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Donnerstag, 28. Oktober 2021

Unmündig

Immanuel Kant: 

,,Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht an Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung. Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so großer Teil der Menschen, nachdem sie die Natur längst von fremder Leitung freigesprochen ... , dennoch gern zeitlebens unmündig bleiben; und warum es anderen so leicht wird, sich zu deren Vormündern aufzuwerfen. Es ist so bequem, unmündig zu sein."

Samstag, 23. Juni 2018

Die Philosophie muss als Arzeneimittel wirken.

Immanuel Kant:

Und billiger als Psychotherapeuten ist sie allemal....
Hier wie dort muss man natürlich auf die Dispensatorien und ihre Lieferanten acht geben.

Montag, 19. Juni 2017

Gut und Böse

"For there is nothing either good or bad, but thinking makes it so."
(Hamlet)

Was mir auffällt: Das Positive lässt sich von jedermann bedenkenlos kleinmachen und relativieren, ohne dass das jemanden stören würde. Das Negative aber ist meist so faszinierend und interessant, dass es gar nicht groß genug dargestellt werden kann.
                                                         


ZWEI alte Pfarrer treffen sich. « Mit den Jahren », sagt der eine, « erkenne ich immer deutlicher, daß die Menschen sehr wohl zwischen Gut und Böse unterscheiden können.»  «Ja», sagt der zweite, «aber nur bei anderen.»

Aus: "Der klerikale Witz"



Sonntag, 3. Mai 2015

Der da sagt,

"Der da sagt, daß ein Gott sei, sagt mehr, als er weiß, und der das Gegenteil sagt, desgleichen."
"Alle Aufgaben auflösen und alle Fragen beantworten zu wollen würde eine unverschämte Großsprecherei und ein so ausschweifender Eigendünkel sein, daß man dadurch sich sofort um alles Zutrauen bringen müßte."

I. Kant

Sonntag, 23. März 2014

Was ist Satire?

 "Unsre Sinne geben uns ein sehr unvollkommenes Weltbild; Wir nehmen bei weitem nicht alle Vorgänge (Was  dasselbe ist: Dinge) um uns wahr.  Noch mehr: unsere Sinne geben uns ein falsches Weltbild. Das Nächste -- ein Jucken am Hals, einen bellenden  Hund vor der Tür, ein Kerzenlicht auf dem Tisch --  drahten uns die Sinne mit aufdringlicher Deutlichkeit.  Sie verschweigen uns aber den Donner der Protuberanzen,  die riesenhaften Nebelsysteme der Milchstraße.          

Den Mond und die Sonne zeigen uns die Sinne nicht  größer als zwei Melonen im Garten.  Der Verstand sollte den Irrtum unsrer Eindrücke korrigieren: und er versagt; wir können nur Gegenstände in  ihrem Umfang begreifen, die wir gebaut, erklettert, abgetastet haben: einen Kirchturm, einen Berg. Schon die Höhe  der Wolken über dem Meer ist uns nicht mehr bewußt.  Uns sind nur Entfernungen vorstellbar, die wir gegangen sind: drei Kilometer -- hundert Kilometer -  tausend. Eine Strecke etwa wie fünf Millionen Meilen  oder ein Lichtjahr - wir vermögen uns solche Größen  nur durch Vergleich und Verjüngung nahzubringen.   

Geben wir nun unsrer Sonne die Größe eines Wagenrades, so ist die Erde eine Erbse, hundert Meter weit von  ihr; und spannweit von der Erde ein Stecknadelkopf:  der Mond.  Dann aber ist der nächste Fixstern, Alpha Centauri,  immer noch unvorstellbar weit. Wir müssen den Maßstab abermals verringern -- die Sonne zu einer Nuß  machen --, dann erst rückt uns Alpha Centauri in begreifliche Nähe: tausend Kilometer.  Es ist die Entfernung von Hamburg bis Triest. Die  Sonne also -- eine Nuß -- in Hamburg; Alpha Centauri -- eine Nuß -- in Triest. Dazwischen Nacht und  Kälte. Die Erde ist zu einem Körnchen geworden von  einem Drittel Millimeter.  Doch Sonne und Alpha Centauri sind ja selbst nur  geringe Körper - bei ihrer Betrachtung dürfen wir uns  nicht aufhalten.  Pressen wir das Weltall in die Strecke Hamburg-Triest (die größte, die wir uns noch vorstellen können):  dann ist die Sonne selbst nicht mehr da, geschweige die  Erde. Die Geschichte der Menschheit ist von fünftausend  Jahren zusammengescbrumpft auf eine Zehntausendstelsekunde.        

Und nun erst wissen wir um die Bedeutung des Menschen im All: sie ist gleich Null. Das organische Leben  auf unserem Planeten ist eine Episode. Der Mensch, durch  das Korrektiv seiner falschen Maßstäbe vom GrößenWahn geheilt, sieht seine völlige Zwecklosigkeit ein.  Der Mensch hat keine Aufgabe in der Welt, also auch  keine Pflichten. Die Erhaltung des Selbst und der Art -  Urquellen unsrer Leidenschaften - sind zwecklos.  Wer sich ein einziges Urteil bildet, ohne das All mitzudenken, ist bewußtlos.    

