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Freitag, 11. August 2017

Zunftsprache

"Es stimmt eben nicht, daß der Fortschritt der Wissenschaften oder neue Entwicklungen in anderen Bereichen das antike Wort auf den Plan rufen müßten; es liegt nicht im Wesen griechischer oder neuerdings englischer Silben, dehnbarer zu sein als deutsche Silben. Auch auf deutsch läßt sich freilich mit Zunftvo­kabeln trefflich protzen: Man stößt ja auf Leute, die eigens Jura studiert zu haben scheinen, damit sie das schöne deutsche Wort "Vernehmung" zur Einvernahme entstellen können.
Die Experten und ihre Nachbeter grenzen sich auf diese Weise hochmütig von den Laien ab, sie erkennen einander am Zunft­jargon und steigern ihr Lebensgefühl durch die berechtigte Hoff­nung, die Mehrheit ihrer Mitbürger vom Verständnis auszu­schließen. Falls sie eine Professur anstreben, müssen sie sich des Jargons bedienen, damit sie von den anderen Experten ernst ge­nommen werden; zumal in Disziplinen wie der Linguistik oder der Soziologie, von denen ja wenig übrigbliebe, wenn man ihnen das Vokabular entzöge. Wer massenmediale Phänomene untersucht, teilt unüberhörbar mit, daß er Kommunikationswissenschaft studiert hat, und wer einen relaunch abchecken kann, darf sich der Gilde der Marktforscher zurechnen." 
Wolf Schneider
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Als normaler Sterblicher hat man in manchen Bereichen keine Chance, wenn man sich nicht des Zunftjargons bedienen kann, z. B. im Gesundheitswesen oder vor Gericht. Bei letzterem ist man praktisch gezwungen, einen Anwalt zu nehmen, auch wenn man unschuldig ist, sonst geht man als zumindest Teilschuldiger hinaus.

Donnerstag, 29. Januar 2015

Krise der Glaubwürdigkeit

Wer im Bewusstsein der eigenen ökonomischen Unkenntnis sich über die Wirtschaftskrise besser informieren und zu diesem Zweck diverse Medien unterschiedlicher Ausrichtung zu Rate ziehen will, den beschleicht sehr bald ein böser Verdacht, der sich rasch zur Gewissheit verdichtet: Alle diese "Experten" kennen sich nicht wirklich aus und die Journalisten sowieso nicht.

Selbst der Dümmste muss ja mitbekommen, dass sich Diagnosen und Therapie-Vorschläge zum Teil in grotesker Weise widersprechen. Und je bestimmter  und sicherer ein Autor auftritt, desto mehr kann man davon ausgehen, dass er seinen Mangel an konkretem Wissen durch eine ISMUS-Ideologie kompensiert.

Am meisten an Glaubwürdigkeit eingebüßt haben durch die Krise  die sog. Wirtschafts-Fach-Journalisten, deren "Einbettung" in die diversen Interessenslager jeweils nur zu deutlich erkennbar war. Fast schon komisch wirkt es im Rückblick, mit welcher Sicherheit und Ernsthaftigkeit sie verkündet haben:"Benzin wird niemals mehr billig werden!"

Sehe auch:Die #Krise hat mich v.a. eines gelehrt:Keiner der #Experten kennt sich wirklich aus und dieses Vakuum wird mit #Ideologie gefüllt.



Samstag, 17. August 2013

Journalisten und Professoren

Lt. H. Weigel schrieb A. Stifter in einem Brief:
"...bewahre uns Gott vor Journalisten und Professoren".

Ich möchte ergänzen:" vor allem, wenn sie sich zusammentun".
Statt Professoren könnte man auch Experten einsetzen.

Mittwoch, 14. November 2007

Pensionsexperten

Ach ja, die Pensionsexperten: Sie können jede Gleichung lösen, aber keine Zusammenhänge erkennen, sie berechnen die Zukunft, sehen sie aber nicht. Und das alles risikolos, weil selbst wohlversorgt.