Montag, 31. Juli 2017

Gerichtsbarkeit

 "Ich hänge schon für mich selbst allzu sehr an der Welt und an diesem Leben. Mir reicht es schon, dem Schicksal durch die Bedürftigkeiten meines eigenen Lebens ausgesetzt zu sein, ohne dass ich noch durch anderes seine Gerichtsbarkeit über mich erweitern möchte; und ich war nie der Meinung, dass ohne Kinder zu sein ein Mangel ist, der das Leben unvollkommener und unzufriedener macht." 
Montaigne

Sonntag, 30. Juli 2017

Negentropie

Unser Herangehen an die Probleme sollte durch einen Grundsatz bedingt sein, den viele Problemlöser heute schon anwenden, besonders, wenn es sich um sehr komplexe Situationen handelt. Das Rezept lautet, sich nicht zu fragen, was wir tun müssen, um die Dinge zu verbessern, sondern sich die äußerst nihilistische Frage zu stellen, was wir tun müssten, um die Lage vollkommen unmöglich zu machen. Dieses scheinbar so negative Denken hat den großen Vorteil, dass wir uns nicht auf weiß Gott welche hohen Ideale einstellen, sondern dass wir uns ernsthaft fragen, welche Systemeigenschaften wir in Betracht ziehen beziehungsweise respektieren müssen, um eine Verschlechterung des Problems zu vermeiden. Der Fehler, den ich sowohl als Therapeut wie auch als Berater von Großfirmen am häufigsten sehe, ist die Annahme, dass ein großes komplexes Problem nur durch ebenso große komplexe Lösungsstrategien angegangen werden kann. Allein schon die Entwicklungsgeschichte des Lebens auf unserem Erdball belehrt uns eines Besseren, denn die unerhörte Komplexität des Lebens entstand aus einfachsten Ausgangsbedingungen und in kleinsten Schritten. Wie wir wissen, waren alle großen Wandlungen in der Evolution katastrophisch. Das Kleine ist möglicherweise bedeutender als das Große. Das ist für viele Weltbeglücker natürlich eine überaus schäbige Idee, mit der man die Massen nicht begeistern kann.
Die Naturwissenschaften haben diese Phänomene bereits in ihrer Sprache und in ihrer Weise postuliert. Sie werden sich erinnern. dass die Entropie im Sinne des Ersten Hauptsatzes der Wärmelehre die Tendenz von Systemen bezeichnet, aus einem Zustand der Ordnung in Unordnung überzugehen. Dagegen gibt es aber auch eine Negentropie. das ist die Art von Prozessen, die wir in der Natur immer wieder beobachten können: das Wachsen, Sich-Verbessern. Ich glaube. wir sollten am besten zu Dienern der Negentropie werden.
Mir ist in diesem Zusammenhang Heinz von Foersters ethischer Imperativ sehr wichtig. Er lautet: »Handle stets so, dass weitere Möglichkeiten entstehen.«

Aus: Paul Watzlawick, Vom Unsinn des Sinns oder vom Sinn des Unsinns.

Den Revoluzzern ins Stammbuch

Reife ist die Fähigkeit, das Rechte auch dann zu tun, wenn es die Eltern empfohlen haben.

Paul Watzlawick
http://gutezitate.com/zitat/228100

Samstag, 29. Juli 2017

Kein Wetter

"Kein Wetter ist mir zuwider, außer der heftigen Glut einer stechenden Sonne. Ich möchte gerne wissen, durch welche Kunst sich die Perser in so frühen Zeiten, als der Luxus erst entstand, nach Belieben frischen Wind und Schatten verschafften, wie Xenophon es berichtet.* Ich liebe Regen und Dreck, wie die Enten. Der Wechsel der Luft und des Klimas macht mir nicht zu schaffen; mir ist der ganze Himmel einer. Ich bin nur mit den innerlichen Veränderungen geschlagen, die ich selbst in mir hervorbringe, und ebendie drücken mich weniger, wenn ich reise. Ich ziehe keine bestimmte Spur, keine gerade und keine krumme. Finde ich dort, wo ich hingehe, nicht das, was man mir erzählt hat (wie es oft vorkommt, daß die Urteile anderer nicht mit meinen übereinstimmen und ich sie meistens falsch finde), so beklage ich mich darüber nicht; ich habe gelernt, daß das, was man sagte, nicht stimmt. (...) Ich weiß wohl, daß, wenn man es buchstäblich nimmt, diese Lust am Reisen von Unruhe und Unentschlossenheit zeugt. So sind dies denn auch unsere vornehmsten und herrschenden Eigenschaften. Ja, ich gestehe es, ich sehe nichts, nicht einmal in meinen Träumen oder Wünschen, woran ich mich festhalten könnte; nur die Abwechslung und der Besitz der Mannigfaltigkeit befriedigen mich, wenn mich überhaupt etwas befriedigt. Am Reisen gefällt mir eben dies, daß ich ohne bestimmtes Ziel irgendwo anhalten kann und daß ich Gelegenheit habe, mich angenehm zu zerstreuen. (...)"
Montaigne, Essais 

*War wohl ein Bādgir (https://de.wikipedia.org/wiki/B%C4%81dgir)

Donnerstag, 27. Juli 2017

2 Sprüche

Warum heißt es, wenn ich mit Gott spreche, GEBET, und wenn Gott mit mir spricht: PSYCHOSE?


Was wir denken, hat viel mit Temperatur zu tun. Hätte Königsberg am Äquator gelegen, Kant hätte seine Kritik der reinen Vernunft auf 5 Seiten zusammengefasst. Und der kategorische Imperativ würde lauten: MAÑANA.

E. v. Hirschhausen

Freitag, 21. Juli 2017

Let’s pretend

’ And here I wish I could tell you half the things Alice used to say, beginning with her favourite phrase ‘Let’s pretend.’
From: Through the Looking-Glass,Author: Charles Dodgson, AKA Lewis Carroll
____________________________________________________________________________________
In der deutschen Übersetzung lautet das so: "Lass uns so tun, als ob".

⇉⇊

Lied aus dem Spanischen

Gestern liebt ich,
Heute leid ich,
Morgen sterb ich:
Dennoch denk ich
Heut und morgen
Gern an gestern.

Überliefert von Søren Kierkegaard

Mittwoch, 19. Juli 2017

Stille Größe



Ist doch - rufen sie vermessen,
Nichts im Werke, nichts getan.
Und das Große reift indessen
Still heran.
Es erscheint nun: niemand sieht es,
Niemand hört es im Geschrei.
Mit bescheid’ner Trauer zieht es
Still vorbei.


Feuchtersleben