Was ist Anlaß des Lachens? Nach Kant (so sagt er  ungefähr): Auflösung einer großen Erwartung in Nichts.  Nun, alle große Erwartung der Menschheit ist verdammt, in Nichts aufgelöst zu werden.  

Was ist Satire? Das Zurückführen einer aufgeblähten  Scheingröße auf ihr Maß.  

Wer sich ein einziges Urteil bildet, ohne das All  mitzudenken, ist bewußtlos.   Wir sehen ein, daß  es eine andre als die komische, satirische Kunst gar nicht  geben sollte und nicht gibt.  Die Menschen sind den Läusen näher als den Göttern.  Dichter, die den Menschen anders sehen, sind bewußtlos.  

Der Mensch ist überaus klein; seine Größe Humbug.  Der eine darf den winzigkleinen Menschen mitleidig  anschauen: der Humorist; der andre verächtlich: der  Satiriker."     

RodaRoda   

Und an anderer Stelle sagt er über Satire:
"...dem Bombast die Stelzen wegschlagen..."

Montag, 27. Februar 2012

Alleswisser

Selbstbewußt.
Ich bin ein wirklich bescheidener Mann,
Den Selbstlob würde kränken, -
Daß ich mir etwas nicht denken kann,
Das kann ich mir nicht denken.
                                                                                   (Julius Stettenheim,1831-1916)
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Fromme und Leugner sind Brüder, denn beide behaupten zu wissen.
Nur wer den Zweifel erträgt, ist von ganz anderem  Schlag.
Aus: Piri-Piri: HÖHERES
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Karl Popper sagt dasselbe, nur etwas unfreundlicher:
"Wir wissen nicht, sondern wir raten. Obwohl das naturwissenschaftliche Wissen kein Wissen ist, ist es das beste, das wir auf diesem Gebiet haben. Ich nenne es Vermutungswissen - mehr oder weniger, um die Leute zu trösten, die sicheres Wissen wollen und glauben, es nicht entbehren zu können. Das  sind nämlich die gefährlich suggestionsbedürftigen Menschen, die Menschen, denen der Mut fehlt, ohne Sicherheit, ohne Gewißheit, ohne Autorität, ohne einen Führer zu leben. Man könnte vielleicht sagen: Es sind die Menschen die im Kindesalter steckengeblieben sind."
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Mir als" Montaigne-Jünger" sind Leute verdächtig, die über die Wahrheit zu verfügen glauben:
"Es ist eine Torheit, das Wahre und das Falsche nach unserer Fassungskraft zu messen...es ist andererseits eine törichte Anmaßung, hinzugehen und alles als falsch zu verurteilen und zu verwerfen, was  uns    nicht    wahrscheinlich   vorkommt: welches  der übliche Fehler derer ist, die einen über das gemeine Maß  erhabenen  Geist  zu besitzen glauben."
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Jeder Fromme - und die meisten Heiligen - wurden manchmal vom Zweifel befallen. Das ist etwas, was einem "bekennenden" Atheisten niemals passieren wird. Schon deshalb sind sie für mich un-glaub-würdig. - 
Überhaupt gibt es sehr wenig wirklich "Ungläubige": Diejenigen, die nicht an Gott glauben können, glauben umso fester, dass es ihn nicht gibt.

⇨ ⇨ http://kumpfuz.blogspot.com/2017/03/anmaungen.html
⇨ ⇨ https://kumpfuz.blogspot.com/2015/05/der-da-sagt.html

Schopenhauer darf auch nicht fehlen:
Das, was man weiß, hat doppelten Wert, wenn man zugleich das, was man nicht weiß, nicht zu wissen eingesteht. 

...und Kant sowieso:

Alle Aufgaben auflösen und alle Fragen beantworten zu wollen würde eine unverschämte Großsprecherei und ein so ausschweifender Eigendünkel sein, daß man dadurch sich sofort um alles  Zutrauen bringen müßte.

🙈🙊🙈

Und zum Schluß: Tao Te King, 71 

  • Nichtwissen ist wahres Wissen.
  • Anzunehmen, man wisse, ist eine Krankheit.
  • Sieh zunächst ein, dass du krank bist; dann bist du auf dem Weg zur Gesundheit.
  • Ein Meister ist sein eigener Arzt. Er hat sich von allem Wissen kuriert. Folglich ist er wahrhaft ganz.

Donnerstag, 18. Juni 2009

Gute Laune

"...so kann und soll man beschwerliche, aber notwendige Arbeit in guter Laune verrichten, ja selbst sterben in guter Laune: denn alles dieses verliert seinen Wert dadurch, daß es in übler Laune und mürrischer Stimmung begangen oder erlitten wird".
I. Kant

"... tu tamen mortem ut numquam timeas, semper cogita!"
Seneca