kaufanreiz für Katzenhalter mit vegetarischen Verstiegenheiten gedacht.

Freitag, 5. Dezember 2014

Allergene

Ohne gepflegte Allergie ist man heute nicht gesellschaftsfähig. Ich habe sogar deren zwei, eine ganz private und eine allgemein anerkannte:

  1. Ich bin allergisch gegen Belehrungen der moralischen und erzieherischen Art, nicht hingegen gegen jene der Wissensvermittlung
  2. Laut Attest eines Allergie-Institutes bin ich allergisch gegen Katzen. Nun ist es leider so, dass ich meine Kindheit mit Katzen verbracht habe und auch schon nahezu 45 Jahre  meines Erwachsenen-Daseins. Das ist ein Los, das ich tragen muß, denn:
(Die Allergie wirkt sich übrigens so aus, daß ich einen kleinen "Dippel" [Beule] bekomme, wenn mich meine kleine weiße Katze kratzt, was sie beim Spiel gerne tut; nun, das ist auszuhalten).

P.S.: In dem Allergie-Institut, das mich vor Jahren untersuchte, gewann ich den Eindruck, dass dort niemand ohne Allergie hinausging.

Dienstag, 19. Februar 2013

Sarvar (Nachtrag)

Ende Jänner waren wir 4 Tage in Bad Sarvar (Ungarn, Komitat Vas) "wellnessen"...
Als Nachtrag 2 Bildchen, eines von einem wunderschönen Spaziergang im "Wildpark" und eines von der bei mir fast schon obligaten Begegnung der 3. Art:

Typisch für Außerirdische: Läßt sich streicheln und verschwindet dann wortlos.
Außerdem: Ein richtig ungarisches Gesicht --- MAGYAR ÁLOM

Donnerstag, 17. Januar 2013

Montaignes Katze

«Die Tiere halten uns sicher für ebenso dumm wie wir sie.»
 In einer bekannten Passage der Essais heißt es weiters: «Wenn ich mit
 meiner Katze spiele - wer weiß, ob ich nicht mehr ihr zum Zeitvertreib
 diene als sie mir?» Und er fügt hinzu: «Die närrischen Spiele, mit denen
 wir uns vergnügen, sind wechselseitig: Ebenso oft wie ich bestimmt sie,
 wann es losgehn oder aufhören soll.» 

Er macht sich die Perspektive der Katze, die ihn betrachtet, genauso zu eigen, wie er seine eigene Perspektive ihr gegenüber einnimmt.
Montaignes kleines kommunikatives Spiel mit seiner Katze zählt zu den hinreißendsten Passagen der Essais - und zu einer der bedeutendsten. Sie belegt Montaignes Überzeugung, 
dass alle Lebewesen in einer gemeinsamen Welt leben und dass jede Kreatur ihre ganz eigene Wahrnehmung dieser Welt hat. «Der ganze Montaigne steckt in diesem hingeworfenen Satz», meint Herbert Lüthy.

Montaignes Fähigkeit, zwischen verschiedenen Perspektiven hin- und herzuspringen, wird ganz besonders deutlich, wenn er über Tiere schreibt. Uns falle es schwer, sie zu verstehen, bemerkt er, aber ihnen müsse es genauso schwer fallen, uns zu verstehen. 
«Diese Unfähigkeit  zur Kommunikation zwischen ihnen und uns - warum sollte sie nicht ebenso unsere sein wie ihre?»
Wir können uns in die Empfindungen der Tiere ungefähr in gleichem Maße hineindenken wie sie sich in die unsren. Sie fordern uns etwas ab, sie schmeicheln uns, sie drohen uns - und wir ihnen. Montaigne kann seine Katze nicht betrachten, ohne zu denken, dass auch sie ihn betrachtet, und ohne sich vorzustellen, wie er sie betrachtet. 


Aus: Sarah Bakewell, Wie soll ich leben? C.H. Beck, 2012


Sonntag, 15. April 2007

UNTERTAN



Den Herren parieren:
Oberste Hundepflicht!
Derlei Manieren
Braucht mein Kater nicht.